Kubrick-Premiere: A.I. = E.T.? - DER SPIEGEL
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Kubrick-Premiere A.I. = E.T.?

Das vielleicht am besten gehütete Geheimnis der Kino-Saison wurde gelüftet: Stanley Kubricks letztes Film-Konzept "A.I. - Artificial Intelligence", gedreht von Steven Spielberg, wurde der amerikanischen Presse gezeigt. Die Reaktionen sind gemischt...
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Im Vorwege des US-Filmstarts am 29. Juni hatte der ausführende Produzent und Kubrick-Schwager Jan Harlan nicht mit Superlativen gegeizt. "Ein Meilenstein der Filmgeschichte" sei "A.I.", doch die amerikanischen Medien, denen die Science-Fiction-Vision des verstorbenen Regie-Altmeisters Stanley Kubrick nun in einer Vorabvorführung gezeigt wurde, reagierten etwas nüchterner auf das dargebotene Filmwerk.

"A.I." sei "fesselnd, ohne richtig packend zu sein", heißt es im "Time Magazine". "Newsweek" beschreibt Kubricks letztes Projekt als "reichhaltig, merkwürdig problematisch und voll von wilden Änderungen der Tonart". Der Film sei berauschend, frustrierend und provokativ zugleich.

Auch trotz dieser lauwarmen Rezeption dürfte "A.I." zum Kassenschlager der nächsten Wochen werden - und sei es nur, weil es inmitten von "Tomb Raider" und "Pearl Harbor" an intelligenter Konkurrenz mangelt. Wahrlich, ein Familienfilm ist "A.I." sicher nicht. Erzählt wird die eher düstere Geschichte des von Gott und der Welt verlassenen Roboter-Kindes David, das als weltweit erster Kunstmensch darauf programmiert wurde, Liebe zu empfinden. Verzweifelt macht es sich auf die Suche nach seiner verlorenen menschlichen Pflegemutter.

Gespielt wird David von dem "Sixth Sense"-Star Haley Joel Osment, 13, durch dessen bemerkenswerte Darstellung der Film wohl deutlich gewinnt. Der Knabe kommt in nahezu jeder Szene vor und sorgt für den emotionalen Kern des ansonsten offenbar eher kühlen Films, der sich über weite Strecken und in drastischen Bildern auch der diskriminierenden und unwürdigen Behandlung widmet, die die Menschen den Robotern angedeihen lassen.

Zur Seite steht dem Kind der Robot-Gigolo Joe (Jude Law), dessen einzige Existenzgrundlage die Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse der Menschen ist. Mit der sehnsüchtigen Suche Davids nach seiner Mutter hat Joe nicht viel zu tun, sorgt aber für Auflockerung und Entertainment in der psychologischen Regressions-Studie, die Spötter bereits auf den Namen "Desperately Seeking Mommy" umtauften.

"A.I." basiert auf der 1969 veröffentlichten Kurzgeschichte "Super Toys Last All Summer Long" von Brian W. Aldiss. Jahrelang trug sich Kubrick mit der Idee, aus der Story einen Film zu machen. Als Kubrick 1999 starb, übernahm sein langjähriger Freund Steven Spielberg die Umsetzung des Projekts.

Für Spielberg war dies eine große Herausforderung, die ihm seine ganze Hingabe abverlangte. Erstmals seit der "Unheimlichen Begegnung der Dritten Art" (1977) schrieb der Regisseur wieder ein Drehbuch, was man dem Film offenbar deutlich anmerkt. Das Thema von "A.I.", ein verlorenes Individuum sucht nach seiner emotionalen Heimat, lässt sich auf frühere Werke Spielbergs, insbesondere auf "E.T." zurückführen. Auch wenn Jan Harlan Kubricks Ursprungskonzept im fertigen Film wiedererkennt, so sei doch "Stevens Handschrift in jeder Einstellung zu erkennen", sagte der Produzent dem britischen News-Kanal "BBC". Wie gesagt, ein garantierter Kassenschlager...

In Deutschland läuft "A.I." voraussichtlich am 13. September 2001 an.

Andreas Borcholte

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