Film: Ving Rhames - DER SPIEGEL
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Film Ving Rhames

Er war der dicke, fiese Schwarze aus "Pulp Fiction" ­ heute gilt er als eindrucksvollster Bösewicht des modernen Hollywood.
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Verbrechen zahlen sich aus. Das hat Rhames schon als kleiner Junge gelernt: "Da, wo ich aufgewachsen bin, verkörperten die Drogendealer und Zuhälter den amerikanischen Traum ­ Schießereien und tote Junkies waren an der Tagesordnung." Damals lebte Ving Rhames mit seinen Eltern und einem älteren Bruder in einem winzigen Apartment in Harlem; die örtlichen Black Panther hatten ihr Büro in einem Nachbarhaus, ein paar Blocks weiter residierten die Anhänger der Nation of Islam. Wer in einer solchen Gegend aufwächst, braucht entweder eine große Kanone und eine große Klappe oder einen starken Freund. "Der Glaube an Gott hat mir geholfen", sagt der 39-Jährige, "mich aus all den Verbrechen, die ich sah, herauszuhalten." Gott, glaubt Rhames noch heute, habe ihm den Weg aus der Armut geebnet; und er habe ihm auch das Schauspieltalent verliehen, das ihn schließlich nach Hollywood brachte. Ein Ort, das sollte Rhames bald lernen, an dem sich Verbrechen lohnen. In "Pulp Fiction"  reichten dem charismatischen Schwergewicht ein Pflaster in seinem Eisenbieger-Nacken, ein paar kantige Sätze und ein gerade mal zehnminütiger Auftritt als Marsellus Wallace, um sich im Gedächtnis der Kinogänger als eindrucksvollster Filmfiesling der neunziger Jahre zu verankern. 1994 war das; seit dieser Zeit lehrt Charakterdarsteller Rhames in Blockbustern wie "Con Air"  , "Out of Sight"  oder jetzt in "Mission: Impossible 2"  (Start: 6.7.) weißen Jungens das Fürchten. Nicolas Cage, George Clooney und Tom Cruise müssen sich ziemlich strecken, um neben dem Leinwandkoloss zu bestehen. Rhames beherrscht die hohe Kunst des gewichtigen Auftritts wie niemand sonst. Sogar dann, wenn er wie in "M:I­2" als Hacker-Genie Luther Stickell nur vor dem Computer sitzt. Jede seiner Bewegungen, jede Geste fängt den Blick des Zuschauers ­ Rhames kann lässiger sitzen als die meisten anderen gehen. "Niemand kann diesen schwarzen Burschen kaufen", sagt Rhames in einem Interview über sich. "Ich werde nie Sklave weltlicher Dinge sein. Was nutzen dir Ruhm und Eigentum, wenn deine Seele Schaden nimmt? Gott hat immer für mich gesorgt." Im rastlos ehrgeizigen Hollywood, wo Freundlichkeit und Selbstlosigkeit fast schon Verbrechen sind, fiel Rhames vor zwei Jahren durch eine außergewöhnliche Geste auf: Als er für seine Titelrolle in dem TV-Film "Don King ­ Only in America" mit dem Golden Globe ausgezeichnet werden sollte, reichte er die Trophäe an den ebenfalls nominierten Jack Lemmon weiter. Der habe in seinem Leben viel mehr für die Schauspielkunst getan. Respekt und Manieren, weiß Rhames, zahlen sich aus. Wenn auch nicht in diesem Leben. Jörg Böckem

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