Robert de Niro wird 60: "Ich könnte einen Truthahn spielen" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Robert de Niro wird 60 "Ich könnte einen Truthahn spielen"

Robert de Niro gilt als der Verwandlungskünstler unter Hollywoods Helden. Seine Rollen in "Taxi Driver", "Der Pate II" und "Wie ein wilder Stier" machten ihn weltberühmt. Heute wird er 60 Jahre alt. Ein Portrait des Ausnahmetalents und die Bilder seiner vielen Erfolge.
Von Marc Hairapetian
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ich könnte sogar einen Truthahn oder eine Ampel spielen und wäre wahrscheinlich überzeugend", hat Robert de Niro einmal in einem seiner raren Interviews in einem Anfall von Größenwahn gesagt, um dann bescheidener fort zu fahren: "Viel schwerer ist es allerdings, scheinbar normale Menschen darzustellen, die in Grenzsituationen geraten und damit fertig werden müssen." Solch einen Menschen hat der amerikanische Ausnahmemime italienisch-irischer Herkunft am Zenit seiner Karriere verkörpert - in Michael Ciminos erschütternder Vietnamkriegs-Auseinandersetzung "Die durch die Hölle gehen" (1979): Der Film handelt vom Schicksal der drei Freunde Nick (Christopher Walken), Steven (John Savage) und Michael (Robert de Niro).

Ehe sie sich nach Vietnam einschiffen, gehen sie noch einmal als letzte große Demonstration ungetrübten Männerdaseins zusammen auf die Jagd. Ein Hirsch, getroffen durch Michaels Kugel, verendet qualvoll aufzuckend. Und plötzlich ist Vietnam ganz nah. Gleich in der nächsten Einstellung, ohne Übergang, ist es dann auch da - das absolute Inferno. Nick, Steven und Michael stecken in Bambuskäfigen, bis zum Hals in Dreckwasser, dort eingepfercht für ein irres, teuflisches Mordspiel.

"Showtime" (2002): Robert de Niro wird in der Cop-Komödie zum unfreiwillgen (Film-)Partner von Eddie Murphy

"Showtime" (2002): Robert de Niro wird in der Cop-Komödie zum unfreiwillgen (Film-)Partner von Eddie Murphy

Foto: AFP
Mafia-Geschichte: Robert de Niro und Marlon Brando in "The Score" (2001)

Mafia-Geschichte: Robert de Niro und Marlon Brando in "The Score" (2001)

Foto: DPA
Entscheidendes Match: In "The Fan" (1996) spielt Robert de Niro einen Baseball-Fanatiker, der seinen Lieblingsspieler Bobby Rayburn (Wesley Snipes) terrorisiert

Entscheidendes Match: In "The Fan" (1996) spielt Robert de Niro einen Baseball-Fanatiker, der seinen Lieblingsspieler Bobby Rayburn (Wesley Snipes) terrorisiert

Foto: SAT.1
"Reine Nervensache" (2002): Als Mafiaboss Paul Vitti bringt Robert de Niro seinen Psychater Billy Christal in arge Bedrängnis

"Reine Nervensache" (2002): Als Mafiaboss Paul Vitti bringt Robert de Niro seinen Psychater Billy Christal in arge Bedrängnis

Foto: DPA
Vatersorgen: Robert de Niro als pensionierter CIA-Agent Jack Byrnes in "Meine Braut, ihr Vater und ich" (2002)

Vatersorgen: Robert de Niro als pensionierter CIA-Agent Jack Byrnes in "Meine Braut, ihr Vater und ich" (2002)

Foto: DPA
Schlagabtausch: Robert de Niro und Cuba Gooding Jr. in "Men of Honor" (2000)

Schlagabtausch: Robert de Niro und Cuba Gooding Jr. in "Men of Honor" (2000)

