"Frequency" Auf angenehme Weise altmodisch
"Frequency" ist ein Anachronismus. Während das Science-Fiction-Kino seine Bilder mit immer ausgefeilteren Computereffekten zukleistert, gibt sich der Zeitreise-Thriller von Gregory Hoblit (Regie) und Toby Emmerich (Drehbuch) betont minimalistisch.
Unscheinbares Vehikel des Phantastischen ist ein altes Funkgerät, das Informationen zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her wandern lässt. Im Jahr 1999 gräbt der Cop Frank Sullivan (Jim Caviezel), ein bindungsunfähiger Alkoholiker, den Apparat seines Vaters (Dennis Quaid), aus, eines Feuerwehrmanns, der vor 30 Jahren bei einem Einsatz ums Leben kam. Als er das Gerät in Betrieb nimmt, bekommt er Kontakt zu seinem Vater im Jahr 1969, wenige Tage vor dessen tödlichen Unfall.
Das ungläubige Staunen legt sich bei Sullivan Junior recht schnell, und der junge Polizist begreift, dass er über diesen Datenhighway seinem Vater einen Tipp geben muss, wie er dem tödlichen Feuer entrinnen kann. Daraus resultieren die packendsten Szenen des Films: Sullivan Senior dringt in das Flammeninferno vor, skeptisch-unsicher nach der Warnung aus der angeblichen Zukunft, während der Zuschauer bereits das drohende Schicksal kennt, doch weder Protagonist noch Publikum wissen, auf welche Weise sich das Damoklesschwert abwehren lässt - was für einen weiteren Spannungseffekt sorgt.
Normalerweise wäre dies der logische Höhepunkt des Films, doch "Frequency" hat bis dahin erst rund die Hälfte seiner Zeit zurückgelegt. An die übersinnliche Rettung wird ein neuer Handlungsstrang drangehängt: Sullivan Junior muss erkennen, dass seine Mutter in der Vergangenheit von einem Serienkiller ermordet wurde. Denn das Überleben des Vaters hat eine fatale Kettenreaktion ausgelöst. Jetzt muss der Sohn den Dad auf die Fährte des Killers setzen, um den Lauf der Geschichte nochmals zu ändern.
Auch wenn dieser zweite Teil der Haupthandlung durch frühzeitige Andeutungen vorbereitet ist, haftet "Frequency" dennoch etwas Episodenhaftes an. Der Film wirkt eher wie eine Doppelfolge von Science-Fiction/Mystery-Serien à la "Twilight Zone". Auch das macht ihn zu einem Anachronismus. Denn wenn sich das Kino einer Fernsehvorlage bedient, dann in der Regel nur, um deren Storystrukturen zu überdrehen und zu verschnörkeln.
Doch "Frequency" ist auf höchst angenehme Weise altmodisch. Analog einer guten TV-Serie, die nur dank ihrer Charaktere funktioniert, bedeuten dem Regisseur die Beziehungen seiner Protagonisten mehr als das Abspulen spektakulärer Zeitparadoxa. Zwangsläufig ist der Teil, in dem der Sohn seinen verlorenen Vater wieder findet, emotional bewegender als die gemeinsame Mörderjagd.
Regisseur Hoblit, bekannt durch die Serien "L.A. Law" und "NYPD Blue", scheint sich immer noch bei Geschichten kleinerer Dimension wohler zu fühlen. Sein erster Spielfilm, "Zwielicht", war erzählerisch und visuell ein gelungenes TV-Movie, das 1996 ein überraschender Frühjahrs-Hit wurde, während der Horror-Thriller "Dämon", ein prätentiös-hysterisches Spektakel, prompt unterging. "Frequency", mit geringen Ambitionen gestartet, mauserte sich wiederum zum "Sleeper"-Erfolg, der in den USA rund 90 Millionen Mark einspielte.
Zwar zeigt Hoblit stilistische Manierismen, so als versuche er krampfhaft, den Sprung aus der TV-Bildwelt zu schaffen. Doch die Stärken seiner Filme liegen eher in Besetzung als Ästhetik. Der bis dahin unbekannte Edward Norton erhielt für "Zwielicht" eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller. In "Frequency" spielt Dennis Quaid in einer lang verdienten Hauptrolle sein düsteres Charisma aus, und Jim Caviezel, fast gegen den Typ besetzt, verleiht dem Loser-Cop Frank Sullivan etwas Verzweifelt-Manisches. Auch dank dieser Darsteller funktioniert "Frequency" als ein origineller, mitunter sogar berührender Genre-Thriller. Wenn Hollywood seine großen Produktionen verpfuscht, ist man schon über kleine Kabinettstückchen glücklich.
Frequency, Regie: Gregory Hoblit, Buch: Toby Emmerich. Darsteller: Jim Caviezel, Dennis Quaid, Shawn Doyle, Elizabeth Mitchell. 117 Minuten, USA 2000. Verleih: New Line Cinema. Start: 24.8.