Oscar-Show Keine Quote ohne Blockbuster
Los Angeles - Die Oscar-Quoten sinken beständig: Nach Angaben des US-Senders ABC haben lediglich 38,8 Millionen Menschen am Sonntagabend die 78. Preisverleihung der Academy Awards gesehen. Das sind noch einmal rund acht Prozent weniger als im Vorjahr. Damals wollten immerhin noch 42,1 Millionen Zuschauer die Oscar-Gewinner bestaunen. Endgültig vorbei sind offenbar die Zeiten, als die feierliche Zeremonie noch deutlich über 50 Millionen Menschen in ihren Bann zog.
Die Veranstalter erklärten den Quotenschwund mit der in diesem Jahr offenkundigen Hinwendung zum Autorenfilm. Independent Produktionen wie der Siegerfilm "L.A. Crash" oder das Homosexuellen-Drama "Brokeback Mountain" würden auf deutlich weniger Zuschauerinteresse stoßen als Kassenmagneten wie "Titanic". Den Siegeszug des Katastrophenfilms wollten 1998 noch 55,2 Zuschauer live mitverfolgen. Ihren Quoten-Tiefpunkt erreichte die Oscar-Gala allerdings vor drei Jahren zu Beginn des Irak-Krieges, als nur 33 Millionen Zuschauer die Hollywood-Gala einschalteten.
Geteilte Meinungen gab es in der US-Presse über die Leistung des erstmaligen Oscar-Gastgeber Jon Stewart. Für die "Washington Post" war die Moderation des sonst so scharfzüngigen Satirikers ("The Daily Show") nur ein "müder Abklatsch einstiger großer Gastgeber". Es sei eine Show "ohne großen Unterhaltungswert" gewesen, "selbstgefällig und humorlos moderiert von Jon Stewart". Der US-Sender MSNBC verglich den Auftritt Stewarts mit der einst verpatzten Oscarmoderation von Talklegende David Letterman.
Die "Los Angeles Times" hingegen äußerte sich positiv über den Komiker. Er habe in seiner Moderation "die richtige Balance gefunden". Stewart könne die Gala ruhig "dauerhaft übernehmen". Auch Kino-Kritiker Robert Ebert von der "Chicago Tribune" fand den 43-Jährigen "intelligent und lustig".
Der Moderator selbst reagierte auf die Schelte mit einer gewohnt spitzen Bemerkung. Er verspüre "mehr Aufregung" vor seiner eigenen TV-Show. Dort würde er nämlich vor einem Publikum auftrete, welches sich wenigstens ernsthaft um Eintrittskarten bemüht hätte.
jdl/dpa/reuters