Islam-DVD Gottesfurcht essen Seele auf
Takva erzählt von Muharrem, dem tief Gottgläubigen in Istanbul. Er lebt ein arbeitsames, stilles Leben, ein Mann mittleren Alters ohne große weltliche Bedürfnisse, den seine sexuellen Träume erschrecken, dessen inneres Zentrum das nahe Kloster ist.
Als sein Glaubensorden ihn aufruft, die sekteneigenen Immobilien zu verwalten er ist eine ehrliche Haut, von ihm sind keine Unredlichkeiten zu befürchten , als man Muharrem zum höheren Ansehen des Ordens mit den Insignien eines Geschäftslebens (Handy, Auto, Anzug) ausstattet, fügt er sich gehorsam in den unwillkommenen Auftrag, denn es ist Gottes Wille. Doch seine neue verantwortliche Stellung in der Welt verändert ihn, und nicht nur äußerlich beim Eintreiben der Mieten armer Leute, denen er nicht helfen darf, kommen ihm erstmals Zweifel am Edelmut seines Klosters. Zwar werden seine Bedenken von dessen Scheich scharfsinnig geglättet, doch Verlockungen, verdrängte Wünsche, Schuldgefühle, die Angst, vor Allah wie vor dessen irdischen Vertretern zu versagen, verstricken den frommen Muslim zunehmend in einen für ihn unlösbaren Konflikt.
Eine komplexe Parabel über Entfremdung aus dem islamischen Filmland Türkei: Hier wird eine starre, archaische Religiosität einer modernen, rationalen Welt gegenüberstellt, eine in ihrer schlichten Menschlichkeit an manipulativen Lehrmeistern tragisch scheiternde Figur gezeigt. Das weist eindrucksvoll über den Islam hinaus, auf religiöse wie säkulare Kollektive, die sich auf Ängste und Hoffnungen der bei ihnen Haltsuchenden stützen.
Der deutsch untertitelte Arthouse-Film "Takva", der auch formal durch den großartigen Hauptdarsteller Erkan Can, durch starke, zum Teil dokumentarische Bilder und einen drängenden, elektronischen Soundtrack besticht, wurde auf der Berlinale 2007 mit dem Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet.
Die DVD enthält außerdem ein schönes Interview mit dem türkischstämmigen Hamburger Filmemacher Fatih Akin, Co-Produzent von "Takva".