Filmfestivals Sundance oder Slamdance?
Nicole Kidman, Russell Crowe, Jodie Foster: Die Namen der Hollywood-Stars, die auf dem diesjährigen "Sundance"-Festival in Park City (Utah) vertreten sind, könnten auch auf der Einladungsliste für die Oscars stehen. Ein Preis auf Robert Redfords Sundance-Festival ist tatsächlich nicht selten eine Empfehlung für die Oscar-Verleihung. "In the Bedroom" von Todd Field zum Beispiel, der 2001 auf dem Festival mit dem speziellen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, gilt als einer der Top-Favoriten für die diesjährigen Academy Awards.
Zu den Publikumsmagneten des Sundance-Festivals 2002 gehören Nicole Kidmans neuer Film "Birthday Girl" sowie die angeblich äußerst wortkarge Produktion "Gerry" von Gus van Sant ("Good Will Hunting"), in der Hollywood-Liebling Matt Damon zwar oft zu sehen, aber nur selten zu hören sein soll. Einige Schauspieler nutzen in diesem Jahr die Veranstaltung, um erstmals ihre Qualitäten als Regisseur unter Beweis zu stellen: John Malkovich gibt mit "The Dancer Upstairs" sein Regiedebut und Russell Crowe will das Publikum mit einer Dokumentation über seine australische Rockband "30 Odd Foot Of Grunt" überzeugen.
Aufsehen erregte das Spektakel in diesem Jahr auch, weil es wegen der Winterolympiade im benachbarten Salt Lake City um eine Woche vorverschoben werden musste. Aus diesem Grund - und als Folge des 11. Septembers - waren die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Festival einer strengen Kontrolle unterzogen unterzogen worden.
Auf der Suche nach dem neuen "Blair Witch Project"
Über 20.000 Besucher werden auf dem Festival im tief verschneiten Park City erwartet. Darunter zahlreiche Agenten und Filmverleiher, die sich, gut getarnt in dicken Anoraks, auf die Suche nach einem neuen "Blair Witch Project" (1999) machen. Der Gruselfilm war neben "Sex, Lügen und Video" (1989) von Oscar-Preisträger Steven Soderbergh und "You Can Count On Me" (2000) einer der größten Erfolge des Festivals.
Vor mittlerweile 20 Jahren hatte Redford das Filmfest ins Leben gerufen mit dem Ziel, kleine, unabhängige Produktionen zu unterstützen. Mittlerweile zählt das Sundance Festival zu den führenden Events in Sachen Independent Film und hat sich einen würdigen Platz neben den klassischen Festspielorten Cannes und Venedig erkämpft.
Die Alternative der Alternativen
Zu ehrwürdig anscheinend für die jungen Wilden im Filmgeschäft. Während die Zahl der Filmeinsendungen beim Sundance-Festival in diesem Jahr von 854 auf 753 deutlich abnahm, erfreut sich die Gegenveranstaltung - das "Slamdance"-Festival - zunehmender Beliebtheit. Die Veranstalter meldeten eine Rekord-Anmeldezahl von 2486 Einsendungen, darunter viele europäische Jung-Regisseure, die ihre Filme auf dem preiswerten Digital-Format drehen.
"Slamdance" war vor acht Jahren als Konkurrenzveranstaltung zu seiner mittlerweile etablierten großen Schwester "Sundance" für finanzschwache Nachwuchsregisseure ins Leben gerufen worden. Seither findet die Alternativveranstaltung zur Alternativveranstaltung zeitgleich mit dem Sundance-Festival am selben Ort statt. Prominentester "Slamdancer" ist "Memento"-Regisseur Christopher Nolan, dem 1999 mit seinem Erstling "Following" der Durchbruch gelang. Mit "Memento" bewarb sich Nolan im vergangenen Jahr dann aber doch lieber beim altehrwürdigen Sundance-Festival. Mit durchschlagendem Erfolg, wie sich herausstellen sollte.