Film: Auferstanden aus Ruinen - DER SPIEGEL
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Film Auferstanden aus Ruinen

Für "Good Bye, Lenin!" hat der Szenenbildner Lothar Holler die DDR wieder aufgebaut ­ als Traumreich.
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Das Wichtigste ist das Licht. Schummriges, unheimliches Licht sollte es sein, ein Licht, das ein Zeitgefühl vermitteln soll und eine sehr konkrete Angst. Ost-Berlin, Herbst 1989, abends; Zeit der großen Demonstrationen. "In meiner Erinnerung", sagt Lothar Holler, war das "eine unglaublich bedrückende Stimmung". Die Straßenlaternen waren ausgeschaltet, das einzige Licht kam von einer stehen gebliebenen U-Bahn auf einer Brücke und von den Militärfahrzeugen, die langsam auf die Demonstranten zurollten. "Ich hatte Angst, und mir war kalt", sagt Holler, heute 54. Ab 13. Februar kann man im Kino sehen, wie er diese Angst in eine Kulisse verwandelt hat.

Für den neuen Film von Wolfgang Becker ("Das Leben ist eine Baustelle") hat Holler die DDR noch einmal auferstehen lassen, als bizarres Traumreich aus "Aktueller Kamera", Trabis und Spreewald-Gurken-Seligkeit. Seit er 1999 für "Sonnenallee" jenen hochklappbaren Multifunktionstisch erfunden hat, den Ostdeutsche als Teil ihrer Biografie akzeptiert haben, genießt Holler einen exzellenten Ruf als DDR-Experte. Becker erzählt die Geschichte einer Sozialistin (Katrin Saß), die am Rande einer Demonstration ins Koma fällt und erst Monate später, kurz vor der Währungsunion, wieder aufwacht. Um ihr Leben nicht zu gefährden, gaukelt ihr Sohn (Daniel Brühl) ihr vor, die alte DDR existiere weiter ­ eine historische, vor allem aber eine szenenbildnerische Herausforderung. Für Holler, der sein Handwerk auf der renommierten Kunsthochschule Berlin-Weißensee gelernt hat, eine Frage der Wahrhaftigkeit. Was war das Wesentliche der DDR? Was machte sie aus? Und wann darf man die Authentizität vernachlässigen zu Gunsten einer höheren Wahrheit?

Wie heikel gerade der Nachbau von jüngerer Geschichte ist, hat "Good Bye, Lenin!"-Produzent Stefan Arndt ("Lola rennt") erfahren. Einen Film auszustatten, der vor 200 Jahren spielt, sei keine Kunst, sagt er. Doch für einen Zeitraum, der nur einige Jahre zurückliegt, "hält sich jeder für einen Fachmann".

Hauke Goos


Ab 6.2.

Good Bye, Lenin!

Regie: Wolfgang Becker. Mit Daniel Brühl, Katrin Saß, Chulpan Khamatova.

Gelungene deutsche Komödie, die aus einer originellen Idee verblüffende Funken schlägt: Weil seine Mutter (Katrin Saß) die Wende '89 im Koma verschläft, richtet Daniel Brühl ihr nach der Genesung eine immerwährende DDR ein. Wie gut das Drehbuch (Wolfgang Becker, Bernd Lichtenberg) tatsächlich ist, wird deutlich, als die Illusion vom Fortbestand des Sozialismus allmählich von der Realität bedroht wird: Wie leichthändig der Film die Flüchtlinge in der Prager Botschaft, die Öffnung der Mauer und die zunehmende West-Reklame in die Geschichte einbaut, ist originell, komisch und absolut folgerichtig. Ein seltener Glücksfall im deutschen Film: "Good Bye, Lenin!" zeigt, dass man witzig sein kann, ohne sich über seine Figuren lustig zu machen.