Film Der Preis der Gerechtigkeit
Am Ende von "L.A. Confidential", kurz bevor abgerechnet wird, gibt es einen Moment der Besinnung: Warum er Polizist geworden sei, will Ed Exley, der junge Karriere-Beamte, von Kevin Spacey wissen, der einen korrupten Glamour-Cop spielt. Er habe es vergessen, sagt Spacey, und dieses Eingeständnis allein hilft ihm, sich zu erinnern. Eine Kleinigkeit nur, aber unentbehrlich für das Verständnis der Geschichte: Es geht, wie immer in guten films noirs, um das Recht, das der bekommt, der am meisten dafür bezahlt - und um die Gerechtigkeit, um die zu kämpfen es sich lohnt, egal wie hoch ihr Preis auch sei. James Ellroy ist der Meister solcher Storys. Erstaunlicherweise gibt es kaum gelungene Verfilmungen seiner Bücher. "Der Cop" (nach dem Roman "Blut auf dem Mond") von 1985 ist ebenso zu Recht vergessen wie "Brown's Requiem" von 1998; dass "L.A. Confidential" ein Volltreffer wurde, ist offenbar ein Glücksfall, der sich nicht leicht wiederholen lässt.
Ellroys Bücher sind kompliziert, weil das Leben kompliziert ist. Und sie sind einfach, weil sie ihr Personal vor eine einfache Entscheidung stellen: weiterzumachen wie bisher - oder sich zu besinnen. "Dark Blue" (Start: 12. Juni) basiert auf einer Vorlage von Ellroy, und so sieht der Film auch aus: wie ein Entwurf. Immerhin. Vor ein paar Jahren gab es das Gerücht, David Fincher ("Sieben") wolle Ellroys "Schwarze Dahlie" verfilmen. Bislang wurde nichts draus. So bleibt die Hoffnung.
Hauke Goos
Dark Blue
Regie: Ron Shelton. Mit Kurt Russell, Brendan Gleeson,
Scott Speedman.
Cop-Film nach einer Vorlage von James Ellroy, der, trotz Kurt Russell und Brendan Gleeson, vor allem
eines deutlich macht: Es ist nicht leicht, die Bestandteile
des Ellroyschen Universums (Korruption, Müdigkeit,
Verdorbenheit, die Sehnsucht nach Selbstrettung) auf das
Kino zu übertragen; "L.A. Confidential" war auch in dieser
Hinsicht schon eine einsame Klasse für sich.