Film: Der Frauenversteher - DER SPIEGEL
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Film Der Frauenversteher

Im Erotikthriller "In the Cut" spielt Mark Ruffalo einen Polizisten, der eine frustrierte Lehrerin verführt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein "Feminist" sei Mark Ruffalo, sagt Jane Campion. Das ist als großes Lob zu verstehen, denn die Regisseurin ist bekannt für frauenfreundliche Filme wie "Das Piano" oder "Portrait of a Lady". Dabei sieht Ruffalo, 36, in Campions spannendem Thriller "In the Cut" (Start: 30. September) mit seinem Schnurrbart aus wie das Klischee eines Machos. Er spielt den Detective James Malloy, der eine Serie von Frauenmorden in New York aufklären muss. Dabei lernt er die introvertierte, sexuell frustrierte Lehrerin Frannie (Meg Ryan) kennen. Er verliebt sich in sie und beweist, dass hart im Job zart im Bett keineswegs ausschließt. "Für Malloys Ego ist wichtig, dass er ein Meister darin ist, Frauen sexuell zu erobern", sagt Ruffalo, "dass er alle Tricks beherrscht."

Für Ruffalo ist Malloy "ein harter, direkter Kerl" und damit ganz anders als die Rolle, mit der er erstmals bekannt wurde. Seinen Durchbruch hatte Ruffalo nämlich vor vier Jahren mit dem Psychodrama "You Can Count on Me". Darin übernahm er den Part des vom Leben und sich selbst durchgeschüttelten Terry, der in die heimatliche Kleinstadt zurückkehrt und Zuflucht bei seiner älteren Schwester sucht - einer allein erziehenden, disziplinierten Mutter. Diese Filmrolle war die verdiente Anerkennung dafür, dass Ruffalo viele Jahre lang in kleinen Theaterstücken gespielt und nebenher in den besten Restaurants und Clubs von Los Angeles als Barkeeper gejobbt hatte - in denen die Wichtigen der Filmindustrie verkehrten, ohne je von ihm Notiz zu nehmen.

Mit dem Part des Detective Malloy konnte er endlich eine Hauptrolle in einem prestigeträchtigen Film übernehmen. Bei Ruffalo war 2000 ein Gehirntumor entdeckt worden, zum Glück ein gutartiger, doch nach der Operation war eine Gesichtshälfte monatelang gelähmt, und er konnte keine Filme drehen.

Nun gehört Ruffalo zu jenen Auserwählten, die er damals, als Barkeeper, beneidete, weil sie es in Hollywood geschafft hatten. Dass sie beim Trinkgeld so geizig waren, trägt er ihnen bis heute nach.

MICHAEL SONTHEIMER, MARIANNE WELLERSHOFF