Neue DVDs im April Kleine Fische, große Helden
POP & JAZZ
Thin Lizzy: "At Rockpalast"
(Mawa)
Vor langer Zeit, vor MTV, Viva & Co. also, war der WDR-Rockpalast die Galashow im deutschen Fernsehen. Daran erinnert nun eine DVD-Reihe mit einigen der spektakulärsten Auftritte dort. Konzerte von Rory Gallagher, Southside Johnny oder Thin Lizzy. Das letztgenannte Trio aus Irland spielte so leidenschaftlich, als ob es geahnt hätte, dass es einer seiner letzten Auftritte sein sollte.
Tenacious D: "The Complete Masterworks"
(Sony)
Das bizarre Duo aus dem Hollywood-Star Jack Black ("School of Rock") und Kyle Gass zelebriert die Kunst der derben Späße. Die Werkschau enthält ein Konzert, in dem die beiden Heulhits von Queen und Konsorten zerlegen. Dazu gibt's ihre gesammelten TV-Sketche, in denen es meistens um Sperma, LSD und, tja, Sperma geht. Ein Höllenspaß für Pubertierende jeden Alters.
Dave Gahan: "Live Monsters"
(Mute)
Der Depeche-Mode-Sänger wollte im vergangenen Jahr mit einem Solo-Album und einer Tour endlich zeigen, dass er auch ohne die Kollegen bestehen kann. Diese DVD ist in Paris mitgeschnitten, wo der Künstler seine Entertainer-Qualitäten bewies. Damit, dass die Fans bei seinen alten Hits deutlich lauter jubeln, muss er trotzdem leben. Bonus: ein Kurzfilm und ein Radioauftritt.
Jools Holland: "Later Party"
(Warner)
Der Mann am Klavier ist in England eine Institution. In seiner TV-Show drängen sich die Prominenten, um mit ihm und seinem Orchester aufzutreten. Auf dieser schönen Zusammenstellung geben sich Größen wie Ray Davies, Tom Jones, Bryan Ferry oder Marc Almond die Ehre. Die Resultate gehen zum Glück nur äußerst selten ins arg Karnevalistische.
CHRISTOPH DALLACH
FILM
Verschwende deine Jugend
(Constantin)
Benjamin Quabecks Verbeugung vor der Neuen Deutschen Welle, den Achtzigern und einem Jugendgefühl, das längst historisch ist. Neben einem Blick hinter die Kulissen bietet die DVD einen Audio-Kommentar von Quabeck und seinem Kameramann David Schultz, in dem die beiden zeigen, wie stolz sie darauf sind, einen Clip der Band Deutsch-Amerikanische Freundschaft täuschend echt nachgedreht zu haben.
Zeuge einer Verschwörung
(Paramount)
Das unterschätzte Mittelstück aus Alan J. Pakulas Verschwörungs-Trilogie, entstanden 1974, zwischen "Klute" und "Die Unbestechlichen": Warren Beatty spielt einen Reporter, der herausfinden will, wer hinter dem Mord an einem Politiker steckt, und stößt auf die mysteriöse Parallax Corporation, die mit Verschwörung en gros und en détail zu tun hat. Ein sehr schön gealterter Siebziger-Jahre-Klassiker, die faszinierende Optik stammt von Gordon Willis. Keine Extras.
Findet Nemo
(Buena Vista)
Mit diesem fulminanten Unterwasser-Abenteuer um den Clownfisch Marlin, der seinen von Tauchern gefangen genommenen Sohn sucht und ihn in einem Aquarium in Sydney findet, haben die Pixar-Studios dem großen Bruder von Disney vorgeführt, wie die Zukunft des Animationsfilms aussieht. Die reichhaltigen Extras überzeugen mit demselben Charme: Interviews der animierten Hauptdarsteller, ein Making-of, ein Charade-Spiel. Sehr schwungvoll.
40 Jahre Bundesliga
(Kinowelt)
Die Welt als Angriff und Verteidigung, erzählt in 29 Kapiteln und 1000 Toren, von den schwarz-weißen Anfängen bis zur Gegenwart. Auf den vier DVDs dieser Sonderedition ist zu bestaunen, wie nah der Fußball an der großen Oper ist - und am Komödianten-Stadl. Bestechungsskandal, der Gladbacher Pfostenbruch, die Frisuren der Achtziger und das Auf- und Untertauchen längst vergessener Größen - eine Box für Nostalgiker. Als Bonus singt Extrabreit "Er macht ihn rein", was wirklich nicht nötig getan hätte.