"Disconnect": Internet-Thriller mit Jason Bateman - DER SPIEGEL
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Technik-Thriller "Disconnect" Einsam im Internet

Wir bauen kolossale Brücken und extrabreite Straßen, und natürlich haben wir das Internet: Wir Menschen versetzen Berge, um zueinander zu finden. Doch was nützt es uns, wenn wir die Welt verdrahten und dabei Schaden an der Seele nehmen? Wenig, zeigt der Netz-Thriller "Disconnect".
Technik-Thriller "Disconnect": Einsam im Internet
Technik-Thriller "Disconnect": Einsam im Internet

Technik-Thriller "Disconnect": Einsam im Internet

Foto: Weltkino
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Es sollte doch nur ein Witz sein. Zwei rotznäsige Zehntklässler legen einen ihrer Mitschüler mit einer falschen Facebook-Freundin herein und bringen ihn dazu, ein Nacktbild von sich zu machen. Bald kennt die ganze Schule das Foto, und der arme Tropf erhängt sich in seinem Kinderzimmer. So düster beginnt eine von drei miteinander verwobenen Geschichten, aus denen der Kinofilm "Disconnect" (Buch: Andrew Stern, Regie: Henry Alex Rubin) besteht.

In den anderen beiden Episoden geht es nicht weniger finster um einen Identitätsdiebstahl und um Minderjährige, die für Cybersex missbraucht werden. Dabei steht das Internet an sich gar nicht im Vordergrund: In "Disconnect" ist die Technik einfach da, so wie Leitungswasser. Nicht böse, nicht aufregend, nicht mysteriös, einfach selbstverständlich da. Das macht den Film so besonders, denn er öffnet den Blick für tiefer liegende Phänomene.

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"Disconnect": Früher waren wir Menschen

Foto: Weltkino

"Disconnect" erzählt viel lieber von Menschen, die verlernt haben, miteinander zu reden. Das Paar, dessen Identität gestohlen wird, hat ein gemeinsames Kind verloren. Der Mann, ein ehemaliger Soldat, flüchtet sich in Arbeit, seine Frau sucht Verständnis und Zuneigung im Online-Chat und wird dabei gehackt. Als ein angeheuerter Privatermittler einen Verdächtigen findet, machen sie sich auf, um diesen zu stellen.

Für einen kurzen Moment scheint es wieder eine echte Verbindung zwischen den Eheleuten zu geben, eine gemeinsame Prüfung erwartet sie. Auch die anderen Figuren - grandios Jason Bateman aus "Arrested Development" als verzweifelter Vater - werden durch Krisen enger zusammengebracht und schaffen es nun endlich, sich nach Jahren wieder ihren Liebsten mitzuteilen. Immerhin das.

Scheibchenweise Hirn

Letztlich scheitern sie dennoch alle. Sie haben alle Empathie verlernt, und jetzt ist es zu spät. Kein Happy End, nirgends. In einer Szene sehen wir dem Hirntoten in den Kopf, ein Scanner zeigt scheibchenweise das Innere seines Kopfes. Da liegt er ohne Bewusstsein im Krankenhaus, und die verzweifelten Eltern suchen nach Antworten.

Die Antwort ist da darin, im Kopf, aber die Technik kann sie nicht hervorholen, niemand kann das. Nur wir selbst können uns mitteilen. Immerhin ein paar Antworten wird die Familie finden, und auch dabei spielt Technik eine Rolle. Das macht den Film so sehenswert: "Disconnect" hält sich mit allzu deutlichen Urteilen zurück, leistet sich Komplexität und Widersprüche.

Dabei verzichtet "Disconnect" weitgehend auf einen Soundtrack, wenn es Musik gibt, spielt sie in der Szene. Meist kommt nur eine leicht wacklige Handkamera zum Einsatz. Beides verleiht dem Film einen grimmigen Realismus, eine Art Dogma light, ohne dass dabei gleich krisselig aussehende Amateurvideobilder herauskommen müssen.

"Wie konnte das passieren", ist ein zentraler Satz in "Disconnect". Neben den vielen Nahaufnahmen von Menschen, die auf diversen Geräten herumtippen, sind Brücken zu sehen, Autos, riesige Straßennetze: Der Mensch versetzt Berge, um zueinander zu finden. Doch was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt verdrahtet und doch Schaden an seiner Seele nimmt?

In "Disconnect" bleiben die Menschen einsam. Die dezimierte Kleinfamilie hat immerhin noch sich selbst, selbst wenn das eine traurige Aussicht ist. Beim kaputten Paar wird es schon schwieriger. Und in der dritten Episode schließlich verliebt sich eine Journalistin in einen der Jungen aus dem Sexhaus und will ihn aus der Abhängigkeit des Zuhälters Harvey (in seiner Debütrolle: Designer Marc Jacobs) retten. Als das schiefgeht, bleibt ihr nur noch ihre Arbeit. Ein trauriger Witz.