Reaktionen auf den Oscar: Das Lob der Anderen - DER SPIEGEL
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Reaktionen auf den Oscar Das Lob der Anderen

Die ersten Reaktionen zum oscarprämierten Stasi-Drama sind gemischt: Wolfgang Thierse, der Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks und die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen sind begeistert, nur ein Bürgerrechtler spricht von "kreativer Verharmlosung".
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Berlin - Der Vizepräsident des Bundestages, Wolfgang Thierse, sieht in dem Oscar für den deutschen Film "Das Leben der Anderen" eine Würdigung der Stasi-Opfer. Das Drama von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck bekam den weltweit wichtigsten Preis für Filmschaffende in der Kategorie bester fremdsprachiger Film. Das Werk erzählt, wie der Geheimdienst der DDR seine zerstörerische Wirkung im Privatleben der Bürger entfaltet.

Natürlich könne ein Film nicht leisten, was nur die Gesellschaft könne, nämlich ideelle, moralische und materielle Anerkennung, sagte Thierse im Deutschlandfunk. Aber dass dieser unangenehme Teil deutscher Geschichte, der "eher versteckt wird", durch den Film und den Preis Öffentlichkeit erhalte, werde "bei vielen Opfern ein leises Gefühl der Genugtuung erzeugen". Er wolle dies nicht überbewerten. "Aber ein bisschen, denke ich mir, passiert das schon."

Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, sieht in dem Oscar auch ein Zeichen dafür, "dass die Ära des Kommunismus kein geschichtliches Randthema ist". "Das Leben der Anderen" weise weit über die besondere Situation in der DDR hinaus, erklärte Birthler. "Die Frage danach, wie und warum Menschen zu Verrätern werden und andere sich selbst und ihren Mitmenschen treu bleiben, stellt sich zudem in allen Gesellschaften, die Diktaturen überwunden haben."

In Deutschland habe der Film der Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur neue, starke Impulse verliehen, so Birthler weiter. Die Geschichte sei zwar eine Fiktion, die in der Realität so nie habe stattfinden können. Wichtig sei aber, dass unzählige Menschen durch den Film verstanden hätten, welche katastrophalen Auswirkungen die SED-Diktatur auf das Leben in der DDR gehabt habe. "Das Anliegen des Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck, die subtile Unterwanderung des Alltags von Menschen durch das Regime und die Staatssicherheit als seinen verlängerten Arm zu zeigen, hat meine Behörde gern unterstützt."

Auch Bayern feiert Donnersmarck: "Ich gratuliere unserem 'ehemaligen Schüler' Florian Henckel von Donnersmarck und genauso den Darstellern, den Produzenten, der Redaktion und allen Beteiligten auf das Herzlichste zu diesem großartigen Erfolg", sagte Gerhard Fuchs, der Rektor der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF), in München.

Fuchs, der zugleich Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks ist, betonte: "Es ist eine unbeschreibliche Freude, dass diese Kino-Koproduktion des Bayerischen Rundfunks die Mitglieder der Oscar-Academy überzeugt hat, und dass das sehr deutsche Thema ausgerechnet in Amerika ein so starkes Interesse fand." Henckel von Donnersmarck seien mit seinem Film "eindringliche Einblicke in die DDR-Wirklichkeit" gelungen, fügte er hinzu.

Kritik, bei all dem Jubel, kam vor allem von dem früheren DDR-Bürgerrechtler Werner Schulz. "'Das Leben der Anderen' hat keinen Oscar verdient. Streng genommen auch keinen deutschen und europäischen Filmpreis", kritisierte Schulz auf "Welt Online". "Der gravierendste Fehler des Films besteht darin, dass es einen solchen Stasi-Offizier, der unter Lebensgefahr einen Dissidenten rettet, nicht gab und im System begründet liegt, warum es ihn nie geben konnte. Steven Spielberg wäre weltweit zerpflückt worden, hätte er sich Oskar Schindler und dessen Liste ausgedacht. Roman Polanski wäre es mit dem "Pianisten" ähnlich ergangen. Mit der DDR-Geschichte kann man offenbar losgelöst von historischer Authentizität frei und phantasievoll umgehen. Vermutlich ist dem Erfinder die kreative Verharmlosung gar nicht bewusst."

albi/Reuters/AFP/ddp