Peter Bogdanovich über "She's Funny That Way": "Ich folge keinen Regeln" - DER SPIEGEL
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"Broadway Therapy": Turbulentes Verwirrspiel

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Regie-Altmeister Peter Bogdanovich "Ich folge keinen Regeln"

Er zählt zu den großen Comedy-Regisseuren in Hollywood und drehte Klassiker wie "Is' was, Doc?". Jetzt legt Peter Bogdanovich seinen neuen Film "Broadway Therapy" vor. Ein Gespräch über New York, Vorbilder und neue Projekte.
Von Frank Arnold
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Mr. Bogdanovich, mit Ihrem neuen Film "Broadway Therapy" huldigen Sie der klassischen Screwball Comedy. Vor 42 Jahren haben Sie der Gattung mit "Is' was, Doc?" Tribut gezollt. Würden Sie sagen, die Regeln für eine erfolgreiche Screwball-Komödie haben sich mittlerweile geändert - oder sind es immer noch dieselben, nach denen schon Howard Hawks und Frank Capra arbeiteten?

Bogdanovich: Ich glaube nicht, dass die Regeln sich geändert haben, was die Story anbelangt - ich glaube, ich folge gar keinen Regeln. Der französische Filmkritiker und -historiker Georges Sadoul hat einmal gesagt, "Wenn man eine Komödie wie diese schreibt, ist die einzige Person, die den Raum nicht betreten soll, genau diejenige, die ihn betritt." Das ist eines der Prinzipien, denen ich folge.

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig war der Schauplatz New York für Sie, als Sie diesen Film drehten?

Bogdanovich: Nun, ich mag diese Stadt, ich bin dort aufgewachsen, sie ist einfach fotogen. Und da diese Geschichte mit dem Theater, dem Broadway, zu tun hatte, war dieser Schauplatz naheliegend.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich Ihr Verhältnis zu der Stadt im Lauf der Zeit gewandelt? Sie leben jetzt an der Westküste?

Bogdanovich: Ja, aber ich habe ein Apartment in New York, das ist derzeit allerdings untervermietet. Ich würde nicht sagen, dass sich meine Beziehung zu der Stadt verändert hat. Es gab eine Zeit Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre, wo mir die Stadt nicht so sehr behagte, aus den verschiedensten Gründen, aber vor allem, weil ich dort 1964 einen Flop am Theater hatte. Als ich dann 1980 dort "Sie haben alle gelacht" drehte, verliebte ich mich von neuem in die Stadt.

SPIEGEL ONLINE: Das Drehbuch für "Broadway Therapy" haben Sie (gemeinsam mit Ihrer damaligen Frau Louise Stratten) bereits vor 15 Jahren geschrieben. Ursprünglich sollte John Ritter die Hauptrolle spielen, der bei Ihnen schon in "Nickelodeon" und "Sie haben alle gelacht" gespielt hatte. War der Grund, dass der Film damals nicht zustande kam, sein plötzlicher Tod 2003?

Bogdanovich: Ja, den Film hatten wir für ihn geschrieben. Ich konnte mir damals niemand anderen in der Rolle vorstellen. Jahre später lernte ich dann durch Wes Anderson Owen Wilson kennen, mit dem ich mich anfreundete. Ich mag ihn persönlich sehr gern, und er brachte für diese Rolle eine gewisse Unschuld mit, das passte sehr gut. Als er zusagte, haben wir den Film ein wenig umgeschrieben für ihn. Durch Owen kam dann auch Jennifer Aniston hinzu, mit der er schon gedreht hatte.

SPIEGEL ONLINE: Noah Baumbach und Wes Anderson werden bei "Broadway Therapy" als Executive Producers genannt. Was genau haben die beiden gemacht?

Bogdanovich: Ihnen gefiel das Drehbuch. Sie haben es ihren Agenten gegeben, und die Agentur fand Initiativgeld, das den Ball dann ins Rollen brachte.

