"Im Zeichen der Libelle": Mystery, Murks und Melodrama - DER SPIEGEL
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"Im Zeichen der Libelle" Mystery, Murks und Melodrama

Begegnung mit dem Übernatürlichen: In "Message In A Bottle" versuchte Kevin Costner zu seiner verstorbenen Frau im Jenseits postalischen Kontakt aufzunehmen. In Tom Shadyacs müdem Okkultismus-Thriller "Im Zeichen der Libelle" erhält er jetzt gewissermaßen die verspätete Antwort.
Von Manfred Müller
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als leitender Arzt in der Notaufnahme des Chicago Memorial Hospital muss Costner alias Joe Darrow den Tod seiner Frau Emily (Susanna Thompson) verschmerzen. Sie arbeitete im selben Krankenhaus als Onkologin auf der Kinderstation, war nebenbei aber für das Rote Kreuz in Südamerika tätig. Auf ihrer letzten Mission wird sie mitten im venezuelanischen Dschungel Opfer eines Busunglücks. Die Leiche wird nie geborgen, aber an Emilys Tod besteht kein Zweifel. Joe versucht, seine Trauer in Arbeit zu ersticken, wobei er den Kollegen zunehmend verhaltensauffällig wird. Er kann den Tod als persönliches Schicksal nicht akzeptieren, auch wenn er beruflich täglich damit konfrontiert ist.

Regisseur Tom Shadyac durchsetzt die nun folgende Mystery-Geschichte mit maßvollen Horroreffekten, um eine unheimliche Grundstimmung zu etablieren. Libellen, Emilys Lieblingstiere, schwirren bedeutsam durch die Szene, und der träge Hauspapagei wird zur fliegenden Bedrohung. Ein für tot erklärter Junge schlägt ruckartig die Augen auf und übermittelt kryptische Botschaften aus dem Jenseits. Eine recht abgegriffene Metaphorik also, mit der Komödienspezialist Shadyac ("Der verrückte Professor", Patch Adams") einem schwülstigen Melodram den Zuschnitt eines modischen Okkultismus-Thrillers verpassen will. Die Nähe zu "Sixth Sense" ist dabei nicht zufällig und dürfte vor allem kaufmännischem Kalkül entspringen.

Mystery hat Konjunktur. Wer in der globalisierten Welt den Überblick verliert, sehnt sich nach sinnstiftender Transzendenz. Glaube ist alles, wenn das Wissen vage wird. So auch für Joe Darrow. Wer Arzt wird, muss zuvor daran geglaubt haben, es zu werden, erfährt er aus dem Mund einer Ordensschwester (Linda Hunt in einer verzichtbaren Nebenrolle). Wenn wir also mit unserer Vorstellungskraft das Diesseits gestalten können, warum nicht auch das Jenseits? Klar, warum denn nicht... Diese schlichte Spekulation überzeugt den bekennenden Atheisten Darrow von der Existenz des Übernatürlichen und er macht sich daran, den paranormalen Phänomenen in seiner Umgebung einen schlüssigen Sinn zu geben: Seine Frau muss ihm doch noch etwas mitzuteilen haben. Schön. Aber warum auch gutwillige Geister bevorzugt nachtaktiv und derart verklausuliert daherkommen, wird wohl für immer ein Geheimnis der drei Drehbuchautoren (David Seltzer, Brandon Camp und Mike Thompson) bleiben.

Hauptdarsteller Costner agiert dazu dankenswert nüchtern und verweigert sich dem übertriebenem Pathos, mit dem seine Figur allzu reichlich ausgestattet ist. Das macht zwar den Plot nicht glaubhafter, aber doch wesentlich erträglicher. Ein wenig einfühlsamer Klinikchef (Joe Morton) muss für einen folgenlosen Subplot herhalten, einen weiteren Nebenschauplatz besetzt Kathy Bates als hilfsbereite, in ihrer Vorstellungswelt unerschütterlich diesseitige Nachbarin. Auf den Gang der Geschichte haben beide keinen nennenswerten Einfluss. Die findet zuletzt eine durchaus weltliche, geradezu natürliche Lösung. Dass aber Darrow erst auf dem Umweg eigener Todeserfahrung zum Glück der Erkenntnis gelangt, ergibt - außer dem Anlass zu ein paar besinnlichen Lichtspielen von Kameramann Dean Semler ("Der mit dem Wolf tanzt") - keinen wirklichen Sinn. Was sagt uns also dieser Film? Eigentlich gar nichts.

"Im Zeichen der Libelle" ("Dragonfly"). USA 2002. Regie: Tom Shadyac; Drehbuch: David Seltzer, Brandon Camp, Mike Thompson; Darsteller: Kevin Costner, Joe Morton, Ron Rifkin, Linda Hunt, Susanna Thompson, Kathy Bates; Produktion: Spyglass Entertainment, Shady Acres Entertainment, Universal Pictures; Verleih: Buena Vista; Länge: 103 Minuten; Start: 11. April 2002