Hollywood: Action-Helden oder Disney-Häschen? - DER SPIEGEL
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Hollywood Action-Helden oder Disney-Häschen?

Hollywood ist nach den Anschlägen auf die USA in ein Produktionsloch gefallen. Die Branche ist verunsichert: Will das Publikum patriotische Helden auf der Leinwand sehen oder lieber niedliche Disney-Figuren?
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Die Filmstudios in den USA erleben momentan eine der schwersten Krise ihrer Geschichte. Das liegt einerseits an dem ursprünglich angekündigten Streik der Schauspieler und Drehbuchautoren, andererseits an der Tatsache, dass die Budgets am Jahresende naturgemäß ausgeschöpft sind. Hauptgrund für die Krise dürften jedoch die Attentate vom 11. September sein. Viele Filme konnten auf Grund ihrer Handlung nicht an den Start, Aufnahmen mussten verschoben, Drehbücher umgeschrieben werden. Auch die Dreharbeiten zu dem neuen Film von Jennifer Lopez wurden von Dezember auf Juni 2002 verlegt, teilte eine Sprecherin von Columbia Tristar dem Branchenblatt "Variety" mit. Der Thriller "Tick-Tock" handelt von einem Mann, der an Gedächtnisschwund leidet und im Verdacht steht, an Bombenattentaten auf Los Angeles beteiligt gewesen zu sein.

Viele große Studios fuhren ihre Produktionen im letzten Quartal des Jahres 2001 merklich zurück, berichtet "Variety": Sony plant überhaupt keine neuen Filme mehr in diesem Jahr, MGM nur einen einzigen. Warner, Fox und Universal Pictures liegen mit je drei Neuproduktionen bereits an der Spitze der Branche. Insgesamt wurden für das letzte Quartal lediglich 16 neue Filme angekurbelt, im vergangenen Jahr gab es im gleichen Zeitraum 68 Neuproduktionen.

Die Studiobosse üben sich in Zurückhaltung und beobachten zunächst vorsichtig, wie sich die Stimmung in Amerika und damit auch in den Kinosälen entwickelt. Denn was der Zuschauer nach den Attentaten auf New York und Washington nun auf der Leinwand sehen will, darüber gehen die Meinungen auseinander. "Wir können nicht aufhören, Actionfilme zu machen", sagte die Präsidentin von Columbia Pictures, Amy Pascal, zu "Variety". "Aber es ist wichtig, dass wir dem emotionalen Drang widerstehen, fremdenfeindlich zu werden und den typischen Film zu drehen, bei dem der Fremde der Feind ist."

Auch Action-Star Arnold Schwarzenegger glaubt nicht, dass er in Zukunft arbeitslos wird: "In den letzten 50 Jahren waren Actionfilme immer gefragt", sagte er in einem Fernsehinterview, "und wenn sie gut gemacht sind, werden die Leute sie auch weiter sehen." Der Start des neuen Schwarzenegger-Films "Collateral Damage" - die Geschichte eines Feuerwehrmanns, der bei einem Terroranschlag Frau und Sohn verliert - war sofort nach den Terrorakten auf ungewisse Zeit verschoben worden.

Andere Studiobosse sehen in der "Zeit danach" eine Chance für das große Erzählkino. Sony-Vizepräsident Tom Bernhard sagte gegenüber dem "San Francisco Chronicle", er glaube, dass die Studios dem Verlangen nach "gehaltvolleren" Filmen nachgeben werden. Sogar im Bereich des Mainstream-Kinos seien seiner Ansicht nach nun eher verhaltenere Filme gefragt als effektheischende Actionmovies. Der Verleiher des mehrfach Oscar-gekrönten Ang Lee-Films "Tiger und Drache" erwartet für die Zeit nach den Terrorakten eine ähnliche Reaktion wie in den Jahren während und nach dem Vietnam-Krieg. Diese Phase, in der unter anderem Klassiker wie "Der Marathon Mann" oder "Papillon" entstanden, gilt unter Filmkritikern als Glanzzeit des amerikanischen Kinos.

Doch in Krisenzeiten wird auch oft ein ganz anderer Ruf laut: der nach leichter Unterhaltung und Ablenkung. Wie der "Economist" berichtet, erlebten die amerikanischen Videotheken in den Tagen nach den Anschlägen eine ungeheuer große Nachfrage nach Familienfilmen. Offensichtlich versuchten viele Menschen, in der Sicherheit ihrer Wohnzimmer bei Disney-Zeichentrickfilmen die Bilder aus dem Fernsehen wenigsten kurzzeitig zu vergessen.