Film Robert Stadlober
Der Junge, der in der Verfilmung von Benjamin Leberts Roman "Crazy" (Start: 8.6.) die Hauptrolle spielt einen stillen, halbseitig gelähmten 16-Jährigen , hat in den letzten Nächten zu wenig geschlafen. "Wir haben in München vier Tage lang Party gemacht", sagt Robert Stadlober, "und irgendwann wollten die Türsteher mich nicht mehr reinlassen. Ich habe dann einen von denen gefragt, ob ich zu uncool sei für seinen Scheißladen, und bin sofort in Kampfstellung gegangen allerdings hat mein Freund mich weggezogen."
Natürlich hätte der schmächtige Junge gegen keinen Türsteher dieser Welt eine Chance. Und natürlich ist das mit 17 auch völlig egal. Vor allem, wenn man, wie Stadlober, jahrelang seinem Idol Kurt Cobain an dessen Todestag an einem selbst gebauten Altar gehuldigt hat und außerdem von einem Gucci-Anzug aus Schlangenleder träumt. Stadlober will Rockstar werden: "Weil die sich beschissen benehmen und auch noch Geld dafür bekommen."
Es könnte klappen. Stadlober hat Talent und tanzt geschickt auf dem Grat zwischen Lässigkeit und Größenwahn: Mit 15 ist er zu Hause ausgezogen, mit 16 hat er die Schule geschmissen. "Schon meinen ersten Job als Synchronsprecher habe ich erschwindelt. Indem ich behauptet habe, ich hätte Riesenerfahrung!"
Spätestens seit Stadlober im vergangenen Jahr in "Sonnenallee" den Stones-Fan Wuschel spielte, hat er die wichtigste Rockstar-Zielgruppe erobert die jungen Mädchen. Zwei Websites haben weibliche Fans ihm schon gewidmet, achtseitige Liebesbriefe hat er bekommen. "Aber eine feste Freundin habe ich nicht. Ich bin doch erst 17, ich will so viel wie möglich mitnehmen."
Das klingt schön wild für die Rolle des jungen Wilden im deutschen Film ist Stadlober der aussichtsreichste Anwärter. Dass er überhaupt in die engere Wahl kam, verdankt er einem stillen Jungen mit einer halbseitigen Lähmung: Benjamin Lebert. Eine Riesen-Herausforderung: "Vor allem hatte ich Angst", sagt Stadlober, "dass Bennys Behinderung lächerlich oder aufgesetzt wirkt." Vier Wochen vor den Dreharbeiten fuhren Autor und Darsteller zusammen nach Italien, zwecks Vorbereitung. Danach spielte Stadlober Leberts Behinderung sehr beiläufig und eben darum eindringlich.
Ein in jeder Hinsicht denkwürdiger Film. Eine Szene zeigt Stadlober zusammen mit einem Freund (Tom Schilling) nach durchzechter Nacht. "Tom und ich dachten, wir machen jetzt Method-Acting", sagt Stadlober, "wir haben die Nacht tatsächlich durchgemacht. Morgens beim Dreh mussten wir noch mehr Bier trinken, und wir waren wahnsinnig müde der blanke Horror." Rockstar-Posen verlangen ganzen Einsatz.
Jörg Böckem