Film: Billy Crudup - DER SPIEGEL
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Film Billy Crudup

Jahrelang wollte der talentierte US-Schauspieler vom Ruhm nichts wissen. Inzwischen lässt sich die Karriere nicht mehr vermeiden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

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anchmal ist es nur ein Grinsen. Oder ein Schulterzucken. Oder ein Blick, einen winzigen, magischen Moment länger, als die Szene es erwarten ließe: Billy Crudups Gespür für die Schauspielerei ist so fein, dass seine Auftritte aussehen, als habe ihm jemand mit der versteckten Kamera beim Leben zugesehen.

Kritiker feierten jeden seiner bisher zehn Filme als unausweichlichen Beginn einer Weltkarriere; sie bewundern seine Fähigkeit, sich jedes Mal anders zu bewegen, anders zu sprechen, eine andere Körperhaltung vorzuführen ­ in Branchenkreisen gilt der 32-Jährige als einer der begabtesten Schauspieler seiner Generation.

Dass es bislang nichts wurde mit dem Star-Ruhm, liegt vor allem an Crudup selbst: Er sei ein Schauspieler, kein Selbstdarsteller, versichert er ein ums andere Mal. In fast jedem Interview kommt eine seltsame Sehnsucht nach Unsichtbarkeit zum Vorschein. "Ich bin kein Star, und ich habe auch nicht den Wunsch, einer zu werden", sagt er. "Am liebsten würde ich anonym bleiben. Je mehr die Leute über mich wissen, desto mehr muss ich mich anstrengen, um in meinen Rollen weiterhin glaubhaft zu sein."

Crudup hat mit Barry Levinson gedreht ("Sleepers") und mit Stephen Frears ("Hi-Lo Country"), er hat mit Woody Allen gearbeitet, und für die Titelrolle in "American Psycho" war er auch im Gespräch. Doch am liebsten spielt er Außenseiterrollen in Filmen, die höchstens auf kleinen Festivals für Begeisterung sorgen, sicher ist sicher. Vor ein paar Jahren lehnte er sogar das Angebot seines Lebens ab: Er solle doch mal für die männliche Hauptrolle in "Titanic" vorsprechen, ließ man ihn wissen, doch Crudup hatte kein Interesse ­ die Rolle böte zu wenig Herausforderungen, fand er. So ging der Part an Leonardo DiCaprio, und Crudup drehte weiter Independent-Perlen ­ ein Mann mit Grundsätzen.

Dass es mit der Anonymität nun vorbei sein könnte, hat Crudup seinem Kollegen Brad Pitt zu verdanken. Denn eigentlich sollte der den Rockgitarristen Russell Hammond in Cameron Crowes Film "Almost Famous ­ Fast berühmt" (Start: 3. Mai) spielen; als Pitt absagte, bekam Crudup die Rolle. Und plötzlich ist er in aller Munde ­ sogar seinen schwierigen Nachnamen können die Agenten inzwischen korrekt aussprechen.

Wie virtuos er sein Handwerk mittlerweile beherrscht, das kann man auch in "Jesus' Son" sehen, der am 24. Mai bei uns anläuft. Hier spielt er den Drifter Fuckhead, den Drogen und die Suche nach dem Sinn des Lebens durchs Amerika der Siebziger treiben. Nach dieser Vorstellung ließ sich selbst die eher nüchterne "Neue Zürcher Zeitung" zu Hymnen hinreißen: "Seine Augen sind dunkle Kirchenfenster, durch die ein grenzenloses Staunen über die Leidensfähigkeit der Menschen auf seine Umgebung fällt."

Hauke Goos


AB 3.5.

ALMOST FAMOUS ­ FAST BERÜHMT

Hollywood-Märchen nach einer wahren Geschichte: Autor und Regisseur Cameron Crowe schrieb als 15-Jähriger für das Musikmagazin "Rolling Stone" ­ und ging dafür mit den legendären Rock-Bands der Siebziger auf Tournee. Sein autobiografischer Film erzählt liebevoll vom Mythos des Rock'n'Roll und den wilden Träumen der Jugend. Für das Drehbuch erhielt Crowe einen Oscar.