"Mr. & Mrs. Smith": Lustloses Schmidteinander - DER SPIEGEL
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"Mr. & Mrs. Smith" Lustloses Schmidteinander

Zwei Hollywood-Superstars, flotte Sprüche und jede Menge Action: Mit "Mr. & Mrs. Smith" versuchte Regisseur Doug Liman die Screwball-Komödie auf Blockbuster-Niveau zu trimmen. Doch der Ehekrieg zweier Auftragskiller ist weder spannend noch sexy. In Gefahr ist nur der Zuschauer: sich zu langweilen.
Von Sven von Reden
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Verbissen kämpft Cary Grant nach der Scheidung um das Sorgerecht für Mr. Smith - vergeblich, er bekommt nur Besuchsrecht, der Hund geht an seine Frau. Leo McCareys "Die schreckliche Wahrheit" aus dem Jahr 1937 ist ein Klassiker der Screwball Comedy, einem Genre, das in den dreißiger und vierziger Jahren seinen Höhepunkt erlebte, aber mit seinem schnellen Rhythmus, schlagfertigen Frauen und mondänen Ambiente immer noch modern wirkt. Alfred Hitchcock versuchte sich 1941 mit "Mr. und Mrs. Smith" wenig erfolgreich an solch einer Komödie, die ebenfalls die Geschichte eines Paares erzählt, das sich nach der Trennung in einen Privatkrieg stürzt.

Doug Limans "Mr. & Mrs. Smith" ist kein Hitchcock-Remake, aber hinter dem ganzen Blockbuster-Brimborium - den Action-Exzessen, den Computereffekten und überdrehten Hauptdarstellern - steckt ebenfalls die Idee einer Screwball-Komödie "about Schmidt".

"Mr. & Mrs. Smith" beginnt bei der Eheberatung: John (Brad Pitt) und Jane (Angelina Jolie) sitzen unbehaglich in schweren Sesseln und antworten auf Fragen, die vom Therapeuten aus dem Off kommen: "Wie oft haben sie Sex in der Woche?" Antwort John Smith: "Ich verstehe die Frage nicht. Können Sie sie noch mal anders formulieren?" Selbst auf die Frage, wie lange sie denn schon zusammen seien, lässt sich keine klare Antwort finden - waren es nun fünf oder sechs Jahre?

Kennen gelernt haben sie sich jedenfalls in einem Hotel in Bogotá, wie eine Rückblende verrät. Während in der Lobby die Polizei nach verdächtigen Ausländern sucht, verbringen sie eine aufregende Liebesnacht. Nach der Hochzeit kehrt jedoch schnell der Alltag ein: John und Jane leben in einer großzügigen Villa, fahren schicke Autos, aber zwischen Edelstahlküche und Designerbett scheint alle Leidenschaft erstickt. Der Zuschauer weiß allerdings, dass die bürgerliche Fassade trügt: John und Jane arbeiten als Profikiller - ohne voneinander zu wissen. Erst als sie auf dieselbe Person angesetzt werden, erkennen sie, dass sie jahrelang das gleiche Doppelleben geführt haben. Und plötzlich steht die Berufsehre gegen das neu erwachte Interesse am wahren Wesen des Partners.

Als "Comedies of Remarriage", Komödien der erneuten Heirat, bezeichnet Harvard-Professor Stanley Cavell in seinem Buch "Pursuit of Happiness" eine Gruppe der Screwball-Filme, in denen sich Paare auseinanderleben, aber letztlich wieder zusammenfinden, nachdem sie eine neue Seite ihres Partners kennen gelernt haben. Es ist gut möglich, dass Simon Kinberg während seines Studiums über das Buch gestolpert ist. Der Autor von "Mr. & Mrs. Smith" verfasste die erste Fassung seines Scripts als Abschlussarbeit an der Filmschule der renommierten Columbia-Universität.

Tatsächlich wirkt seine Geschichte wie die fixe Idee eines karrierebewussten Studenten: Was wäre, wenn man das moderne Ambiente, die exzentrischen Figuren und das dramaturgische Gerüst der Wiederverheiratungsfarcen übernimmt, aber die rhetorische Verve durch Action in Hongkong-Manier ersetzt und so das Ganze auf Blockbuster-Niveau hochfrisiert?

Ökonomisch mag das vernünftig sein - ohne die heiß umkämpfte Gruppe der 13- bis 21-Jährigen wird kein Film zum Kassenrenner -, aber ansonsten macht es wenig Sinn. Welcher Teenager, der sich an den halsbrecherischen Verfolgungsjagden und pryrotechnischen Meisterleistungen erfreut, wird die Mühen einer langjährigen Partnerschaft nachvollziehen können? Und welcher Erwachsene wird sich von einem Ehedrama emotional gepackt fühlen, das von comichaften Actionsequenzen zerstückelt wird?

Regisseur Doug Liman und seine beiden Hauptdarsteller hatten keine leichte Aufgabe, diese Ingredenzien zu einem halbwegs sinnvollen Ganzen zusammenzufügen. Die Einzelteile sind auch nicht das Problem von "Mr. & Mrs. Smith": Bei den aufwändigen Actionchoreografien beeindruckt der ehemalige Independent-Regisseur Liman ("Swingers", "Die Bourne-Identität") mit großer Konsistenz - keine Selbstverständlichkeit wie man gerade bei "Batman Begins" von seinem Kollegen Christopher Nolan sehen konnte. Und Pitt und Jolie haben genügend Präsenz, sich auch gegen das größte Tohuwabohu um sie herum durchzusetzen. Zerknirscht, zweifelnd und unsicher auf der Couch des Eheberaters machen sie ebenfalls eine gute Figur.

Aber in den restlichen Szenen gelingt es weder Regisseur noch Darstellern, eine überzeugende Chemie zwischen den Hauptfiguren zu schaffen. In einer Schlüsselszene etwa soll ein Tangotanz von Jolie und Pitt die Spannung zwischen den Ehepartnern auf den Punkt bringen, doch das ganze wirkt nur wie das aufgeplusterte Tête-à-tête überambitionierter Hobbytänzer - da knistert nichts. Dass es zwischen den Superstars während der Dreharbeiten gefunkt haben soll, wirkt wie ein PR-Coup, der gerade die Schwäche des Films überdecken soll.

Da hatte Liman zwei der attraktivsten Schauspieler Hollywoods zur Verfügung und heraus kommt ein Film, der so züchtig ist wie ein Bauhaus-Stuhl. Während in den Screwball Comedys der Sex durch ausschweifende Wortgefechte ersetzt wurde, zeigt "Mr. & Mrs. Smith" statt von Lust erhitzten Körpern überbordende Action. Als Fortschritt kann man das nicht bezeichnen.


"Mr. & Mrs. Smith"

USA 2005. Regie: Doug Liman. Buch: Simon Kinberg. Darsteller: Brad Pitt, Angelina Jolie, Adam Brody, Kerry Washington, William Fichtner. Produktion: New Regency Pictures, Summit Entertainment, Weed Road Pictures, Regency Enterprises. Verleih: Kinowelt. Länge: 120 Minuten. Start: 21. April 2005.