Tilda Swinton über die "Doctor Strange"-Kontroverse "Endlich eine Frau als Badass"
Tilda Swinton als The Ancient One
Foto: Disney/ MarvelThe Ancient One ist eine Figur aus der Comic-Reihe "Doctor Strange": Ein Mann, der aus Tibet stammt. Für die Verfilmung wurde sie zu einer weißen Frau umgeschrieben und mit der schottischen Schauspielerin Tilda Swinton besetzt. Die Folge waren Vorwürfe, es handele sich um einen weiteren Fall von Whitewashing in Hollywood, in dem weiße Darsteller Figuren aus anderen Ethnien spielten. Wie sehr die Diskussion Tilda Swinton zusetzte, zeigt ein nun veröffentlichter E-Mail-Austausch.
Monate vor der Filmpremiere hatte Swinton die asiatisch-stämmige US-amerikanische Komikerin Margaret Cho kontaktiert, um ihre Meinung zum Thema zu hören. Es folgte ein Austausch, bei dem Swinton bat, Cho möge ihn privat behandeln. Entgegen der Abmachung machte diese ihn vergangene Woche aber in dem Podcast TigerBelly des befreundeten Schauspielers Bobby Lee bekannt. Im Gegenzug veröffentlichte Swinton kurz darauf die gesamte Unterhaltung.
Darin betont die 55-Jährige, die Neuinterpretation der Figur The Ancient One sei vorgenommen worden, gerade um Stereotypen zu vermeiden. Deshalb habe sie die Rolle angenommen: "Ich war davon beeindruckt, dass endlich mal dieses Klischee umgebrochen wird, dass Weisheit immer männlich konnotiert ist - und übrigens auch davon, dass hier eine Frau der Badass sein darf, die älter ist als 26 und keinen Bikini trägt."
Comedian Margaret Cho: "Als wäre ich eine asiatische Hausangestellte"
Foto: AP/ InvisionSie schreibt weiter: "Die größte Ironie an diesem Protest ist, wie sehr die Macher versuchten, genau diesen zu vermeiden". Für sie sei es ein Alptraum, auf der falschen Seite der Debatte gefangen zu sein. "Dass es im Kino noch immer keine echte Diversität gibt, macht mich krank", fährt Swinton fort. "Eigentlich die anglophone Welt überhaupt. Diese ganzen Männergeschichten machen mich krank, die symmetrisch geformten Körper, die von Spielzeugen inspirierten Gliedmaße."
Bei Margaret Cho kamen Swintons Bemerkungen trotzdem nicht gut an. In dem Podcast sagt Cho, sie habe sich wie eine asiatische Hausangestellte gefühlt: "Als würde ich ihr mit einem Regenschirm folgen. Ich habe ein komisches Gefühl über diese ganze Mail-Unterhaltung, speziell dieses Bitte erzähl niemandem davon."
Whitewashing hat eine lange Tradition
Die US-amerikanische Filmindustrie muss sich in letzter Zeit immer wieder für Casting-Entscheidungen rechtfertigen, die als rassistisch oder zumindest ignorant gegenüber ethnischen Zugehörigkeiten gelten. Der nächste Film, dem Whitewashing vorgeworfen wird, läuft im März 2017 an: In der Manga-Verfilmung "Ghost in a Shell" spielt Scarlett Johansson die Hauptrolle. Die Geschichte ist in Japan angesiedelt, die Figuren sind japanischen Ursprungs.
Zuvor stand vor allem der Blockbuster "Gods of Egypt" in der Kritik, eine im nordafrikanisch-arabischen Raum spielende Geschichte mit Nord- und Mitteleuropäern zu besetzen. Die Produzenten entschuldigten sich daraufhin. Whitewashing hat in Hollywood eine lange Tradition. Berühmte Beispiele sind "Frühstück bei Tiffany", wo Mickey Rooney den asiatischen Vermieter der Hauptfigur spielt, und "Der Eroberer" mit John Wayne als Dschingis Kahn.