Superman und Batman im Kino: Der Kampf der Superhelden
Ben Affleck als Batman Der Mann ist hart genug
"Holy atomic pile, Batman!" Das würde Robin, Sidekick des dunklen Ritters in der "Batman"-Fernsehserie aus den sechziger Jahren, womöglich ausrufen, wenn er von der Besetzung Ben Afflecks in der Rolle des Comic- und Kinohelden hörte. Wie vom Branchenblatt "Variety" vermeldet, wird Affleck den Großstadträcher im "Batman vs. Superman"-Projekt von Regisseur Zack Snyder und Produzent Christopher Nolan verkörpern.
2015 sollen die beiden Ikonen des DC-Verlags im Kino aufeinandertreffen, da kommt der Casting-Coup gerade recht, um das Interesse der Fangemeinden zu befeuern. Die können sich die Wartezeit nun mit allerhand Spekulationen verkürzen: Muss Batman nach Nolans stilbildender "Dark Knight"-Trilogie weiterhin düster vor sich hinbrüten und -röcheln? Oder darf Affleck im Gegensatz zu Vorgänger Christian Bale das Gemüt der Figur ein wenig aufhellen? Wird Henry Cavill, der nette wie nichtssagende "Man of Steel", bei seinem zweiten Auftritt als Superman Profil gewinnen? Und können es die beiden vereinten Comic-Schwergewichte samt ihrer bewegten Vorgeschichte mit der Konkurrenz von Marvel aufnehmen, die bereits erfolgreich ihr Heldenkollektiv "Avengers" im Kino etabliert hat?
Ebenso gespannt aber darf man auf die Dynamik zwischen dem visuellen Krawallmacher Snyder, Action-Auteur Nolan und Ben Affleck sein. Die berüchtigten "kreativen Differenzen" sind in dieser Konstellation nicht auszuschließen. Trotz seiner 41 Jahre ist Affleck schließlich ein Hollywood-Veteran, der schon einige Krisen verkraftet hat, und daher mit entsprechend viel Selbstbewusstsein ans Set kommen dürfte.
Kämpfer ohne Augenlicht
Nach dem frühen Drehbuch-Oscar für "Good Will Hunting" (1997) geriet Afflecks Schauspielkarriere ins Stocken und war gekennzeichnet von schlechten Entscheidungen. Wenn er sich nicht gerade in läppischen romantischen Komödien mühte, dann war er der chronisch blasse Protagonist dröhnender Spektakel wie "Armageddon" (1998) oder "Pearl Harbor" (2001). Besonders schmerzhaft für Comic-Fans dabei sein Absturz als "Daredevil" (2003), ein Kämpfer ohne Augenlicht.
Noch blinder als der Titelheld war hier die Inszenierung, und allein weil seine spätere Ehefrau Jennifer Garner mitspielte, hat Affleck vielleicht doch noch eine gute Erinnerung an diesen kapitalen Flop. Für Schlagzeilen sorgte er zu dieser Zeit allenfalls durch seine Beziehung zu Jennifer Lopez - und ein Leben als Teil des Tabloid-Gespanns "Bennifer" schien sein Schicksal zu sein.
Während sein Kumpel Matt Damon als Jason Bourne den Actionhelden für das neue Jahrtausend definieren konnte, war Affleck als leading man weitgehend abgemeldet. Das Comeback kam entsprechend unerwartet und hinter der Kamera: 2007 inszenierte Affleck den pessimistischen Milieukrimi "Gone Baby Gone" und kam das erste Mal seit "Good Will Hunting" wieder in den Genuss guter Kritiken. Der stimmige Reißer "The Town" (2010) bestätigte ihn als versierten Regisseur, bevor der oscar-prämierte Konsenserfolg seines nostalgischen Politthrillers "Argo" (2012) Affleck endgültig rehabilitierte.
Jetzt, als nunmehr anerkannter Filmemacher und seit Jahren skandalfreier Familienmensch, will Affleck es also noch einmal wissen und das vollbringen, was ihm in jungen Jahren nicht gelungen ist: Als Star einer Blockbuster-Produktion mit Multimillionenbudget reüssieren.
Angesichts seiner Erfahrung darf man davon ausgehen, dass er sehr genau weiß, was er da tut. Sicherlich wird Afflecks markantes Kinn unter der Fledermausmaske gut zur Geltung kommen. Und da ihm ein Smoking nachweislich steht, dürfte er auch als Batmans Alter Ego Bruce Wayne eine prima Figur machen. Kollege George Clooney, der einst mit "Batman und Robin" gehörig baden ging, wird ihn zudem sicher vor Kostümen mit Brustwarzenapplikation warnen. Doch selbst wenn der Film ihn wie ein schlecht geworfener Batarang heimsuchen sollte, und "Superbat" ähnlich katastrophal endet wie "Bennifer": Ben Affleck hat Nehmerqualitäten. Und die braucht es in Gotham genauso wie in Hollywood.