"Mr. Deeds": Kleiner Mann ganz klein - DER SPIEGEL
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"Mr. Deeds" Kleiner Mann ganz klein

Kleinstadtheld im Großstadtdschungel: Das moderne Remake des Satire-Klassikers "Mr. Deeds Goes To Town" mit Adam Sandler geriet zur dubiosen und reichlich humorlosen Moralposse. Kein Wunder, in Hollywood will man wieder Werte vermitteln.
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Postmoderne. Anything goes. Keiner meint mehr, was er sagt. Alles irgendwie mit Augenzwinkern, ironisch eben. Privatheit wird als Container-Show verramscht, Nationalgefühl und Identität verscherbelt man ans Projekt Globalisierung. Ganz klar: Es muss etwas passieren, und deshalb rücken in Hollywood jetzt wieder die Moralstrategen ein. Ob im Kriegsdrama gerecht gemordet oder im Melodram fundamental gelitten wird: Das gegenwärtige US-Kino zieht wie schon lange nicht mehr wacker zu Felde gegen die Ambivalenzen unseres Daseins.

Eine Adaption des Hollywood-Klassikers "Mr. Deeds Goes To Town" ist da nur konsequent. Die Komödie von 1936 präsentiert den Kleinstadt-Jedermann als Helden im Großstadtdschungel. Gary Cooper gab damals den Durchschnittsmenschen mit überragender Moral, der eher harmlose Komödiant Adam Sandler ("Big Daddy") schien zunächst ideal, ihn für die Gegenwart noch einmal zu verkörpern.

Doch wo Frank Capras Film den naiven Optimismus und Patriotismus seines Helden mit einem Gespür für soziale und wirtschaftliche Ängste ausbalancierte, verrührt das von Steven Brill inszenierte Remake Sentimentalität und tumbe Gags zu einer dubiosen Gesellschaftskritik.

Die Geschichte folgt im Wesentlichen der Vorlage. Deeds ist der nette Typ von nebenan; ein Landei, dem ein Onkel ein 40-Milliarden-Dollar-Unternehmen hinterlässt. Um sein Erbe anzutreten, muss er in die große Stadt, in diesem Fall New York, wo er gleich von einem ganzen Ensemble korrupter Gestalten erwartet wird: dem Firmenchef (Peter Gallagher), der Deeds schnell wieder loswerden will, um sich selber zu bereichern; dem TV-Produzenten (Jared Harris), der in Deeds ein gefundenes Fressen für eine Story erkennt, und der Klatschreporterin (Winona Ryder), die Deeds becircen soll, um ihn dann der medialen Verwertung auszuliefern.

Natürlich verliebt sich das Girl in den Helden, und auch wenn Deeds am Ende, vom Verrat der Schönen tief getroffen, ins heimische New Hampshire zurückkehrt, gibt es doch ein Happy End, bei dem Mut und Moral den Mammon überwinden. Das Unternehmen fällt schließlich nicht an den fiesen Banker, sondern an Emilio (John Turturro), den spanischen Lakaien, der bereits Deeds' Onkel mit überragender Servilität verwöhnte.

Man könnte darin ein Plädoyer für die wirtschaftliche Überwindung von Klassen- und Rassengrenzen sehen - schließlich legt der Film als Ganzes eine Kritik am Kapitalismus nahe. Dessen moralischen und kulturellen Verfehlungen steht die Aufrichtigkeit des schlichten Gemüts entgegen. Es ist der perfekte Ausdruck eines gut verkäuflichen und in alle Genres übersetzbaren Kulturpessimismus und wehrt sich gegen die Verkommenheit des urbanen Bewusstseins.

Dass ausgerechnet Adam Sandler, ein Hollywod-Millionär mit New Yorker College-Abschluss, zur Galionsfigur solcher Tendenzen wurde, ist dabei in sich schon ironisch. Regelrecht sarkastisch nimmt sich jedoch eine Szene aus, in der der Held eine Hilflose aus den Flammen rettet, dies aber nur dazu dient, ein Product Placement geschickt einzufädeln. Solche, sagen wir vorsichtig, "Inkonsistenzen" lassen sich nur ertragen, wenn man nicht allzu genau hinsieht. Und das geht bekanntlich am besten mit einem Augenzwinkern.

"Mr. Deeds". USA 2002. Regie: Steven Brill; Buch: Tim Herlihy; Darsteller: Adam Sandler, Winona Ryder, John Turturro, Steve Buscemi. Peter Gallagher, Jared Harris; Produktion: Columbia Pictures, New Line Cinema; Verleih: Columbia Tristar; Länge: 91 Minuten; Start: 15. August 2002.