Kate Winslet: "Nacktszenen sind schrecklich" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kate Winslet "Nacktszenen sind schrecklich"

Nach der Geburt ihrer Tochter Mia meldet sich Kate Winslet, 26, mit "Quills" auf der Leinwand zurück. Mit SPIEGEL ONLINE spricht sie über die neuesten Gerüchte zu ihrem Gewicht, ihrem Horror vor Nacktszenen und die Macht der Fantasie.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Ms. Winslet, Sie sind mit Ihrem Mann Jim Threapleton und Ihrer kleinen Tochter nach Berlin gekommen. Wie geht es Ihrer Mia?

Winslet: Ihr geht´s wunderbar, vielen Dank. Ein wunderschönes kleines Ding, sie hat nichts von mir. Sie sieht auch gar nicht aus wie ich, sondern genau wie Jim. Was nicht schlimm ist, weil er genauso süß ist wie sie.

SPIEGEL ONLINE: Was wussten Sie über den Marquis de Sade, bevor Sie mit den Vorbereitungen zu "Quills" begannen?

Winslet: Soviel wie die meisten: Dass er ein empörend pornografischer Schriftsteller war, den Napoleon lieber tot als lebensig sehen wollte. Ich hatte vorher nie etwas von ihm gelesen und wusste nichts über ihn als Person. Ich fand das Ganze interessant, denn die Schriften des Marquis waren zu seiner Zeit tabu, und ich glaube, sie sind es heute noch. Niemand will über Pornographie oder die Details seiner schmutzigen Romane sprechen.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß war das Risiko, diesen Film zu drehen?

Winslet: Ziemlich groß. Allein die Liebesszene zwischen Joaquin Phoenix und mir - nicht nur ist das Nekrophilie, das Ganze findet auch noch in einer Kirche statt. Aber ich gehe gerne Risiken ein, weil ich der Meinung bin, dass das Leben ohne sie ziemlich langweilig wäre. Ich finde es wichtig, ab und zu ein wenig Stirnrunzeln zu erzeugen.

SPIEGEL ONLINE: Es ist auch ein Film über Zensur. Interessanterweise werden Sie Presseberichten zufolge derzeit selbst Opfer der Zensur: Angeblich sehen Sie sich gezwungen, Gewicht zu verlieren, um im Geschäft zu bleiben.

Winslet: Das ist völliger Unsinn. Ich würde mich niemals per Diät in Hollywood einkaufen. Natürlich hätte ich nach meiner Schwangerschaft keinen Job bekommen - ich hatte über zwanzig Kilo zugenommen, hatte einen Bauch, der mir bis auf die Knie hing, und einen Hintern, der abgestützt werden musste. Meine Güte, jede Frau, die ein Kind bekommt, will anschließend zurück zu ihrem ursprünglichen Gewicht. Da bin ich jetzt, und das ist auch schon alles.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind erneut in einer Nacktszene zu sehen. Fällt Ihnen das inzwischen eigentlich leicht?

Winslet: Nein, ich finde Nacktszenen nach wie vor schrecklich - ich hasse sie, und ziehe jeden in Zweifel, der behauptet, das mache ihm nichts aus. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit zehn Leuten zusammen und werden gebeten, sich nackt auf den Tisch zu stellen. Das ist einfach nicht angenehm.

SPIEGEL ONLINE: Am Ende des Films erlangen die vermeintlich bedrohlichen Texte des Marquis tatsächlich eine schockierende Wirkung. Wie gefährlich können Worte sein?

Winslet: Manchmal sehr, ganz besonders unter jungen Menschen, die leicht zu beeindrucken sind. Meine Schwester Anna, eine wunderschöne, sehr weibliche Person, knabbert seit ihrer Schulzeit an einem kleinen gemeinen Kommentar über ihren Hintern. Manchmal ist es schwierig, Worte abzuschütteln. Ich bin glücklicherweise schon immer eine ziemlich starke Persönlichkeit gewesen, und wenn ich Dinge über mich lese, die schief oder schlicht unwahr sind, denke ich einfach: Scheiß drauf.

SPIEGEL ONLINE: Sex spielt sich im Film vor allem in der Vorstellung ab. Liegt in der Fantasie eine größere Erotik als in der Abbildung?

Winslet: Was man nicht sieht, viel erotischer ist als das Offensichtliche. Aber auch in anderem Zusammenhang kann die Fantasie sehr machtvoll sein. Eine der schrecklichsten Filmszenen die ich kenne ist die in "Reservoir Dogs", in der dem Polizisten das Ohr abgeschnitten wird. Man sieht nichts davon, und das macht das Ganze so entsetzlich. Das ist übrigens auch der Grund für meine Vorsicht im Hinblick auf Nacktszenen, weil man für einen hocherotischen Effekt nicht besonders viel zu zeigen braucht.