Kosslicks neue Berlinale: "Nicht alles wird sich ändern" - DER SPIEGEL
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Kosslicks neue Berlinale "Nicht alles wird sich ändern"

Unterstützung für das Heimat-Kino: Der neue Berlinale-Leiter Dieter Kosslick möchte "den Mehltau, der auf dem deutschen Film liegt" loswerden. Dafür schuf er im Rahmen der Filmfestspiele neue Foren für Nachwuchs-Regisseure und nahm gleich vier heimische Beiträge in den Wettbewerb auf.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - "Nicht alles wird sich ändern, dazu war die Zeit zu kurz", sagt Dieter Kosslick. Im Mai vergangenen Jahres löste er Moritz de Hadeln ab und leitet nun vom 6. bis 17. Februar erstmals die Berliner Filmfestspiele. Einige gewichtige Neuerungen gibt es aber doch. Anders als bei seinem Vorgänger wird der deutsche Film eine große Rolle spielen. Gleich vier heimische Produktionen gehen in das Rennen um Goldenen und Silberne Bären, während es 2001 mit "Enemy At The Gates" und "My Sweet Home" nur zwei waren.

"Um den Mehltau, der über dem deutschen Film liegt, loszuwerden, müssen alle inklusive der Berlinale mithelfen", erklärt Kosslick, ehemaliger Geschäftsführer der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen. Das schlechte Prestige sei nicht gerechtfertigt, schließlich gebe es mit Tom Tykwer oder Dominik Graf phantastische Regisseure, und eigentlich gehe es dem deutschen Film auch ganz gut. Schließlich war ja gerade 2001 ein Erfolgsjahr: 50 Prozent mehr Zuschauer wurden bei einheimischen Produktionen gezählt, der Marktanteil von knapp 13 auf rund 15 Prozent gesteigert.

So fiel es Kosslick auch nicht allzu schwer, für den Wettbewerb der 52. Internationalen Filmfestspiele Berlin, in dem insgesamt 23 Produktionen um die Preise kämpfen, vier aus deutschen Landen zu entdecken. Zu sehen sind der "Baader"-Film von Christopher Roth, "Der Felsen" von Dominik Graf, "Halbe Treppe" von Andreas Dresen und "Heaven" von Tom Tykwer, der die Berlinale auch eröffnen wird.

Auch früher habe es viele gute Leute gegeben. "Doch sie wurden, auch wegen des fehlenden Marketings, oft nicht wahrgenommen", erklärt Kosslick. Um es talentierten Leuten leichter zu machen, schuf er die Sektion "Perspektive deutsches Kino". Hier sollen sie ihre Werke vorstellen und sich der Kritik stellen.

Doch nicht nur der deutsche, auch der ausländische Nachwuchs soll unterstützt werden. Schon in diesem Jahr gibt es für den besten Erstlingsfilm den neu gestifteten "First Movie Award". Ab dem kommenden Jahr will Kosslick den so genannten "Berlinale Talent Campus" ins Leben rufen. Hier sollen sich fünf Tage lang tausend Menschen "der jungen, kreativen Generation" aus aller Welt treffen, um mit berühmten Regisseuren zu diskutieren.

Es gibt noch mehr Innovationen: Erstmals werden Filmkomponisten ausgezeichnet, erstmals soll es ein Forum für filmwirtschaftliche Diskussionen geben, erstmals soll auch ein "intellektueller Diskurs" über das Gesehene geführt werden. Sogar die Berlinale-Plakate sind neu gestaltet, und der Erkennungstrailer wurde frisch arrangiert. "Wenn jemand Neues kommt, möchte er etwas Neues machen", erklärt Kosslick und lächelt.

An Glamour wird es auch nicht mangeln: Regisseur Robert Altman und die Schauspielerin Claudia Cardinale sollen eingeflogen werden und für ihr Lebenswerk jeweils Goldene Ehrenbären erhalten. Neben ihnen werden auch internationale Stars wie Geraldine Chaplin, Russell Crowe, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Milos Forman und Wim Wenders in Berlin erwartet.

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