Diamonds: Mach's noch einmal, Kirk! - DER SPIEGEL
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Diamonds Mach's noch einmal, Kirk!

Eine mäßige Komödie, aber eine wundervolle Hommage: In "Diamonds" erlebt man noch einmal den unverwüstlichen Kirk Douglas - in sentimental-nostalgischen Momenten mit der unnachahmlichen Lauren Bacall.
Von Oliver Hüttmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hier wird, ganz ohne Scheu vor Sentiment, einem alten Kämpfer noch mal die Bühne bereitet. Am Anfang sieht man ihn als Boxer auf vergilbten Fotos, an denen die Kamera huldvoll vorübergleitet. Dazwischen sind Schwarzweiß-Aufnahmen geschnitten, die ihn im Ring zeigen, mit dominantem Blick, wie er unerbittlich zuschlägt. Ein Triumphator. Und am Ende, noch bevor der Abspann beginnt, steht eine Widmung. "Dear Kirk", dankt die gesamte Filmcrew, die Zusammenarbeit mit ihm sei großartig und ja so inspirierend gewesen.

Das klingt etwas schwülstig, möchte man als Zuschauer spontan ausrufen. Denn "Diamonds" ist der erste Film, den der inzwischen 84-jährige Kirk Douglas nach seinem Schlaganfall von 1996 gedreht hat. Allein diese Tatsache ist schon erstaunlich und doch so typisch für diesen Mann, den man getrost als Hollywood-Legende und Letzten seiner Art titulieren darf. Dafür sieht man über die Schwächen der Story gerne hinweg und genießt dafür die selbstreferierenden Momente. Etwa wenn Douglas in einer Szene empfiehlt: "Lebe jeden Tag, als wäre es der letzte ­ und gib niemals auf!"

Stechende Augen und Grübchenkinn

Ein abgedroschenes Motto, gewiss. Aber für diese Zielstrebigkeit und Unnachgiebigkeit hat Douglas mit stechenden Augen und seinem stolz nach vorne geschobenen Grübchenkinn eben stets eingestanden, gerade in seinen Rollen als "Reporter des Satans", als Filmproduzent in "Stadt der Illusionen" oder als Colonel Dax in "Wege zum Ruhm", als "Spartacus", Wikinger Einar und später noch als gealterter und, klar, legendärer Eisenbahnräuber neben seinem Kumpel Burt Lancaster in "Archie und Harry ­ sie können's nicht lassen".

Er habe seine "Karriere mit der Darstellung von Hurensöhnen gemacht", hat Douglas einmal ironisch erklärt, und deren Eigenschaften gibt er auch nun als bärbeißiger, unsensibler und sturer Ex-Preisboxer Harry Agensky nicht ganz auf. Dass der gerade von einem Schlaganfall genesen ist, mag ein wenig zu nahe liegend sein, aber nahe gegangen ist Douglas das Drehbuch sicherlich. So macht er launige Witze über seine eingeschränkte Sprachfähigkeit und verzieht bei Lippenübungen albern das Gesicht, was nur durch sein ungetrübtes Charisma erträglich ist.

Diamantencoup und Generationenkonflikt

Harry wohnt in einem Zimmer bei seinem Sohn Moses (Kurt Fuller) und dessen Frau in Kanada, will aber seine Unabhängigkeit zurückgewinnen. Finanzieren will er dies mit 13 Diamanten, die er einst in Reno verstecken musste, weil er bei seinem letzten Kampf einen Mafioso betrogen hatte. Als sich der kernige Greis von dieser Idee nicht abbringen lässt, besteht sein jüngerer Sohn Lance (Dan Aykroyd) darauf, ihn mit seinem 16-jährigen Sohn Michael (Corbin Allred) zu begleiten. Die Fahrt im Auto wird für die drei Generationen zu einer stereotypen Tour der Aussprache und Selbstfindung, führt allerdings auch zu manchen klugen, immer rührenden Verweisen auf Douglas' Schaffen, Image und Leben.

Harry verachtet Lance, da er jedem Zoff ausweicht, unsicher und verklemmt ist, und verhöhnt den Sportreporter als "Schriftsteller". Lance wirft Harry dagegen vor, als Vater versagt, kaum Zeit gehabt und nie Liebe oder Respekt gezeigt zu haben. Ähnliche Schwierigkeiten hatten ja lange auch zwischen Douglas und seinen Söhnen bestanden. Michael wiederum rebelliert gegen die Bevormundungen seines Vaters, von dem er sich nicht verstanden fühlt. Schließlich lösen sich die Konflikte mit jenen Hausmitteln, die echte Männer brauchen: Sie zocken in einem Spielcasino, stellen einen Straßenräuber und landen schließlich in einem Bordell.

Der Schwerenöter und die Puffmutter

Während in Lance nach seinem ersten Joint leidlich amüsant der Hengst erwacht und Michael allzu erregt von einer Hure mit Herz (Jenny McCarthy) aufgepäppelt wird, gibt es für den greisen Schwerenöter Harry nach fast 50 Jahren ein schmalzig-schönes Wiedersehen. Denn als philosophierende Puffmutter tritt Lauren "The Look" Bacall auf, geheimnisvoll und unfassbar attraktiv noch heute, mit der er nur einmal in "Der Mann ihrer Träume" von Michael Curtiz zusammengespielt hatte. Die beiden kannten sich von der Schauspielschule, und Bacall verschaffte Douglas dann seine erste Hauptrolle als rücksichtsloser Boxer in dem Drama "The Champion" (1949, auf deutsch: "Zwischen Frauen und Seilen"), wofür er zudem seine erste von drei Oscar-Nominierungen erhielt. Es war Douglas' Durchbruch, deshalb stammen aus jenem Film auch die Sequenzen zu Beginn von "Diamonds", einem insgesamt mäßigen Werk, in dem sich der Hauptdarsteller dennoch pudelwohl fühlt. Das Zusehen lohnt sich allein für ein nostalgisches Augenzwinkern am Ende, wenn sich Douglas und Bacall auf einer Veranda küssen.

"Diamonds", USA 1999; Regie: John Mallory Asher; Drehbuch: Allan Aaron Katz; Darsteller: Kirk Douglas, Dan Aykroyd, Corbin Allred, Lauren Bacall, Jenny McCarthy, Kurt Fuller; Länge: 91 Minuten; Verleih: Prokino/Fox; Start: 26. April 2001

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