Umweltprotest beim Filmfest Glanz und Dreck von Cannes
Fatih Akin und die Helden von "Müll im Garten Eden": Kämpferisches Kino für Cannes
Foto: corazón international/ Festival CannesHamburg/Cannes - Während die Filmstars in der französischen Küstenstadt Cannes über den roten Teppich nahe der Strandpromenade laufen, spielt sich dort abseits der Kameras noch ein anderes, wenig glamouröses Spektakel ab. Anlässlich der 65. Internationalen Filmfestspiele Cannes, die am Mittwoch eröffnet werden, haben Umweltschützer auf die wachsende Verschmutzung des Mittelmeers durch Abfälle aller Art hingewiesen.
Unter dem Titel "Les dessous de Cannes" (etwa: "Die Kehrseite von Cannes") zeigen sie mit der Aktion "Expédition Méditerranée en danger" ("Expedition Mittelmeer in Gefahr") in vier kurzen Videos Berge von Müll, die regelmäßig entlang der Croisette im Meer landen. Die Filmsequenzen dauern etwa zwei Minuten und wurden unter Wasser gedreht - nahe der großen Hotels der südfranzösischen Küstenstadt, in denen die Festival-Gäste unterkommen.
Ein Clip zeigt Berge von Plastikflaschen und anderen Kunststoffbehältern, die auf dem Meeresgrund liegen. Auf einem anderen sind Unmengen von Zigarettenschachteln und -kippen zwischen Algen zu sehen, auf einem dritten verschandeln tausende von Bier- und Limonadedosen die Strände. Der vierte Clip schließlich weist auf das Schicksal von rund eine Million Seevögeln und 100.000 Säugetieren hin, die jährlich wegen der Vermüllung der Ozeane verenden. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Cannes fielen während der zwölf Festivaltage im vergangenen Jahr rund 1200 Tonnen an zusätzlichen Abfällen an.
Wenn der Garten Eden vermüllt
Das Thema Umweltverschmutzung spielt in diesem Jahr auch auf den Leinwänden des Festivals eine Rolle. Der in Hamburg lebende Regisseur Fatih Akin zeigt in einer Sondervorführung seine über Jahre gedrehte Dokumentation "Müll im Garten Eden". Darin geht es um den Kampf eines kleinen türkischen Dorfes gegen eine große Mülldeponie.
Im Wettbewerb sind an der Croisette in diesem Jahr hingegen keine deutschen Beiträge zu sehen. Neben Akins Dokumentation stehen noch zwei deutsche Koproduktionen auf dem Festivalprogramm, etwa das im Zweiten Weltkrieg spielende Drama "Im Nebel" von Sergei Loznitsa.
Zu den Filmemachern im diesjährigen Wettbewerb gehören neben US-Stars wie Wes Anderson, dessen Tragikomödie "Moonrise Kingdom" das Festival am Mittwoch eröffnet, viele Cannes-Stammgäste wie der Kanadier David Cronenberg, der Franzose Alain Resnais, der Brite Ken Loach und der Österreicher Michael Haneke. Der geht nach seinem Erfolg mit der Goldenen Palme für "Das weiße Band" im Jahr 2009 nun mit seinem Werk "Liebe" um ein älteres Ehepaar erneut ins Rennen um die Kino-Trophäe.
Festspiele in Cannes 2012: Alle Filme im Wettbewerb
Zu dem Festival werden außerdem zahlreiche Hollywoodstars erwartet. So spielt Brad Pitt in dem Gangsterstück "Killing Them Softly" mit und schreitet zur Premiere möglicherweise mit seiner Verlobten Angelina Jolie über den roten Teppich des südfranzösischen Küstenortes. Die "Twilight"-Stars Robert Pattinson und Kristen Stewart wollen ebenfalls ihre neuen Filme vorstellen, genauso wie Nicole Kidman, Gary Oldman, Reese Witherspoon, Marion Cotillard und Michel Piccoli.
Die Aufmerksamkeit, die vor allem der Starauflauf in Cannes erzeugt, haben im Vorfeld des Kinospektakels bereits drei der bekanntesten filmschaffenden Frauen Frankreichs genutzt, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen und gegen die Einladungspolitik der Filmfestspiele auf die Barrikaden zu gehen. "Frauen zeigen in Cannes ihr Gesicht, Männer ihre Filme": Unter dieser Überschrift kritisierten Coline Serreau, Virginie Despentes und Fanny Cotencon in einem Protestbrief, dass alle 22 Beiträge von Männern stammen - und dass Männer an Frauen "nur die Tiefe des Dekolletés" schätzen.