Oscars 2014: Die Sieger und Verlierer - DER SPIEGEL
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Die schnelle Analyse Was hat sich Hollywood dabei gedacht?

"Gravity" holt sieben Oscars, "12 Years a Slave" ist zum "Besten Film" gekürt worden: In unserer Schnellanalyse erfahren Sie, welche Filmemacher von Hollywood belohnt oder ignoriert wurden - und auch, ob Sie zum Nachsitzen noch mal ins Kino müssen.
Die schnelle Analyse: Was hat sich Hollywood dabei gedacht?
Die schnelle Analyse: Was hat sich Hollywood dabei gedacht?

Die schnelle Analyse: Was hat sich Hollywood dabei gedacht?

Foto: Warner Bros.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer sind die großen Gewinner dieser Nacht?

Definitiv Brad Pitt, Steve McQueen und ihr Produktionsteam hinter dem Gewinnerfilm "12 Years a Slave". Die aus Kenia stammende Newcomerin Lupita Nyong'o setzte sich gegen Hollywood-Darling Jennifer Lawrence in der Nebendarstellerinnen-Kategorie durch, Drehbuchautor John Ridley holte den Oscar in der Kategorie "Bestes adaptiertes Skript".

Insgesamt ist dies auch ein Triumph für die zahlreichen schwarzen Filmschaffenden und eine späte, aber hochverdiente Anerkennung für die berührenden Memoiren des realen Solomon Northup; jenes Mannes, der tatsächlich verschleppt und zwölf Jahre lang in Sklaverei gehalten wurde.

Nyong'o, Ridley und Regisseur Steve McQueen hielten zudem die bewegendsten Dankesreden des Abends. Man merkte ihnen an, wie wichtig ihnen die Geschichte ist, die sie in ihrem Film erzählen und wie sehr sie selbst davon berührt sind.

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Zu den Gewinnern zählen außerdem Alfonso Cuarón mit seinem Weltraum-Drama "Gravity", das nicht nur ein überraschender Box-Office-Hit war, sondern nun sogar die meisten, sieben, Oscars gewann, darunter der Regie-Preis für Cuarón. Und auch Matthew McConaughey und Jared Leto haben ihre Oscars für ihre beeindruckenden Darstellungen im Aids-Drama "Dallas Buyers Club" mehr als verdient. Und, zu guter Letzt, Gastgeberin Ellen DeGeneres, die bewiesen hat, dass die gute alte Oscar-Show den hypermodernen Twitter-Dienst lahmlegen kann. Respekt!

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Oscars 2014: Die wichtigsten Preisträger

Foto: Warner Bros.

Und wer die Verlierer?

Zehn Nominierungen, klare Favoritenrolle - und dann kein einziger Oscar? David O. Russells stylishe Gaunerfarce "American Hustle" ist eindeutig der größte Verlierer des Abends. Aber auch die experimentell-radikale Dokumentation "The Act of Killing" hätte den Oscar verdient, hier haben sich die Oscar-Voter für die redliche und berührende, aber eher klassische Musiker-Doku "20 Feet From Stardom" entschieden. Zu den Verlierern zählt auch Kameramann Bruno Delbonnel, dessen Arbeit am Coen-Film "Inside Llewyn Davis" alles überragte, sogar die letztlich prämierte Cinematografie von "Gravity". Verloren hat auch Produzenten-Mogul Harvey Weinstein, der mit wenigen Filmen in die Nominierungsrunde startete, und weder für "Philomena" noch für "Mandela" einen Oscar holen konnte. Und dann natürlich Martin Scorsese: Nix für "The Wolf of Wall Street"!

Geht die Gesamtverteilung der Goldies in Ordnung?

Im Prinzip schon. Sieben Oscars für "Gravity", das bildet schließlich auch den Publikumsgeschmack ab, denn Cuaróns Film gehört mit rund 700 Millionen Dollar Umsatz zu den erfolgreichsten Blockbustern des letzten Jahres, eine Kategorie, die bei den Oscars eher selten reüssiert. Drei Preise für "Dallas Buyers Club" und drei für "12 Years A Slave", darunter der Hauptgewinn; mit diesen Entscheidungen würdigt die Academy die beiden engagiertesten Filme der vergangenen Saison. Einen Trostpreis hätte man David O. Russell und seinem "American Hustle"-Ensemble, allen voran Amy Adams, Jennifer Lawrence und Christian Bale, dennoch mehr als gegönnt.

Im Goldrausch

Jetzt mal Hand aufs Herz - welche Filme dieses Oscar-Jahrgangs muss ich wirklich gesehen haben, damit ich bei der nächsten Party nicht als Depp dastehe?

Also, wir wissen natürlich nicht, auf welche Partys Sie so gehen, aber wir empfehlen dringend folgende Filme, sozusagen als kulturelles Grundrüstzeug:"12 Years A Slave" von McQueen; eine so gut wie nie ins Pathetische abrutschende Abrechnung mit der US-amerikanischen Sklaverei.

Das großartige Aids-Drama "Dallas Buyers Club" von Jean-Marc Vallée mit den zwei brillianten, jeweils zu Recht mit Oscars ausgezeichneten Darstellern Leto und McConaughey sollten Sie ebenfalls gesehen haben, und, nein, das ist kein Film nur für Filmkritiker und andere Berufsdepressive, sondern besticht auch mit sehr unterhaltsamen, ja sogar lebensfrohen Elementen.

Und anschauen müssen Sie sich auch - allerdings nur im Kino oder auf einem Fernseher, der mindestens so groß sein muss wie ein Mittelklassewagen in Verbindung mit einer Soundanlage, die mindestens so groß sein muss wie ein Kleinwagen - "Gravity".

Und auf welche kann ich verzichten?

"Captain Philipps" ist ein präzise und effektvoll inszenierter Actionkracher - aber das Werk von Regisseur Paul Greengrass überschreitet bisweilen die Grenze zum Werbefilm für die US-Elitetruppe Navy Seals, die am Ende den ach-so-bösen somalischen Piraten den Garaus machen. Muss also nicht unbedingt sein, ging leer aus, kann man sich nicht drüber beklagen.

"American Hustle" ist zwar wirklich eine sehr unterhaltsame Trickster-Komödie, wird zu fast gleichen Teilen getragen von den Mitgliedern eines prächtig aufgelegten Schauspielerensembles und ist dank der liebevollen Ausstattung zudem ein wahres Fest für mode-und stilbewusste Freunde der siebziger Jahre. Am Ende bleibt dann aber doch eher wenig zurück - eben kein absolutes Muss. Naja, und das Verlorene-Sohn-Drama "Philomena" ist dann doch ein Hauch zu sehr Ruhrstückchen für die Taschentuch- und Herzwärm-Fraktion.

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