Foto: DPA
"Der Liebe verfallen" (1984): Aus einer flüchtigen Begegnung zwischen Molly und Frank entwickelte sich eine leidenschaftliche Affäre - Robert de Niro und Meryl Streep als Gefangene ihrer Leidenschaft

"Der Liebe verfallen" (1984): Aus einer flüchtigen Begegnung zwischen Molly und Frank entwickelte sich eine leidenschaftliche Affäre - Robert de Niro und Meryl Streep als Gefangene ihrer Leidenschaft

Foto: Kabel 1
Rachlust: In "Cap der Angst" (1991) spielt Robert de Niro den Ex-Knacki Max Cody, der sich an seinem ehemaligen Verteidiger rächen will

Rachlust: In "Cap der Angst" (1991) spielt Robert de Niro den Ex-Knacki Max Cody, der sich an seinem ehemaligen Verteidiger rächen will

Foto: RTL
"Jackie Brown" (1997): In Quentin Tarantinos Thriller spielt Robert de Niro an der Seite von Samuel L. Jackson einen trottligen Ex-Häftling

"Jackie Brown" (1997): In Quentin Tarantinos Thriller spielt Robert de Niro an der Seite von Samuel L. Jackson einen trottligen Ex-Häftling

Foto: DPA
Russisches Roulette: Für seine Rolle als Michael in "Die durch die Hölle gehen" (1979)wurde Robert de Niro für den Oscar nominiert

Russisches Roulette: Für seine Rolle als Michael in "Die durch die Hölle gehen" (1979)wurde Robert de Niro für den Oscar nominiert

Foto: Kabel 1
"Hexenkessel" (1973): Robert de Niro gerät in einen handfesten Streit mit Harvey Keitel

"Hexenkessel" (1973): Robert de Niro gerät in einen handfesten Streit mit Harvey Keitel

Foto: ARTE
Gruselig: Robert de Niro in "Mary Shelley's Frankenstein" (1994)

Gruselig: Robert de Niro in "Mary Shelley's Frankenstein" (1994)

Foto: RTL
Göttlich: Die Soutane bewahrt Robert de Niro in "Wir sind keine Engel" (1989) davor, wieder ins Gefängnis zu wandern

Göttlich: Die Soutane bewahrt Robert de Niro in "Wir sind keine Engel" (1989) davor, wieder ins Gefängnis zu wandern

Foto: Kabel 1
Preisgekrönt: Für seine Rolle als Vito Corleone in "Der Pate II" (1974) bekam Robert de Niro einen Oscar

Preisgekrönt: Für seine Rolle als Vito Corleone in "Der Pate II" (1974) bekam Robert de Niro einen Oscar

Foto: Kabel 1
Historien-Epos: Robert de Niro spielt in "1900 - Gewalt, Liebe und Hoffnung" (1975) an der Seite von Gerard Depardieu und Donald Sutherland

Historien-Epos: Robert de Niro spielt in "1900 - Gewalt, Liebe und Hoffnung" (1975) an der Seite von Gerard Depardieu und Donald Sutherland

Foto: Kabel 1
Seine liebste Rolle: Robert de Niro in "The Misson" (1986)

Seine liebste Rolle: Robert de Niro in "The Misson" (1986)

Foto: AP
"15 Minuten Ruhm": Robert de Niro jagt zwei tschechische Kriminelle

"15 Minuten Ruhm": Robert de Niro jagt zwei tschechische Kriminelle

Foto: DPA
Medizin-Drama: In "Zeit des Erwachens" (1990) spielt Robert de Niro einen Patienten im Medikamenten-Test

Medizin-Drama: In "Zeit des Erwachens" (1990) spielt Robert de Niro einen Patienten im Medikamenten-Test

Foto: Kabel 1
"Ungeschlagen: Robert de Niro als Boxer Jake La Motta in "Wie ein wilder Stier" (1980)

"Ungeschlagen: Robert de Niro als Boxer Jake La Motta in "Wie ein wilder Stier" (1980)

Foto: AP
"Wag the dog" (1997): Robert de Niro als Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten

"Wag the dog" (1997): Robert de Niro als Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten

Foto: DPA


Klicken Sie auf ein Bild,um zur Großbildansicht zu gelangen.

