Film: Eine Frage der Ehre - DER SPIEGEL
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Film Eine Frage der Ehre

Wer einen Oscar will, schickt seinen Film im Dezember ins Kino ­ damit die Jury sich an ihn erinnert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Geisha ist schön und elegant, erfolgreich und verführerisch. Sie kann jeden Mann haben, doch eigentlich will sie nur einen. Denn keiner passt besser zu ihren bunten Kimonos als der Oscar. Die Chancen stehen gut, "Die Geisha" (Deutschland-Start: 19.1.) bringt alles mit, was die preisvergebende Academy of Motion Picture Arts and Sciences beeindruckt: mit Rob Marshall einen Oscar-erfahrenen Regisseur, eine Bestsellervorlage, drei atemberaubende Hauptdarstellerinnen (Ziyi Zhang, Gong Li und Michelle Yeoh) und viel Geld für imposante Kulissen. Das alles ist sehr schön anzusehen, so dass kaum auffällt, wie banal die Liebesgeschichte geraten ist. Für den Kreis der Nominierten, der am 31. Januar verkündet wird, könnte es jedenfalls reichen.

Nachdem Hollywood das ganze Jahr 2005 lang lauwarme Massenware herausbrachte, die verdientermaßen floppte, versucht man es jetzt mit Edlerem. Die Studios bringen die Filme, die sie selbst für preistauglich halten, in den USA am liebsten im Dezember ins Kino, um im März goldene Statuen sammeln zu können. Offenbar möchte man den vielen älteren Jury-Mitgliedern nicht zumuten, sich an Filme zu erinnern, die im Frühjahr oder Sommer liefen. So wird aus dem besten Film des Jahres 2005, den der Oscar eigentlich schmücken soll, der beste Film des Monats Dezember. In Deutschland gibt es die Kandidaten dann meist im Januar zu sehen. Woody Allen schickt mit "Match Point" (ab 29.12.) endlich wieder ein wirklich gelungenes Werk ins Rennen. Die Oscar-Chancen des boshaften Thrillers um einen skrupellosen Aufsteiger in der Londoner Society sind wegen Allens stark ramponierten Rufs leider nicht sehr hoch. Was wiederum Steven Spielberg helfen könnte, der als Liebling der Academy gilt und mit "München" (ab 26.1.) über die Folgen des Olympia-Attentats von 1972 schon dank des Themas einen preisverdächtigen Film liefert. "American Beauty"-Regisseur Sam Mendes könnte mit "Jarhead" (siehe Seite 27) zu den Favoriten gehören. Ein preiswürdiger Kandidat wäre auch der Polit-Thriller "Der ewige Gärtner" (ab 12.1.) von Fernando Mereilles. Der lief in den USA allerdings schon im September. Hoffentlich erinnert sich noch jemand daran.