Internet-Werbefilm: Gysi enttarnt - als Schauspieler - DER SPIEGEL
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Internet-Werbefilm Gysi enttarnt - als Schauspieler

Im Berliner Wahlkampf ist der PDS jedes Mittel recht, ihr Spitzen-Showtalent zu vermarkten. Am Sonntag wurde Gysis Internet-Filmpremiere inszeniert - ein zweiminütiger Alptraum.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Anwalt, Talkmaster, Demagoge oder Entertainer - für all das zeigt der PDS-Mitbegründer und Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi inzwischen Talent. Und seit gestern kommt noch eine Rolle hinzu: als Schauspieler. Während die anderen Parteien im Berliner Wahlkampf am Wochenende große herkömmliche Auftaktveranstaltungen im Regen zelebrierten, scharte Gysi Journalisten und PDS-Parteiführung um sich, um in einem kleinen Kino am Hackeschen Markt seinen neuesten Werbegag vorzuführen. Gysi spielt Gysi und erlebt einen Alptraum, nur zu erleben im Internet. Wer keine Scheu hat, den Reformsozialisten seine Personalien zu hinterlassen, darf sich auf Gysis Homepage den 2-Minuten-Clip herunterladen, den ihm der Berliner Filmemacher RP Kahl angeblich aus Sympathie entworfen hat.

Nett gemeint, aber...

Dabei überrascht Gysi zunächst mit filmreifer Mimik in seiner Altbau-Küche, drückt sich dann vor einer Sprungszene vom Balkon, (die ein Stuntman für ihn bewältigt), kapert einen Trabi und weiß, am überstürzten Ende bis vor das Berliner Rote Rathaus chauffiert, nicht so recht, was er will. Der knappe Inhalt ist nett gemeint und gut bebildert, aber ziemlich peinlich an den Haaren herbeigezogen.

So vernimmt der bereits um 21.30 Uhr eingenickte Kandidat Gysi Abends im Radio die Nachricht, dass ihn soeben die CDU als neue Mehrheitsfraktion einstimmig zum Regierenden Bürgermeister erwählt habe. Panik überkommt ihn, aber seine Telefone sind außer Betrieb. So seilt er sich ab, stoppt besagten Trabbi mit der Geste eines Volkspolizisten und düst darin mit dem Kopf aus dem Fenster zum Rathaus, zögert und spricht schauspielerisch etwas weniger überzeugend den folgenschweren Satz: "Unter den Umständen lieber doch nicht."

Warum aber bloß? Denn damit widerspricht er prompt seinem eigenen politischen Wahlkampfcredo, dass er die letzten Mauern des Kalten Krieges in Berlin überwinden will, nämlich die zwischen CDU und PDS. Dann erst sei die Spaltung der Stadt überwunden und so könnte ihm seine Traum-Wahl duch die Union doch zur Ehre gereichen.

Bestimmt nicht eitel

Aber nein, das sei doch auch ein Alptraum, nur durch Stimmen aus der CDU gewählt zu werden, scherzt er im Kino und kokettiert, wie wenig zeiteffektiv es doch sei, für zwei Minuten Film acht Stunden Drehzeit zu verlieren. Dabei genießt er den freundlichen Applaus seiner Premierengäste und die Lobeshymnen von Regisseur Kahl über seine schauspielerischen Fähigkeiten und weiß, schon wieder einen Coup gelandet zu haben, ohne viel Aussage einfach nur aufgefallen zu sein.

Dass andere Politiker über solche Showeinlagen nur die Nase rümpfen, lässt ihn völlig kalt, schließlich gebe es keine Beweise, dass langweiligere Politiker bessere Politik machen würden als solche wie er, kontert er eine Reporterfrage.

Die nächsten Inszenierungen stehen auch schon bevor, gestern wurde prompt ein zweiter "Spielfilm" mit Gysi als Kinospot abgedreht, und am 17. September darf das PDS-Aushängeschild Bundespräsident spielen. Hielten und halten Roman Herzog und Johannes Rau nicht immerzu "Berliner Grundsatz-Reden", die Gysi bestimmt viel besser beherrscht? So streut sein Wahlkampfteam bereits, dass er dann in Berlins zentraler Nikolaikirche selber eine "Berliner Rede" predigen will. Dann fehlt er nur noch als bewegliche Action-Figur.

Ach ja, die Gysi-Schleichwerbung gibt's unter www.take-it-gysi.de... 

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