Hollywood: Comeback der Superhelden - DER SPIEGEL
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Hollywood Comeback der Superhelden

Neue Helden braucht die Leinwand. Nach "Gladiator" und "Mission: Impossible 2" mobilisiert Hollywood am 14. Juli die legendären "X-Men". Die Marvel-Supermutanten sind nur die Vorhut einer Invasion von Comic-Heroen.
Von Rüdiger Sturm
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Al Gore interessiert nicht, George W. Bush schon gar nicht. Amerika blickt derzeit nur auf den - allerdings fiktiven - Senator Scott Kelly. Jedenfalls wenn es nach der Marketingabteilung von Twentieth Century Fox gehen würde. Seit Februar promotet das Studio mit Websites, TV-Spots und Buttons (ja, genau: die kleinen Anstecknadeln aus den Achtzigern) eine Gesetzesinitiative des "X-Men"-Bösewichts wie einen US-Wahlkampf.

Der erfolgreiche Comic-Hit über eine Gruppe von Mutanten mit übermenschlichen Fähigkeiten soll eine Franchise-Idee lancieren, die, so die Planungen, für eine ganze Trilogie gut ist. Dabei schien die Zeit für Superhelden vor kurzem noch abgelaufen. Die Batman-Vision von Tim Burton hatte im Weichspülgang von Joel Schumachers Fortsetzungen jegliche Kontur verloren. Eine Neustart der "Super-Man"-Marke unter Burtons Regie mit Nicolas Cage in der Hauptrolle wurde noch in der Planung gestoppt.

Doch im Jahrtausend der Computereffekte setzt die Branche wieder auf die Übermenschen aus der Comicwelt. Twentieth Century Fox will im Sommer 2002 gar die "Fantastischen Vier" auf den Markt werfen. Gegenwärtig soll "Batman"-Autor Sam Hamm für die endgültige Drehbuchfassung sorgen. Regisseur Sam Raimi ("Evil Dead") und Autor David Koepp ("Jurassic Park") arbeiten für Sony Pictures an der ersten definitiven "Spider-Man"-Version, die kühnen Hoffnungen zufolge schon im nächsten Jahr in die Kinos kommen wird. Für die Spezialeffekte wurde Trickguru John Dykstra ("Star Wars") angeheuert.

Die Gerüchteküche der Branche will auch von einem Neuanlauf des "Incredible Hulk" ("Der unglaubliche Hulk") wissen, dessen menschliche Inkarnation angeblich von Steve Buscemi gespielt wird. Drehbuchautor Michael Tolkin ("The Player") soll gerade die erste Drehbuchfassung schreiben. Sogar für Batman scheint es noch eine Zukunft zu geben. Warner Bros erhoffen sich von dem Indie-Regisseur Darren Aronofsky ("Pi") eine Neubelebung des verhunzten Mythos.

Gleichzeitig steuert Marvel Comics, das in New York ansässige Stammhaus der Superhelden, den Kinomarkt strategisch an. Im Mai schloss man eine Kooperation mit Artisan Entertainment ("Blair Witch Project"), um Figuren wie Captain America oder Thor filmisch auszuschlachten. Nicht zuletzt, weil die Printversionen dieser Figuren immer geringere Gewinne abwerfen.

Comic-Kino zu produzieren, hat freilich seine Tücken. Während Regisseur und Drehbuchautor versuchen, die spektakulären Szenen und Kreaturen der Originalvorlage auf der Leinwand zumindest zu duplizieren, ziehen die Studios die Kostenbremse. So musste "X-Men"-Regisseur Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen") bei Fox um weitere fünf Millionen Dollar betteln, um einige aufwendige Sequenzen fertig stellen zu können. Besonders extravagante Superwesen wie das "Beast" waren im 75-Millionen-Dollar-Budget nicht mehr drin. Autor Michael France ("Cliffhanger") hatte schon 1996 eine Drehbuchfassung zu den "Fantastischen Vier" erstellt, die seinen Angaben zufolge das Management begeisterte. Doch auch hier legten die Buchhalter ihr Veto ein.

Bei Kultfiguren dieser Kategorien sind die Erwartungen, mit dem ersten Film gleich eine ganze Serie von Fortsetzungen zu starten, zudem besonders hoch. Deshalb lässt man den Stoff in Hollywood zumeist von mehreren Top-Drehbuchautoren zugleich bearbeiten. Bei "X-Men" war das Ringelreihen so groß, dass die Autorengewerkschaft wieder einmal bestimmen musste, wer eine offizielle Nennung bekam. Derzeit werden Christopher McQuarrie ("Die üblichen Verdächtigen") und Ed Solomon ("Men In Black") als federführend unter fünf weiteren Autoren genannt.

Ein weiterer Druckfaktor sind die Fans. "Sie wollen, dass der Film genauso wird wie der Comic", klagt der legendäre Marvel-Zeichner Stan Lee. Nur von einer Seite bekommen die Filmemacher uneingeschränkte Unterstützung: von den Stars. "Spider-Man"-Regisseur Sam Raimi war positiv überrascht: "Ich hatte noch nie so viele Schauspieler, die bei mir die Hauptrolle übernehmen wollten." Für seinen Film werden derzeit sowohl Ewan McGregor ("Star Wars: Episode 1") als auch Christian Bale ("American Psycho") heiß gehandelt. Die Hauptrollen in "X-Men" spielen neben "Captain Picard" Patrick Stewart Famke Janssen ("Celebrity") und Halle Berry ("Bulworth").

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