Film: Schwerelos in Hollywood - DER SPIEGEL
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Film Schwerelos in Hollywood

Der Hamburger Schauspieler Ulrich Tukur spielt in "Solaris" neben dem Superstar George Clooney.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Deutsche Schauspieler haben in Hollwood nicht viel zu sagen, oft nur zwei Wörter: "Heil Hitler!" Dann ist der Kurzauftritt im Nazi-Kostüm auch schon wieder vorbei; das Warten auf die nächste Rolle beginnt. Es gibt sehr viele Schauspieler in Hollywood, die auf Kommando "Heil Hitler!" sagen können.

Auch der ewige Grenzgänger Ulrich Tukur ­ Schauspieler, Musiker und Noch-Intendant der Hamburger Kammerspiele ­ hat schon etliche Nazis und ebenso viele Widerstandskämpfer gespielt. Vergangenes Jahr war er im Kino als SS-Offizier in Constantin Costa-Gavras' Papst-Drama "Der Stellvertreter" zu sehen. Seine erste Hollywood-Rolle bekam Tukur, 45, jetzt jedoch ausgerechnet in "Solaris", einem Science-Fiction-Film. Keine Nazis weit und breit, dafür Oscar-Preisträger Steven Soderbergh ("Ocean's Eleven") als Regisseur und George Clooney als Kollege. Es gibt nicht viele Schauspieler in Hollywood, die in dieser Liga anfangen können.

In "Solaris" (Start: 6. März) spielt Tukur den Leiter einer Raumstation, der per Videobotschaft einen Psychologen (Clooney) um Hilfe bittet und sonst nur in Rückblenden auftaucht ­ der einzige scheinbar normale Mensch unter lauter Neurotikern. Um die Rolle zu bekommen, hatte Tukur einige Drehbuchsätze in seine Videokamera gesprochen: Eine Szene vertonte er am Klavier, bei einer anderen filmte er seinen Hund, einen Wolfspitz. "Ich war nicht ganz nüchtern", sagt Tukur, doch Soderbergh gefiel das Band: "Sie haben einen sehr talentierten Hund", schrieb der Regisseur. Drei Wochen später begannen die Dreharbeiten. Zwei Monate war Tukur dafür in Los Angeles, nur sieben Tage stand er vor der Kamera. "Ich weiß, dass ich mit der Rolle keinen Blumentopf gewinnen kann", sagt Tukur, doch es habe ihn gereizt, "einmal in das Innere der Maschinerie Hollywoods zu gucken". Fazit: "Die kochen dort auch nur mit Wasser", es gehe aber am Set sehr viel entspannter zu als in Deutschland.

Und das Ergebnis? Nun ja, meint Tukur, "Solaris" sei "wie ein Wein ­ der muss lange liegen".

Martin Wolf