Pierce Brosnan Wie sie 007 killten
Bei Anruf Mord: Pierce Brosnan, verdienter James-Bond-Darsteller und neben Sean Connery und Roger Moore der überzeugendste der 007-Mimen, wurde am Telefon erledigt. Seine Dienste als Meisterspiondarsteller seien nicht länger gefragt, beschied man dem Schauspieler knapp.
"Ein Telefonanruf, mehr nicht!", echauffierte sich der 52-jährige Star im amerikanischen Branchenblatt "Entertainment Weekly". Schneller kann man einen Agenten nicht exekutieren. Und einen Darsteller nicht übler überraschen, zumal Brosnan auf eine Fortsetzung seines Engagements als Bond gehofft hatte. Man habe ihm den Part noch einmal angeboten, dann aber die Verhandlungen abgebrochen.
Schon letztes Jahr war Brosnan mit der Hiobsbotschaft überrascht worden, allerdings habe man ihm dann noch einmal den Part des Agenten angeboten. "Bond zu verlieren hat mich wie verrückt verletzt, es war ein Schock, schmerzhaft und unerwartet", hatte der gebürtige Ire damals der "Sun" erklärt. "Es meiner Frau Kelly und Freunden zu sagen war eine Tortur."
Brosnan übernahm die Rolle von seinem Vorgänger Timothy Dalton ("Lizenz zum Töten", 1989) im Jahr 1995 mit "GoldenEye", es folgten "Der Morgen stirbt nie" (1997), "Die Welt ist nicht genug" (1999) und "Stirb an einem anderen Tag" (2002). Dabei gewann er dem Spionage-Casanova nicht nur humorige, sondern auch ernste Züge ab. In "Stirb an einem anderen Tag" gab er den einsamen und gebrochenen Helden, der im kommunistischen Nordkorea ein Jahr lang gefoltert wird.
Der gebürtige Ire, der letztes Jahr die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, um John Kerry im Wahlkampf zu unterstützen, war schon lange vor seinem Engagement ein Bond-Fan. "Goldfinger", verriet er der "New York Times", sei der erste Film gewesen, den er als Kind gesehen habe. Kein Wunder also, dass der Anruf ihn kräftig durchgerüttelt hat: Das endgültige Aus sei wie ein gigantischer Schlag gewesen, erklärte Brosnan der Nachrichtenagentur, fügte aber hinzu, er sei danach außerordentlich ruhig geworden.
"Ich dachte, ich kann jetzt machen was ich will. Ich bin ihnen (den Studiochefs; Anm. die Red.) nicht mehr verpflichtet, ich bin nicht mehr an ein vertraglich festgelegtes Image gebunden. Deshalb gab es ein Gefühl der Befreiung", so Brosnan.
Fragt sich nur, wer dem Image des elegantesten Schurkenjägers der Welt gerecht werden kann. Im Gespräch waren bereits viele: "Lara Croft"-Darsteller Daniel Craig, "Star Wars"-Held Ewan McGregor, sogar Popsänger Robbie Williams. Vielleicht sitzen sie ja schon am Telefon.