Deutsche Kinobranche Good Bye, Zuschauer!
Berlin - Die Kinobranche muss auch weiterhin schmerzhafte Einbußen bei Besuchern und Umsatz hinnehmen. Mit 149 Millionen Kinogängern kamen 2003 im Vergleich zum Vorjahr knapp 15 Millionen Besucher weniger (minus 9,1 Prozent) in die Filmtheater, wie die Filmförderungsanstalt (FFA) am Mittwoch in Berlin auf ihrer Jahrespressekonferenz mitteilte. Damit wurde lediglich ein Ergebnis wie zuletzt 1998/1999 erreicht. Der Umsatz sank von rund 960 Millionen auf 850 Millionen Euro (minus 11, 5 Prozent).
FFA-Vorstand Rolf Bähr sprach dennoch von einem "ambivalenten Kinojahr", da der deutsche Film mit 25,3 Millionen Besuchern starke Ergebnisse erzielt habe. Dank Publikumserfolgen wie "Good Bye, Lenin!" und "Das Wunder von Bern" stieg sein Marktanteil damit von 11,9 auf 17,5 Prozent. Im Kino-Boomjahr 2001, das insgesamt knapp 178 Millionen Besuchern zählte, hatte er sogar bei 18,4 Prozent gelegen.
Das beste Ergebnis erzielte die Kinobranche 2003 im vierten Quartal, in dem Streifen wie "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" und "Findet Nemo" starteten. Hier lag das Besucherminus bei lediglich 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was nach Meinung der FFA eine "Trendwende" ankündigt.
Als Ursachen für die Rückgänge im vergangenen Jahr sehen die Filmförderer unter anderem die allgemeine Konsumzurückhaltung und die zunehmende Film-Piraterie. Nach den Worten von Bähr war das Problem des Brennens und Downloadens in den ersten drei Quartalen besonders stark. Gegen Ende des Jahres jedoch habe es sich, vor allem dank der Arbeit der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) gegen Raubkopierer, etwas weniger stark bemerkbar gemacht.
Auch das Fehlen amerikanischer "Event-Filme" während der ersten Jahreshälfte und die zunehmende Konkurrenz durch die DVD wurden als Gründe genannt. Der von vielen Kinos angeführte "Jahrhundertsommer" kann nach Ansicht von Bähr nur bedingt ins Feld geführt werden. Mitschuld am Umsatzrückgang sei der durchschnittlich um 16 Cent auf 5,70 Euro pro Kinokarte gesunkene Eintrittspreis, hieß es weiter.
Wie Bähr sagte, seien die "Anfangszahlen" für den Januar 2004 zwar "nicht überragend". Dennoch blicke er recht optimistisch auf das laufende Jahr. Deutsche Filme wie Michael "Bully" Herbigs "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1" oder Bernd Eichingers "Der Untergang" sowie eine Reihe von US-Blockbustern wie "Spider-Man 2" gäben Anlass zu Hoffnung.
Sollte sich der Trend des vergangenen Jahres jedoch fortsetzen, so werden auch die dicksten Hollywood-Epen nichts gegen den Besucherschwund ausrichten. Während die "Event-Filme" Anfang 2003 fehlten, gab es im Sommer mit Actionspektakeln wie "Terminator 3", "Charlie's Angels 2", "Hulk" oder "Bad Boys 2" eine wahre Schwemme von potenziellen Kassenerfolgen. An den deutschen Kinokassen versagten die aufwändig vermarkteten US-Filme jedoch ebenso wie auf ihrem Heimat-Markt.