Film: Lucy Liu - DER SPIEGEL
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Film Lucy Liu

In der Fernsehserie "Ally McBeal" brilliert die US-Schauspielerin als Kühlschrank-Schönheit ­ nun jagt sie auch im Kino Männern Angst ein.
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Eigentlich ganz einfach, in dieser Welt im Allgemeinen und mit den Männern im Speziellen klarzukommen. Zumindest für die Charaktere, die Lucy Liu verkörpert: Als Ling Woo in "Ally McBeal", einer der originellsten TV-Serien der neunziger Jahre, fegt die amerikanische Schauspielerin Konkurrentinnen mit einem Augenaufschlag aus dem Weg. Als kriminelle Domina heizte sie im vergangenen Jahr Mel Gibson in "Payback" mit Peitschenhieben und Fußtritten ein. Und in "Knocked Out ­ Eine schlagkräftige Freundschaft", ihrem aktuellen Film (Start: 30.3.), benötigt sie als Tramperin Lia nur einen Minirock, um die beiden Boxer Cesar (Antonio Banderas) und Vince (Woody Harrelson) völlig aus dem Tritt zu bringen.

Seit Liu 1997 "Ally McBeal" neuen Schwung verlieh, wird die Tochter chinesischer Einwanderer meist als zickige Schönheit besetzt. Wenn sie auf dem Bildschirm erscheint, angekündigt von der Musik, die in dem Filmmärchen "Der Zauberer von Oz" den Auftritt der bösen Hexe begleitet, bekommt sogar das Fernsehgerät eine Gänsehaut. Im wahren Leben wechseln verängstigte Passanten inzwischen die Straßenseite, wenn sie die Schauspielerin erkennen.

Liu hatte sich beim "Ally"-Produzenten und Autor David Kelley eigentlich für eine andere, weichere Rolle beworben. Er lehnte ab ­ "sie ist kälter als zwei Wochen Sibirien" ­ und schrieb ihr stattdessen die Eisschrank-Rolle ins Seriendrehbuch. Mit Erfolg: Liu brachte Quote und Kritikerlob für "Ally McBeal" sowie eine Emmy-Nominierung für sich selbst. In diesem Jahr wird sie an der Seite von Drew Barrymore und Cameron Diaz im Kino-Remake des Siebziger-Jahre-Klassikers "Drei Engel für Charlie" mit Köpfchen und Körpereinsatz Ganoven zur Strecke bringen, im nächsten Film mit Action-Legende Jackie Chan gibt sie eine streitbare Prinzessin.

So einfach lief es für die heute 31-Jährige nicht immer. In ihrer Kindheit fehlte es oft an Geld, im Haus ihrer Eltern blätterten Tapeten von den Wänden, nachts jagte sie mit ihrem Bruder Kakerlaken. So ein Leben schützt vor Allüren: "Für mich bedeutet Erfolg in erster Linie, dass ich meine Rechnungen selbst zahlen kann, ohne um drei Uhr morgens aufstehen und für fremde Menschen Omeletts braten zu müssen."

Obwohl Liu von sich behauptet, netter zu sein als die Charaktere, die sie verkörpert, haben Männer kein leichtes Spiel bei der Schauspielerin, die die Kunst des chinesischen Messer- und Stockkampfes beherrscht. "Die meisten Männer sind Schleimer", sagt Liu. "Ich warte meistens drei oder vier Monate, bevor ich mit einem Mann ins Bett gehe. Jemand, der sich nicht die Mühe macht, dich kennen zu lernen, ist es nicht wert." Klingt ziemlich einfach, das Ganze.

Jörg Böckem