Eklat bei Goya-Verleihung 2014 - DER SPIEGEL
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Spanischer Filmpreis Kulturminister schwänzt Goya-Gala

Spaniens Filmwelt empfand es als skandalös: Der konservative Kulturminister José Ignacio Wert fehlte bei der diesjährigen Goya-Verleihung in Madrid. Hintergrund sind Sparmaßnahmen im Krisenland. Eine Parteifreundin Werts fand, der Minister habe Wichtigeres zu tun.
Hatte keine Zeit: Der spanische Kulturminister José Ignacio Wert
Hatte keine Zeit: Der spanische Kulturminister José Ignacio Wert

Hatte keine Zeit: Der spanische Kulturminister José Ignacio Wert

Foto: Juan Carlos Hidalgo/ picture alliance / dpa
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Madrid/Hamburg - "Das hier ist ein historischer Goya." Mit diesen Worten eröffnet der Moderator Manel Fuentes die zum 28. Mal stattfindende Gala des spanischen Filmpreises. Und in die Geschichte geht die diesjährige Goya-Verleihung tatsächlich ein: Denn sie findet zum ersten Mal in Abwesenheit des Kulturministers statt. Und das nicht etwa deshalb, weil José Ignacio Wert nicht eingeladen war, sondern weil ihm wohl schlicht die Zeit fehlte. Sein Stuhl bleibt leer.

Die spanische Zeitung "El Mundo" berichtet, dass Wert der Abendveranstaltung fernblieb, weil er am nächsten Morgen einen Termin in London hatte. Viele halten die Begründung des Ministers für wenig glaubhaft. "Würde der Verteidigungminister bei der Militärparade fehlen, wäre er wahrscheinlich seinen Job los", drückt der Regisseur Mariano Barroso seinen Unmut über das Fehlen des Ministers aus. "Unser Film ist besser als unser Anti-Kultur-Ministerium", äußert sich auch der Schauspielstar Javier Bardem zu dem Eklat. Sie sind nur zwei von vielen verärgerten Stimmen aus der Welt des spanischen Films.

"El Mundo" sieht die Entwicklungen der letzten Jahre als Auslöser für Werts Fehlen an. Im vergangenen Jahr wurde die Mehrwertsteuer auf Kulturveranstaltungen von acht auf 21 Prozent erhöht. Diese Maßnahme hat der spanische Film deutlich zu spüren bekommen. In dem Krisenland spielen nationale Filme an den Kinokassen 2013 nur 71 Millionen Euro ein. Das sind rund 40 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

"Warum sollte sich der Minister Buh-Rufen aussetzen?"

Außerdem wurde die öffentliche Filmförderung drastisch gekürzt: 2013 wurden dem spanischen Film noch 39 Millionen Euro Unterstützung zugesprochen. 2012 gab es noch 10 Millionen mehr. Im Vergleich investieren im selben Jahr Großbritannien 120 Millionen, Deutschland rund 310 Millionen und Frankreich sogar 770 Millionen in ihren nationalen Film. Die spanische Filmproduktion ging von 182 Filmen im Jahre 2012 auf 92 im Jahre 2013 zurück.

"Der Minister muss sich um wichtigere Dinge kümmern, als um Schauspieler, wie zum Beispiel Wissenschaftler und Forscher", verteidigt Esperanza Aguirre, Präsidentin der konservativen Volkspartei PP das Fehlen Werts. "Warum sollte er sich Buh-Rufen aussetzen?", ergänzt sie.

Der Konflikt zwischen Staat und Filmkunst nahm schon beim Goya 2003 seinen Anfang. Bei der damaligen Preisverleihung nutzten Vertreter des spanischen Films die Bühne, um gegen die spanische Irak-Politik zu demonstrieren. "Das Fehlen von Wert verdeutlicht die noch immer klaffende Wunde", bewertet der Regisseur Juan Antonio Bayona die Situation beim diesjährigen Goya. "Es liegt nun an beiden Seiten, etwas daran zu ändern."

An Relevanz büßte die diesjährige Veranstaltung allerdings nicht nur seitens der Regierung ein. Die Fernsehübertragung des spanischen Filmpreises schalteten nur 19,8 Prozent der TV-Zuschauer ein, weniger waren es zuletzt 2008. Der große Sieger des Abends war Regisseur David Trueba, dessen Film "Vivir es fácil con los ojos cerrados" (Deutsch: "Leben ist mit geschlossenen Augen einfach") in sechs Kategorien gewann, darunter auch den Preis für den besten Film.

cmh/dpa

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