"Der Schneider von Panama": Träumer und Märchenerzähler - DER SPIEGEL
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"Der Schneider von Panama" Träumer und Märchenerzähler

Der eine ist Spion, der andere ein kindliches Fußballgenie: In "Der Schneider von Panama" mit Pierce Brosnan und "Es gibt nur einen Jimmy Grimble" kämpfen die Helden mit Lügen und Wahrheit.
Von Cristina Moles Kaupp
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Langsam beginnen die Ersten mit den Füssen zu scharren und zu stänkern. Wo bleiben sie denn, die großen Stars? Johnny Depp, die Sahneschnitte, oder Pierce Brosnan, der ewige Zweite unter den Spionen? Haben frech abgesagt. Und wir sitzen da und haben den Salat: kucken Filmchen wie "Malena", "Chocolat" oder "Der Schneider von Panama". Grundlos im Wettbewerb.

Halt: "It's a game, let's have some fun!" Pierce Brosnan sagt es in "Der Schneider von Panama". Wie wahr. Und ganz so schrecklich ist die Spionage-Geschichte von John le Carré nun auch wieder nicht, nur altmodisch und ziemlich behäbig. Brosnan muss natürlich wieder herumspionieren, als Andy Osnard, ein schlauer, aber mieser Kerl. Er wird nach Panama strafversetzt, soll herausfinden, was mit dem Kanal geschieht, der nicht mehr den Amerikanern "gehört". Und Osnard, versaut von seiner Kalten-Krieger-Vergangenheit, wittert überall Intrigen, Korruption und viel Geld.

Er trifft Harry Pendel (großartig: Geoffrey Rush), Schneider und Brite wie er. Doch im Herzen ist Pendel ein Träumer und Märchenerzähler mit Schulden und einer hinreißenden Frau (Jamie Lee Curtis). Geködert von Osnards schnellem Geld, serviert er ihm Geschichten von alten Widerstandskämpfern und geheimen Plänen über den Verkauf des Kanals. Osnard glaubt dem tapferen Schneiderlein, doch dann entgleitet ihnen die Geschichte. John Boorman hat Regie geführt, und sein Autor, John le Carré, hat den Film mit viel Spaß produziert. "Ein Buch zu verfilmen ist ungefähr so, als wenn aus einer Kuh eine Bouillon-Pille wird", lacht le Carré hinterher. Er liebe Unterhaltung ohne zu viel intellektuellen Impetus, und das erfülle der Film. Seine literarische Vorlage ist 1996 entstanden, drei Jahre bevor der Kanal wieder an Panama ging. Doch gefragt zur aktuellen Politik, reagiert le Carré ernst: Vor Putin, Bush und Scharon habe er Angst. "Was Lateinamerika angeht, blicke ich pessimistisch in die Zukunft. Die US-Präsenz ist dort schon lange nicht mehr gerechtfertigt, auch wenn sie dafür immer neue Gründe finden, beispielsweise den Drogenhandel." In "Der Schneider von Panama" fehlt diese Note. Gedacht als schwarze Komödie, nutzt der Film jede Chance zu augenzwinkernden Querverweisen auf große Spionage-Filme und berühmte Charaktere. Doch die Strategen sind müde geworden und fallen auf jedes Märchen herein.

Magische Fußballschuhe nicht nur für Kinder

Rette sich, wer kann. Am besten zum Kinderfilm. Dort finden sich wie immer viele Trüffel, kompromisslos und intelligent zusammengetragen, ohne Politik im Hinterkopf. Filme wie "Es gibt nur einen Jimmy Grimble" von John Hay. Auch hier spielt Lüge und Wahrheit eine Rolle, allerdings mit einem anderen Ziel. Jimmy ist 15 und ein Außenseiter. Er lebt in Manchester, hat keinen Vater und kann Fußball spielen wie ein junger Gott. Nur nicht wenn's ernst wird. Dann steht er sich selbst im Wege und macht alles falsch. Eines Tages schenkt ihm eine alte Frau ein Paar alte, aber magische Fußballschuhe. Von da an ist Jimmy wie ausgewechselt. Bis er das Märchen der Alten durchschaut und endlich zu sich selber findet.

Ein packender Film, der nicht nur die anwesenden Kids begeistert. Herrlich, wenn sie hinterher den Regisseur nach den Tricks löchern, nach umstrittenen Abseitsregeln oder nach Lewis McKenzie, dem furiosen jugendlichen Hauptdarsteller, dem Robert Carlyle in der Rolle des Schultrainers zur Seite steht. Der gehört leider zu den stillen Stars, und keiner rief ihn an die Spree. Andere hingegen kamen, fast unbemerkt, denn sie sind zu alt und zu vergessen. Rod Steiger zum Beispiel, 75 und krank. Doch er ließ es sich nicht nehmen, dabei zu sein, als Yello-Kopf Dieter Meier seinen ersten Kinofilm - "Lightmaker" - präsentierte. Steiger hat mitgewirkt in dem skurrilen Märchen voller Liebe zum Film, zur Musik und zur Kraft der Ideen. Und eines liegt ihm nach all den Jahren sehr am Herzen: der Berlinale zu danken, die ihm so viel ermöglicht hat.

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