Peter Greenaway "Das Kino ist tot"
London - Heutige Filme seien zynisch und regten die Phantasie nicht mehr an, sagte Greenaway der Zeitung "The Times" in einem am Freitag veröffentlichten Interview. "Das Kino ist tot", sagte der 59-Jährige. Jüngste Kinoerfolge wie "Der Herr der Ringe" und "Harry Potter" bezeichnete Greenaway als "zynische Übungen", um schnell Geld zu verdienen. Kinos sollten mehr als Anhängsel von Buchläden sein, sagte er. Die Kunstform Kino müsse sich "neu erfinden" und originäre Werke produzieren, die die Vorstellungskraft in Anspruch nehmen, sagte Greenaway.
Der exzentrische Kunstfilmer, der mit Filmen wie "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber", "Der Bauch des Architekten" und "Prosperos Bücher" bekannt wurde, zeigte sich allerdings auch etwas weltfremd: "In den frühen fünfziger und sechziger Jahren ist die ganze Familie jede Woche des Jahres ins Kino gegangen. Heute gerät man schon in Bedrängnis, jemanden zu finden, der einmal im Jahr geht", klagte er, offensichtlich unwissend, dass sich die globale Kinobranche im letzten Jahr über die wohl besten Zuschauerzahlen seit den frühen siebziger Jahren freute.
Besser machen als die bösen Hollywood-Studios will es der britische Eigenbrötler mit seinem neuen Projekt "The Tulse Luper Suitcases", einer Kinotrilogie aus jeweils 120-minütigen Filmen, die sich mit dem Leben des "professionellen Gefängnisinsassen" Tulse Luper befassen, dessen mutwillig, nur zum dem Zweck, wieder in den Knast zu gelangen begangenen Verbrechen alles zwischen Mord und Spionage beinhalten. Isabella Rossellini und Franka Potente haben als weibliche Hauptdarstellerinnen bereits zugesagt. Die Filmstarts sollen von zahlreichen Parallel-Veröffentlichungen begleitet werden. CD-Roms, DVDs, Bücher, TV-Sendungen und Websites sollen zusätzliche Aufmerksamkeit für die Story und ihre Charaktere generieren. Hat da gerade jemand Marketing-Feldzug gesagt?