"Mission: Impossible III": Manns-Bilder reloaded - DER SPIEGEL
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"Mission: Impossible III" Manns-Bilder reloaded

Wenn Tom Cruise auf Sofas herumhüpft, ist das peinlich. Wenn er sich von Wolkenkratzern stürzt, ist das atemberaubend. Das und noch einiges mehr tut er in "Mission: Impossible III", J.J. Abrams' Action-Blockbuster mit von-der-Leyen-Garantie.
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Irgendwann, wenn Ausdauer, Konsequenz und Ruhm einen Darsteller derart mit einem bestimmen Image imprägnieren, dass er jenseits der Leinwand kaum mehr vorstellbar ist, dann wird aus dem Star ein Superstar, ein Phantasma der Populärkultur. Tom Cruise ist so ein Emblem des Massenmediums Kino: Unbeirrt von den Moden des Zeitgeists verkörpert er den Typus disziplinierter Männlichkeit wie kaum ein anderer Schauspieler seiner Generation.



Es war also nur folgerichtig, dass TV-Macher J.J. Abrams ("Alias", "Lost"), als er zum ersten Treffen mit seinem Idol geladen wurde, im Gespräch innehielt und sagte: "Ist es nicht verrückt, dass Sie Tom Cruise sind?" In das Entzücken, von Hollywoods einflussreichstem Star erwählt zu sein, mischte sich womöglich die Einsicht, dass Fiktionen oft mächtiger sind als die Realität. Und vielleicht staunte der Darsteller ja selbst, dass es zum Kinomythos Cruise eine triviale empirische Entsprechung gibt.

Dieses Zusammenspiel von Verdichtung und Verflüchtigung wird in "Mission Impossible: 3" augenfällig. Da verwandelt sich der von Cruise gespielte Top-Agent Ethan Hunt in den von Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman gespielten Superschurken Owen Davian. Das Ganze hat den grotesken Charme des "Face Off"-Szenarios, bei dem John Travolta und Nicolas Cage die Rollen tauschten. Hier jedoch verleibt sich auf Bildebene der mächtigste, von der Academy jedoch nach wie vor ignorierte Schauspielschwerstarbeiter das große Wunderkind des aktuellen Hollywood-Kinos ein. "Top Gun" Cruise ist "Capote" Seymour Hoffman: Weiter kann man seinen medialen Einfluss kaum ausdehnen.

Die Handlung kontrastiert solche motivischen Finessen mit einfältiger Routine: Wie in den Vorgänger-Filmen wird ein terroristischer Schurke gejagt; atemberaubende Stunts und wechselnde Locations setzen sich zur Leistungsschau globaler Aktivität zusammen, an deren Ende Glück und Liebe warten. Konsequent wird selbst auf die Andeutung politischer Zusammenhänge verzichtet; das Objekt der Begierde, das Verbrecher und Agenten verbindet, ist ein Hitchcock'scher McGuffin, eine Sache, die alle haben wollen, und von der selbst im Finale niemand erfährt, was sich hinter ihr verbirgt.

Auch hier also vor allem Zeichen, in deren Spiel sich die Wirklichkeit verflüchtigt. Semantische Interessen müssen anderswo befriedigt werden; es zählt die Lust am Formalen: Helikopterjagden zwischen Windrädern, detonierende Autos und immer wieder Tom Cruise, von Wolkenkratzern springend, durch Gassen, über Brücken hastend, eine rennende Lola des Blockbuster-Kinos und damit Chiffre für das Action-Genre selbst.

Wollte man eine ideologische Tönung in diesem Film ausmachen, so müsste man sich paradoxerweise an die Zerstreuungen der Medienfigur Tom Cruise halten, wie sie in den letzten Monaten in Gazetten und im Fernsehen vonstatten ging. Der Star tauchte in Talkshows auf, hüpfte auf Sofas herum und schwärmte von seiner Jahrhundertliebe zu Katie Holmes; sorgte als angehender Vater mit dubiosen Ansichten für Entrüstung und lieferte sich mit Schauspielkollegin Brooke Shields einen Zickenkrieg um Kindererziehung.

In "Mission: Impossible 3" spiegelt sich diese überbordende Inszenierung von Familiensinn im Auftrag des Helden, seine Ehefrau (Michelle Monaghan) aus den Fängen der Gangster zu befreien. Viel Zeit lassen sich Cruise, der auch diesmal als Produzent das letzte Wort hatte, und seine Helfer, den Helden als Romantiker zu zeigen. Die große Eingangssequenz - eine Party, bei der stolz Verlobungen und Schwangerschaften verkündet werden - fungiert als nostalgisches Tableau im von-der-Leyen-Stil.

So schließen sich Leinwand-Imago und öffentliche Selbstdarstellung, bereichert um das Motiv der Familie, noch fester zusammen. Abrams' Film mag dramaturgisch dem simplen Konzept der Thriller-Serie "Alias" folgen (Meeting, Briefing, Shooting), als Text erzählt er jedoch eine raffinierte Geschichte. Sie handelt davon, wie aus dem Starfighter-Bubi ein Mann wurde, der auf der Leinwand noch die entlegensten Bereiche des Lebens zusammenzwingt: Liebe und Gewalt, Familie und Abenteuer, Gehorsam und Souveränität. Ist es verrückt, dass ausgerechnet Tom Cruise dieses Projekt verkörpert? Mitnichten, er ließ Hollywood keine andere Wahl.