Film: Lone Scherfig - DER SPIEGEL
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Film Lone Scherfig

Sie liebt verzweifelte Menschen, Zufälle und Happy Ends ­ die dänische Regisseurin gab dem Dogma-Kino das Lachen zurück.
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Freunde hatten sie gewarnt: Dass der Film in ihrer dänischen Heimat ein Riesenerfolg sei, habe nichts zu bedeuten; jedes Land lache über seinen eigenen Humor; "Comedy doesn't travel". Und so saß Lone Scherfig, damals 41, im großen Berlinale-Palast und war "nervös wie selten zuvor". "Italienisch für Anfänger", ihr dritter Spielfilm, sollte bei den 51. Berliner Filmfestspielen im Wettbewerb gezeigt werden, voll besetztes Haus, zahlende Gäste, Kritiker aus aller Welt ­ es hätte eine Beerdigung erster Klasse werden können. Bei der anschließenden Pressekonferenz war ihr die Erleichterung dann anzumerken. Die Zuschauer hatten gejubelt, die Berlinale hatte einen ersten Liebling, die Dogma-Bewegung einen neuen Star. "Was für ein intelligentes Publikum!", dachte sie damals und lacht noch heute ungläubig über jene Tage, als sie plötzlich in einem Atemzug mit Thomas Vinterberg ("Das Fest"), Lars von Trier ("Idioten") und den anderen Dogma-Helden genannt wurde. Sechs Menschen in einem trostlosen Vorort von Kopenhagen, Sehnsucht und Einsamkeit, ein Wechselspiel von tragischen und komischen Vignetten und eine Reihe unglaublicher Zufälle, die sich am Ende auflösen in einem kühnen, herzerwärmenden Happy End ­ Film als Lebenshilfe. Ausgerechnet Lars von Trier hatte ihr davon abgeraten, "Italienisch für Anfänger" (Start: 17.1.) so aufhören zu lassen. "Er hat mir 500-mal gesagt, ich solle das Ende rausschmeißen, es sei zu süßlich. Aber ich wollte nun mal ein wirklich langes Happy End." Und so verdankt der Film seinen Erfolg auch der Zuversicht, mit der Lone Scherfig, selbst verheiratet und Mutter einer sechsjährigen Tochter, ihr Personal zusammenbringt und mit leichter Hand den Beweis führt, dass jeder Romeo am Ende seine Julia findet, egal was passiert. "Ich wollte einen leichten, fröhlichen Film machen", sagt sie. "Es gibt jede Menge Liebe in meinem Film, Freundschaft und Familienbeziehungen." Natürlich ist es ein Dogma-Film geworden, einerseits: kein künstliches Licht, Handkamera und fast keine Musik, weil Lone Scherfig das Publikum in seinen Gefühlen nicht beeinflussen wollte. Dazu Schauspieler, die zwar die grobe Geschichte kannten, aber ausdrücklich improvisieren sollten, wann immer es ging. Andererseits hat "Italienisch für Anfänger" mit den oft rüden, protestantischverkniffenen Dogma-Filmen der ersten Stunde wenig gemeinsam; es ist vielleicht Lone Scherfigs größtes Verdienst, dem Dogma die Dogmatik ausgetrieben und das Lachen zurückgegeben zu haben. Zwei der Darsteller hat sie gleich für ihr nächstes Projekt engagiert: Peter Gantzler und Lars Kaalund spielen zwei Brüder, der eine lebensmüde, der andere lebensfroh. "Eine Tragikomödie", sagt Lone Scherfig und lacht. Hauke Goos