Kannibalen-Kino Praunheim wehrt sich gegen Kritik
Berlin - Das schmeckt ihm gar nicht: Rosa von Praunheim hat sein geplantes Kannibalismus-Projekt (Titel "Dein Herz in meinem Hirn") gegen den Vorwurf der Geschmacklosigkeit und Wichtigtuerei verteidigt. "Ich bin jemand, der ernsthaft versucht nachzuvollziehen, wie es zu so etwas kommt", erklärte Praunheim heute der Nachrichtenagentur dpa. "Wenn man meine Filme kennt, dann weiß man natürlich auch, dass da sicher auch schwarzer Humor dabei ist."
Außerdem spiele nicht nur der der konkrete Fall des "Kannibalen von Rotenburg" in seinem neuen Filmprojekt eine Rolle. Das Thema Kannibalismus beschäftige ihn schon seit 20 Jahren: "Er gehört sozusagen auch zu unserer Kultur. Von der Frühzeit angefangen, wie zum Beispiel in der Religion oder bei Opferritualen - verbunden mit dem Glauben, sich von der Stärke oder Potenz der Feinde etwas einverleiben zu können." Das drücke sich zum Teil auch in unserer Sprache aus, "in der katholischen Religion, in der Kommunion und ähnlichem", meinte der Filmemacher.
Auch lohne ein Blick auf die Kriminalstatistik der letzten 100 Jahre. "Verbrechen gehen uns alle an, darunter die Grenzüberschreitungen, die wir sonst nur in unseren Träumen erleben. Ich sehe das gar nicht moralisch. Als Filmemacher ist man neugierig auf das, was in der Welt passiert oder was alles möglich ist. Und man versucht, das irgendwie zu verstehen, auch die latenten geheimen Wünsche und Vorstellungen in uns allen."
Juristisch lässt sich Praunheim von einem Anwalt für Persönlichkeitsrechte beraten, der auch das Drehbuch begutachten werde. "Es ist ein Spielfilm, der nicht an den konkreten Fall von Rotenburg gebunden ist." Der Verteidiger des wegen Kannibalismus verurteilten Armin Meiwes hatte gestern angekündigt, gegen jede Verletzung der Persönlichkeitsrechte seines Mandanten juristisch vorzugehen.
Bevor das Urteil nicht rechtskräftig sei, werde es keinerlei autorisierte Veröffentlichung zum Leben des "Kannibalen von Rotenburg" geben. Das Landgericht Kassel hatte ihn im Januar dieses Jahres für schuldig befunden, einen Berliner Ingenieur getötet und Teile von dessen Leiche gegessen zu haben.
Kulturgeschichte hin, Persönlichkeitsrechte her: Der CDU im Düsseldorfer Landtag schlägt Praunheims Projekt aus ganz anderen Gründen auf den Magen: Die Politiker empören sich darüber, dass die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen den Film mit 20.000 Euro fördert. Es sei ein "handfester Skandal, dass in Nordrhein-Westfalen für so einen Unfug sogar noch Steuergelder zur Verfügung gestellt werden", sagte der CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Haushalts- und Finanzausschusses, Volkmar Klein.
Die Filmstiftung hielt dagegen, das Projekt habe das unabhängige Entscheidungsgremium überzeugt, weil der Film als "eine fantasievolle Mischung der Groteske, des Thrillers und der Komödie" gestaltet werden solle. Zudem handele Praunheims Arbeit nicht wie angenommen von einer realen Person. Vielmehr beschäftige sich der Regisseur mit der Frage, wie es überhaupt dazu kommen könne, dass Menschen zu Kannibalen werden.