Mena Suvari Ambitionierte Cheerleaderin
"Du bist nur so gut wie dein letzer Film." Wenn dieses Branchen-Motto zutrifft, dann ist Mena Suvari ziemlich gut. Ihr Part in "American Beauty", der brillanten Gesellschaftssatire von Regisseur Sam Mendes und Autor Alan Ball, ließ auch das amerikanische Kinopublikum aufhorchen. Als selbstbewusste Cheerleader-Schlampe, die Kevin Spacey aus seinem sexuellen Midlife-Koma aufweckt, erlangte sie beinahe Kultbildstatus. Vielleicht erhält die Tagtraumszene, in der Rosenblätter aus ihrem Sweater schweben, in der kollektiven Erinnerung ja sogar einen ähnlichen Platz wie Marilyn Monroe überm Lüftungsschacht.
Schon einmal war Suvari in diesem Jahr aufgefallen, als jungfräuliches Chormädel in der erfolgreichen Teenie-Klamotte "American Pie". Aber erst dank ihrer "Beauty"-Rolle wurde sie von Branchenbibel "Variety" auf die Liste der neun aufregendsten Newcomer gesetzt - mit Potenzial für eine Oscar-Nominierung. Von den sechs Golden-Globe-Nomininierungen, die "American Beauty" erntete, fiel allerdings keine für sie ab.
Die biografische Vorgeschichte der 21-Jährigen ist so nichtssagend wie bei den meisten Jungaktricen mit Star-Hoffnungen: Model-Jobs, ab 1993 kleinere Auftritte in Fernsehsehserien wie "Emergency Room". Vor drei Jahren drehte sie ihre ersten Kinofilme, "Nowhere" und "...denn zum Küssen sind sie da".
So gesehen stellt sich das bekannte Rätsel, warum ausgerechnet sie 1999 in der Hollywood-Hierarchie nach oben kletterte. Eine Frage der Persönlichkeit, wie sie von PR-Agenten und Fan-Postillen gerne herbeizitiert wird? Als ein Interviewer Suvari mit seinem Wissen konfrontierte, dass ihre Mutter Krankenschwester und ihr Vater Psychiater seien, entgegnete sie ohne jeden Funken Ironie: "Das ist so, als würden Sie mich schon kennen. Das macht ja echt Angst."
Oder ist es ihr schauspielerisches Talent? Suvari liebt es, bei den Dreharbeiten die Muster zu sehen: "Dann merke ich, dass ich diese ganzen Manierismen habe, die ich nicht mal kannte. Und ich sag mir: Wow. Ich wusste nicht mal, dass ich das gemacht habe." Bei so viel demonstrierter Naivität ist Mena Suvari aber klug genug, um Regisseur Mendes und Autor Ball zu rühmen, die ihr in "American Beauty" eine perfekte Rolle anboten.
Ob Mena Suvaris Mischung zwischen Arglosigkeit und Stereotypie sie vom Babe zur Beauty stilisieren wird, bleibt abzuwarten. Nur eine intelligente Rollenwahl kann ihr auf Dauer zum Startum verhelfen. Denn nicht mal ein Oscar für die beste Nebenrolle liefert die Garantie. Oder erinnert sich noch jemand an Marisa Tomei, die 1993 die Trophäe für "Mein Cousin Vinny" einheimste? Vorerst verlässt sich Mena Suvari noch auf die in "American Beauty" bewährte Rolle: In ihrem neuesten Film, der Komödie "Sugar and Spice", spielt sie eine toughe Cheerleaderin.