Film: Julia Hummer - DER SPIEGEL
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Film Julia Hummer

Ihre Karriere begann wie ein Märchen ­ und der Jungschauspielerin aus Berlin fällt viel ein, damit es auch so weitergeht.
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Es ist eine von diesen Geschichten, die zu gut klingen, um wahr zu sein: Julia Hummer war 18, sie hatte das Gymnasium abgebrochen und liebäugelte mit einem Studium an der Kunsthochschule, als ein Fotograf sie auf der Straße ansprach. Er machte ein paar Fotos von dem hübschen, blonden Mädchen, eines davon, sie trägt darauf einen Cowboy-Hut, erschien dann tatsächlich auf dem Cover von "Jetzt", dem Jugendmagazin der "Süddeutschen Zeitung". Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Einige Monate später saß sie in einem Hamburger Café, ein Typ am Nebentisch fertigte konzentriert merkwürdige Zeichnungen an. Sie wollte wissen, was er da tue, der Mann schaute sie an und fragte verwirrt: "Du bist doch nicht etwa das Mädchen mit dem Cowboy-Hut?" Der Mann war der Regisseur Sebastian Schipper, der Julias Bild in der Zeitung gesehen und beschlossen hatte, sie für seinen Film "Absolute Giganten" zu engagieren; die Zeichnung war das Storyboard zu seinem Film. So begann Julia Hummers Karriere als Schauspielerin. Eine Rolle in dem Jugendfilm "Crazy" folgte und jetzt ihre erste Hauptrolle in "Die innere Sicherheit" (Start: 1. Februar), in dem sie die Tochter eines Terroristenpaares im Untergrund spielt. "In den Filmen spiele ich Mädchen, die in ihrer eigenen Welt leben und in dem Moment Probleme bekommen, in dem diese Welt mit der Realität kollidiert", sagt Julia Hummer, die auf der Leinwand so überzeugend den trotzigen und versponnenen Teenager gibt, dass Fachleute in ihr den kommenden weiblichen Star in Deutschland sehen. Ihre Märchen-Karriere ist eine von den Geschichten, die Journalisten lieben, weil sie so gut klingen und so einfach zu erzählen sind. Das hat auch Julia Hummer gemerkt, aber mit 20 hat man nicht viele dieser Geschichten zu bieten. Das Leben ist meist viel langweiliger, und alles will sie auch nicht preisgeben. Also spinnt sie ihre Biografie zurecht. Von familiären Dramen kann man lesen, von Heimaufenthalten, Alkoholsucht, einer fanatisch religiösen Mutter und einer Jugend ohne Fernseher ­ eine Biografie wie ein Drehbuch. "Ich habe mich lange gefragt, welche Kreatur es verdient hat, unter solchen Umständen geboren zu werden", wird die Schauspielerin gern zitiert. All das, sagt Julia Hummer, habe sie sich ausgedacht. Weil sie begriffen hat, dass für eine Karriere als Schauspieler gute Legenden ebenso wichtig sind wie gute Rollen. In Wahrheit, sagt die Wahlberlinerin, sei ihr Leben viel unspektakulärer. "Ich bin nicht so trotzig wie die Mädchen, die ich spiele, aber auch nicht so traurig", sagt sie. "Und ich glaube auch nicht, dass man nur Gold findet, wenn man in der Scheiße wühlt." Jörg Böckem