Kein Witz Terry Gilliam wird Brite
Monty Python, die legendäre Komikertruppe um John Cleese, gelten als Inbegriff des britischen Humors - dank ihrer BBC-Serie "Flying Circus" und Filmen wie "Das Leben des Brian" und "Die Ritter der Kokusnuss". Die sechs Anarcho-Humoristen verspotteten dabei alles, was den Briten heilig war: die Queen, die Armee und den Fünf-Uhr-Tee. Einziger Schönheitsfehler: Ein Python-Mitglied war gar kein Brite.
Denn Terry Gilliam, Jahrgang 1940, ist eigentlich Amerikaner; er stammt aus Minnesota, fügte sich aber perfekt in die Gruppe ehemaliger Oxford- und Cambridge-Studenten ein. Wenn bei einem Python-Sketch ein buckliger Irrer durchs Bild laufen musste, dann war es meist Gilliam; außerdem zeichnete der gelernte Grafiker die Animationsfilme der Pythons und führte oft Regie. Als die Python-Mitglieder Anfang der achtziger Jahre eigene Wege gingen, wurde Gilliam zum hauptberuflichen Regisseur und inszenierte Filme wie "Brazil", "Twelve Monkeys" oder zuletzt "The Brothers Grimm". Obwohl Gilliam sich regelmäßig mit den Produzenten seiner Filme verkrachte, galt er in Hollywood trotzdem immer noch als "einer von uns" - er war schließlich Amerikaner.
Genau, war. Denn jetzt hat Gilliam seinen amerikanischen Pass zurückgegeben und ist ganz offiziell Brite. Eigentlich nur konsequent, schließlich lebt er seit Jahrzehnten hauptsächlich in Europa: in seinem Haus in Nord-Italien oder eben in England, nur ein paar Kilometer entfernt von den ehemaligen Python-Kollegen Michael Palin und Terry Jones. "38 Jahre hatte ich das Privileg, in den USA und in Großbritannien Steuern zahlen zu dürfen", so Gilliam in Berlin zu SPIEGEL ONLINE; damit sei es nun vorbei.
Und wie haben seine Ex-Landsleute auf diesen Schritt reagiert? "Die Leute im US-Konsulat waren ziemlich beleidigt", erzählt Gilliam und lacht - vermutlich weil sie sonst immer nur mit Leuten zu tun hätten, die unbedingt Amerikaner werden wollten. Die Retourkutsche der Pass-Beamten: Gilliam darf sich von nun an nur noch 30 Tage pro Jahr in den USA aufhalten, anders als normale europäische Touristen.
Wie auch immer: Das Ganze, sagt Gilliam, sei ohnehin nur "ausgleichende Gerechtigkeit": Die beiden anderen Monty-Python-Männer, John Cleese und Eric Idle, wohnen nämlich seit Jahren in Kalifornien.