Filmtitel-Statistik: Die "Liebe" hat das Sagen - DER SPIEGEL
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Filmtitel-Statistik Die "Liebe" hat das Sagen

Welche Wörter sollen uns ins Kino locken? Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) hat 100.000 Filmtitel geprüft und eine Liste der am häufigsten darin verwandten Wörter erstellt. Ergebnis: Die "Liebe" gibt den Ton an, gefolgt von "Mann" und "Frau".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ohne "Liebe" geht gar nichts, schon gar nicht im Kino, wo Herz und Schmerz zum Leinwandstoff verschmelzen. Kein Wunder also, dass die Filmindustrie die "Liebe" als Signalwort erkannt und entsprechend eingesetzt hat. In der jetzt von der FSK herausgegebenen Liste der am häufigsten seit 1949 in Filmtiteln verwandten Wörter kommt sie 1036 Mal vor und ist damit der Spitzenreiter. Wo die Liebe im Schwange ist, sind "Mann" und "Frau" nicht weit. Ersterer mit 957 Nennungen, letztere mit 794 Titelangaben.

Ob die "Nacht" den vierten Platz aufgrund der Liebe zwischen Mann und Frau erobert hat, ist fraglich. Zur Nachtzeit wird bekanntlich auch gemeuchelt ("Die Nacht der lebenden Toten") oder einfach nur das Tanzbein geschwungen ("Saturday Night Fever"). In diesem Zusammenhang muss der "Sex" erwähnt werden, der die Geschlechter immer mal wieder zusammenführt. Mit 324 Nennungen schaffte er allerdings nur einen 15. Platz. Das körperliche Techtelmechtel mag sich auf der Leinwand durch alle Genres hindurch großer Beliebtheit erfreuen, in Filmtiteln hat es in expliziter Form weniger zu suchen.

Das "Leben" triumphiert - wie tröstlich - über den "Tod" mit 613 zu 457 Nennungen. Wer will schon "Gesichter des Todes" sehen, wenn er sich bei Monty Pythons "Leben des Brian" totlachen kann? Beim Kampf von "Engel" gegen "Teufel" setzten sich die himmlischen Heerscharen (252) knapp gegen ihre satanischen Widersacher durch. Der "Killer" folgt dem Beelzebub dicht auf den Fersen: 230 Mal kündigte er in Filmtiteln sein schlimmes Treiben an und verwandelte sich mal in mordendes Gemüse ("Angriff der Killer-Tomaten"), mal in einen blutrünstigen Kinderschreck ("Jack Frost 2: Revenge of the Mutant Killer Snowman").

Weil sich der "Himmel über Berlin" immer noch sehen lässt und "Berlin Alexanderplatz" seit der Wende auch per U-Bahn angesteuert werden kann, ergatterte die deutsche Hauptstadt zu recht bei den Städtenamen mit 208 Nennungen einen Spitzenplatz noch vor Amerikas Kultur-Metropole "New York". Am beliebtesten ist jedoch "Paris" (213 Nennungen), auch wenn 1995 eine romantische Komödie "Forget Paris!" empfahl. Auf der metaphysischen Landkarte ist die "Hölle" obenauf (364). "Paradies" (170) und "Himmel" (189) haben das Nachsehen, obwohl Ober- und Unterwelt in einem Titel aufeinander treffen können ("Im Himmel ist die Hölle los").

Unter den Tierarten hat der "Tiger" mit 155 Titelerwähnungen am meisten Biss; bei den Jahreszeiten ist das Kino - kaum anders als die meisten Kinogänger selbst - in den "Sommer" verliebt (164 Nennungen). Für die "Sonne" sieht es düster aus: Der "Schatten" liegt mit 197 Angaben vorne. Wo's dunkelt, ist mit "Schlaf" zu rechnen. Der allerdings rangiert irgendwo weit unten in der Liste. Ganz anders als der "Traum", der mit 221 Nennungen auf Rang 27 kam. Ein logisches Ergebnis: Kino bringt Träume auf die Leinwand - und lädt zum Träumen ein.