SPIEGEL ONLINE: Mit Noah Baumbach haben Sie schon 1997 zusammengearbeitet, als Sie in seinem Film "Mr. Jealousy" die Rolle eines Therapeuten übernahmen…

Bogdanovich: Er schrieb mir einen Brief, in dem er sagte, dass er mich gerne für diese Rolle hätte. Daraufhin las ich das Drehbuch, mochte es, spielte die Rolle und seitdem sind wir Freunde. Wes kannte ich schon vorher, denn sein Debütfilm "Durchgeknallt" wurde von meiner Ex-Frau Polly Platt produziert. Sie sagte mir damals, er erinnere mich an sie, denn er wüsste genau, was er wollte und würde sich weigern, irgendwelche Alternativen zu erwägen. Ich traf ihn und freundete mich mit ihm an, Noah und Wes wurden unabhängig davon Freunde.

SPIEGEL ONLINE: Neben Ihrer Arbeit als Filmemacher haben Sie auch zahlreiche Interviews veröffentlicht, die in den Büchern, "Wer hat denn den gedreht?" (Regisseursinterviews) und "Who the Hell is in it?" (Schauspielerinterviews) gesammelt sind. Können wir uns auf weitere Veröffentlichungen freuen?

Bogdanovich: Es gibt ein Buch, das fast fertig ist. Es basiert auf einem Tagebuch, dass ich von Mitte der sechziger Jahre bis 1971 führte, also der Zeit, wo ich meine Regisseurskarriere begann. Der gegenwärtige Arbeitstitel lautet "My First Picture Shows. A Director's Apprenticeship." Es enthält Auszüge aus meinen damaligen Tagebüchern und Kommentare von heute. Ein zweites Buch, über das ich nachdenke, basiert auf Interviews, die ich in einer deutschen Zeitung veröffentlicht habe, der geplante Titel lautet "Five American Icons", das sind Clint Eastwood, Jack Nicholson, Arthur Miller, Lauren Bacall und Kirk Douglas. Die sind bisher in den USA überhaupt noch nicht zu lesen gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Als nächstes werden wir Sie in der Rolle eines Filmregisseurs in der endlich fertig gestellten Fassung von Orson Welles' "The Other Side of the Wind" sehen - oder gibt es da nach wie vor größere Probleme?

Bogdanovich: Da gibt es immer Probleme. Ich hoffe, der wird Ende des Jahres fertig gestellt sein, aber ich möchte nicht meine Hand dafür ins Feuer legen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es eigene Filmprojekte, über die Sie schon etwas verraten können?

Bogdanovich: Ja, ich arbeite an zwei Spielfilmen: Louise Stratten und ich haben den Pilotfilm für eine Fernsehserie geschrieben, die auf "Sie haben alle gelacht" basiert und in deren Mittelpunkt eine Detektivagentur steht. Dann gibt es einen Film, den ich im nächsten Frühjahr in Europa drehen werde, der Titel lautet "Wait for Me". Das ist eine Mischung aus Komödie, Drama und Fantasy, denn es geht um sechs freundliche Gespenster. Das ist ein ziemlich persönlicher Film, an dem ich seit dreißig Jahren arbeite. Jetzt endlich habe ich eine Fassung, die mir gefällt. Er wird in fünf Städten in vier Ländern spielen, Wien und Salzburg, Budapest, Prag und Rom.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben oft als Schauspieler gearbeitet. Manchmal waren das nur kurze Auftritte wie gerade in Noah Baumbachs "Gefühlt Mitte Zwanzig", aber manchmal auch größere, wie der Therapeut in der Mafiaserie "Die Sopranos". Hat das Ihren Blick auf die Schauspielerei geändert?

Bogdanovich: Ich glaube, es hat vor allem die Auffassungen anderer Menschen über mich als Schauspieler geändert. Ich habe als Schauspieler begonnen, als ich 15 Jahre alt war und habe in über 40 Stücken auf der Bühne gestanden, bevor ich mich der Bühnenregie und später dem Film zuwandte.

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