"Julius Caesar": Imperator mit Stupsnase - DER SPIEGEL
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"Julius Caesar" Imperator mit Stupsnase

Dank reichlich 25 Millionen Euro Produktionskosten ist der ARD-Zweiteiler "Julius Caesar" zu einem spektakulären Kostümfilm geraten. Etwas mehr Charakterentwicklung hätte den Hauptfiguren jedoch gut getan.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ein Muss!", hatte der FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt der "Bild"-Zeitung verkündet, ein Muss sei es, Freitagabend die erste Hälfte des Historiendramas "Julius Caesar" (ARD, 20.15 Uhr; zweiter Teil: heute, 20.15 Uhr) zu schauen. Mit Recht. Zwar wollte Gerhardt vor allem wissen, "wie so ein Riesenstoff verfilmt werden kann", aber mindestens so interessant war die Frage, wofür die internationale Produzentengruppe aus ARD/Degeto, DeAngelis Group, Victory Media AG, Five Mile River Films und Turner Network rund 25 Millionen Euro ausgegeben hatte.

Die Antwort: für ein dreistündiges Epos (Regie: Uli Edel), das nahtlos an die alten Hollywood-Monumentalfilme anschließt – große Männer, große Schlachten, große Gesten, viel um den Körper gewickelter Stoff und drahtige Männerbeine in Riemensandalen. Außerdem: ein auf Malta originalgetreu aufgebautes Forum Romanum, 300 Komparsen und Hunderte von Soldaten aus dem Computer.

Erzählt wurde in der ersten Hälfte des Zweiteilers der Aufstieg von Julius Caesar (gespielt von dem Amerikaner Jeremy Sisto) zum einflussreichen Konsul und zum Feldherren. Der junge Caesar verhilft seinem Schwiegervater zur Flucht vor dem Diktator Lucius Cornelius Sulla; Sullas General Pompeius wiederum lässt Caesar der Rache des Diktators entkommen.

Als Sulla stirbt, kehrt Caesar nach Rom zurück und strebt nach politischer Macht. Er schmiedet eine Allianz mit Pompeius und schickt diesen dann, ausgerüstet mit einem riesigen Heer, zum Kampf gegen die Piraten. Zwei Jahre später kehrt Pompeius siegreich zurück; in dieser Zeit hat Caesar seine Macht gefestigt.

Das aber reicht ihm nicht: Er gibt Pompeius seine Tochter Julia zur Frau und verlangt im Gegenzug Legionen, um die Gallier zu unterwerfen und sich damit profilieren. Pompeius willigt ein. Und nun steht, am Ende des ersten Teils, Julius Caesar vor der großen Schlacht gegen Vercingetorix, dem Führer der gallischen Stämme.

Charakterentwicklung im Hauruck-Verfahren

Ziemlich viel Geschichte wurde in drei Stunden gepresst, weshalb der Mammutkostümfilm zwar keinen Mangel an schreienden und Schwerter schwingenden Männer leidet, die Psychologie der Figuren aber ein bisschen eilig geschnitzt ist. Die Schauspieler machen das Bestmögliche daraus, allen voran Richard Harris in seiner letzten Rolle als zerzauster Sulla (Harris starb am 25. Oktober): Er gibt ihm jene perfide Schläue, die Dikatoren auf dem Bildschirm spannend und in der Realität unerträglich macht.

Jeremy Sisto lässt die Wandlung des Caesar vom jungen Rebell zum machthungrigen Politiker einigermaßen glaubwürdig erscheinen – auch wenn sein stupsnasiges Profil nicht ganz das Format der Hakennase des echten Julius Caesar hat. Auch der deutsche Beitrag hat Format: Heino Ferch spielt keinen Germanen, aber immerhin den schwer tätowierten, aufrechten Anführer der Gallier und sollte sich überlegen, ob er nicht öfter mit einer flammend orangen Langhaarperücke herumlaufen möchte; sie steht ihm ausgezeichnet.

Weil "Julius Caesar" zur Familienfernsehzeit auch etwas fürs Herz bieten muss, haben die Mächtigen Roms schöne Frauen, die sie furchtbar lieben. Und dass die Frauen ihre Männer auch sehr bewundern, zeigt die Kamera, die ausschließlich von oben in große Frauenaugen blickt – damit sich auch der Sofa-Caesar drei Stunden lang als geliebter Herrscher fühlen kann.

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