Film: Hector Elizondo - DER SPIEGEL
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Film Hector Elizondo

Ob er Julia Roberts Tischmanieren beibringt oder einen schäbigen Ganoven mimt: Niemand kann aus kleinen Rollen so viel machen wie er.
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Sein Gesicht, behauptet er, sehe aus wie das von Lenin. Ein Gesicht, das aber auch erstaunlich freundlich sein kann. Und ein bekanntes dazu: Seit seinem Leinwanddebüt 1963 glänzte der Sohn baskisch-puerto-ricanischer Eltern in einer beeindruckenden Zahl von Filmen und Fernsehserien. Er gab einen Ganoven in dem 1974er-Thriller "Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123", spielte Gastrollen in TV-Klassikern wie "Kojak" oder "Columbo" und schwang sechs Jahre lang als Chefarzt Dr. Watters das Skalpell in der Fernsehserie "Chicago Hope". Vor allem aber ist Elizondo hauptberuflich die gute Seele in einem Dutzend Filmen des Komödien-Spezialisten Garry Marshall. Von "Flamingo Kid" über "Pretty Woman" bis "Die Braut, die sich nicht traut" ­ kein Marshall-Erfolg ohne Elizondo. Kein Wunder, dass der Regisseur den 64jährigen Schauspieler als seinen "Glücksbringer" bezeichnet und immer eine kleine Rolle für ihn ins Skript hebelt. Auch in Marshalls neuestem Werk "Plötzlich Prinzessin" (Start: 20.12.) spielt Elizondo, der Julia Roberts in "Pretty Woman" Tischmanieren beibrachte, mit dem üblichen Charme seine übliche Rolle ­ den guten Geist der Geschichte, im Hintergrund, aber mit entspannter Präsenz. "Niemand kann aus kleinen Rollen so viel machen wie Elizondo", sagt Marshall. Die Showbiz-Karriere des Ausnahmeschauspielers begann früh. Mitte der Vierziger entdeckte die BluesLegende W. C. Handy bei einer Schulaufführung das Gesangstalent des Jungen, einige Radio- und TV-Auftritte folgten. Doch Elizondo entschied sich zunächst für den Sport: Der schmächtige Junge, der in seinem Heimatviertel in der Nähe von Harlem von Schlägern bedroht wurde, begann mit Boxtraining; auf der High School galt er als großes Baseball-Talent, wurde gar von einem Profi-Team umworben. Eine Ausbildung als Tänzer und Intermezzi als klassischer Gitarrist und Conga-Spieler folgten. In den Sechzigern begann seine Karriere als Schauspieler, die ihn auch an den Broadway führte. "Die Bühne ist alles", sagt er noch heute, "hier lernt man, was es bedeutet, ein Schauspieler zu sein." Elizondo hat seine Lektion gelernt ­ kaum jemand verleiht seinen Figuren scheinbar mühelos solche Tiefe und Ausstrahlung. "Ich verdiene mein Geld damit, glaubwürdig zu sein", sagt Hector Elizondo, "es darf nicht so aussehen, als würde ich spielen. Das ist der ganze Trick." Ein Trick, der dem Schauspieler mit fortgeschrittenem Alter immer leichter fällt: "Es liegt an meinen Augen", glaubt er. "Wenn man wie ich schon ein langes Leben hinter sich hat, verfügt man über eine Menge Erfahrungen. Das strahlt durch die Augen nach außen. Die Kamera mag mein Gesicht mit den Jahren immer mehr." Jörg Böckem