Exorzismus-Trash "Devil Inside" Armer Teufel Antichrist
Exorzismus-Trash "Devil Inside": Armer Teufel Antichrist
Foto: Paramount PicturesDass der Dämonen- und Exorzistengrusler "Devil Inside - Keine Seele ist sicher" in den USA erst mal ein Starterfolg wird, war abzusehen, denn auf die Fans von Horrorfilmen in Amateurvideo-Ästhetik können sich die Produzenten verlassen. "Found Footage" ist im Schauergenre der Fachbegriff für sensationelle Kassenhits wie "Blair Witch Project" von 1999 und "Paranormal Activity" von 2007: Zum Spottpreis hergestellte Filme, die so tun, als wären sie aus vorgefundenen Original-Doku-Quellen zusammengesetzt, in der Regel aus dem Nachlass von Filmemachern, mit denen es ein schlimmes Ende genommen hat. So besteht "Devil Inside" hauptsächlich aus Material des Kamera-Reporters Michael, dazu aus angeblichen Psychiater-, Polizei- und TV-Aufzeichnungen.
Im Oktober 1989 meldet sich die verstörte Maria Rossi beim Notruf: Sie hat drei Menschen umgebracht. Die Videoaufnahmen der US-Provinz-Polizei dokumentieren ein Schlachtfeld, die Regionalnachrichten berichten über den Mord an drei Geistlichen. Zwanzig Jahre später sucht Isabella, Marias Tochter, nach den Gründen für den Blutrausch ihrer Mutter. Die sitzt mittlerweile, schuldunfähig wegen geistiger Umnachtung, in einer klerikalen Klapsmühle in Rom. Um zu vertuschen, dass seinerzeit eine Teufelsaustreibung fatal schiefging, hat der Vatikan nämlich die gleich von mehreren Dämonen besessene Maria aus dem Verkehr gezogen.
Exorzismusgrusel: Pöbelnde Besessene oder salbadernde Pfaffen
Für eine Filmdokumentation reist Isabella (Fernanda Andrade) mit ihrem Ein-Mann-Team Michael (Ionut Grama) nach Italien, doch die Konfrontation von Mutter und Tochter verläuft frustrierend. Dafür findet Isabella schnell in der Vatikanschule für Exorzismus Anschluss beim Priesternachwuchs, der als Guerilla-Einheit dem Satan auf der Spur ist. Vor allem Ben (Simon Quarterman) sticht als attraktivster Priester seit Richard Chamberlain ("Die Dornenvögel") heraus.
Da staunt selbst der Hollywood-Stratege
Leider kann "Devil Inside" mit dem Sexappeal von Ben und der aparten Isabella so gar nichts anfangen. Und noch schlimmer und öder: Auch die bekannten Exorzismus-Zutaten wie pöbelnde Besessene oder salbadernde Pfaffen verwurstet "Devil Inside" ziemlich unbeholfen und unfreiwillig komisch. Schauspiel, Dramaturgie und Inszenierung bewegen sich auf dem Niveau einer Oberschüler-Theater-AG. Und für die oft verwackelten Aufnahmen des Doku-Fakes würde sich jeder Kamera-Azubi im ersten Lehrjahr schämen. Dazu gibt es immer wieder Perspektivwechsel, die durch die Drehbedingungen eigentlich gar nicht möglich wären.
Doch sowas stört den durch YouTube sozialisierten Trotzkopf ja gewöhnlich nicht. Als "Devil Inside" Anfang Januar in den US-Kinos anlief, erwartete das Major-Studio Paramount, das die unabhängige US-Produktion vor einem Jahr ankaufte und mit Millionenaufwand vermarktete, nach Preview-Befragungen denn auch für das Startwochenende ein respektables Einspielergebnis von 15 Millionen Dollar. Angefertigt wurde der Film 2010 für weniger als eine Million, hauptsächlich in Bukarest und Rom.
Dass "Devil Inside" schließlich in den ersten Tagen fast 34 Millionen Dollar abräumte, verblüffte selbst die Hollywood-Strategen. Denen verging aber schnell das Lachen. Denn nicht nur die Kritiker hassten den Film, erwartungsgemäß. Auch die Zielgruppe fühlte sich veralbert, vor allem durch das ziemlich abrupte Filmende, das in einigen Kinos spontan ausgebuht wurde. Die genaue Auflösung wird natürlich nicht verraten, nur so viel: Sämtliche Höhepunkte, auch kurz der Schluss, sind auf der offiziellen Website zu sehen. Die Horrorklientel sorgte dann schnell für so viel Negativpropaganda, dass "Devil Inside" kommerziell rasant abstürzte.
Die katholische Kommandozentrale kommt übrigens aus der Affäre noch ganz anständig raus, denn die wird von den Machern mit der Einblendung "Der Vatikan lehnt diesen Film ab" entlastet. Und so bleibt als ärmster Teufel in diesem Trauerspiel der Antichrist selber. Dass der offenbar nur in solch dröge Typen wie hier fahren kann, ist dann doch bemitleidenswert.
Devil Inside - Keine Seele ist sicher. Start: 1.3. Regie: William Brent Bell. Mit Fernanda Andrade, Simon Quarterman, Evan Helmuth.