Als Gefangene der Vietkong werden sie gezwungen, vor ihren Folterknechten russisches Roulette zu spielen. Michael, der als einziger den Kopf behält, berechnet, wann die scharfe Patrone an der Reihe ist und erschießt den Anführer der Feinde. Die drei Freunde fliehen, doch von da an, sind sie nur physische und psychische Wracks. Steven verliert ein Bein, Nick kommt vom Russischen Roulette nicht mehr los. Michael - hoch dekoriert wie verstört nach Hause zurückgekommen - wo er sich nicht mehr zurechtfindet, sucht bald darauf verzweifelt in Vietnam nach Nick. Er findet ihn, bringt ihn aber nur als Leiche heim. Denn der mit Drogen vollgepumpte Freund hat ihn nicht mehr erkannt, auch dann nicht, als Michael in einer Verzweiflungstat sich noch einmal - diesmal allerdings freiwillig - auf das tödliche Spiel einlässt. Nick erwischte die volle Kammer.

Skandal auf der Berlinale

Der Originaltitel von Ciminos schonungslosem Geniestreich lautet "The Deer Hunter". Er bezeichnet genau das, was in diesem Film Menschen durch Menschen angetan wird. Alle sind Jäger, alle sind Gejagte. Alle schauspielerischen Leistungen wirken beklemmend authentisch, werden aber dominiert von Robert de Niro, der Michael zuerst mit verhaltener Spannkraft, dann mit dunkler Bedrücktheit ausstattet. Es ist vielleicht seine vielseitigste Rolle, obwohl der gelernte Method-Actor sie bewusst aufs Wesentliche reduziert anlegt und somit auch bei emotionalen Ausbrüchen immer seine Würde behält.

Den Oscar als bester Hauptdarsteller erhielt zwar sein Kollege Christopher Walken, doch der dafür nominierte de Niro hätte ihn ebenso verdient gehabt, sicherlich mehr als für den Part in Martin Scorseses Boxerdrama "Wie ein wilder Stier" (1980), bei dem er in erster Linie durch äußerliche Verwandlungskunst bestach.

"Die durch die Hölle gehen" verursachte den größten Berlinale-Skandal nach Michael Verhoevens Vietnam-Film "o.k.", der wiederum 1971 zum vorzeitigen Abbruch der Festspiele führte. 1979 schien sich das zu wiederholen. Die sowjetische Delegation sah in den Russisch-Roulette-Szenen einen Verstoß wider das Berlinale-Reglement "zum besseren gegenseitigen Verstehen zwischen den Völkern" sowie eine Beleidigung des "heroischen vietnamesischen Volkes" und zog sämtliche Beiträge aus dem Programm. Es folgten geschlossen die anderen Staaten des Warschauer-Paktes. Die Festivalgeschichte wurde erst bei der 50. Berlinale im Jahr 2000 zurechtgerückt, als der längst als Klassiker geltende Film in einer Sondervorführung noch einmal gezeigt wurde.

Ganz ohne Eklat ging es auch nicht im neuen Jahrtausend: Weder Regisseur Cimino noch Robert de Niro, der einen Ehrenbären für sein Lebenswerk entgegennehmen sollte, kamen nach Berlin. Im letzteren Fall fast verständlich, denn vor Auszeichnungen kann sich der Hollywood-Star kaum retten: Zwei Oscars (für "Der Pate II" und "Wie ein wilder Stier"), dazu vier Nominierungen, Preise der New Yorker Filmkritiker, ein Golden Globe, Darstellerpreis und Goldener Löwe des Internationalen Filmfestivals von Venedig, Ehrendoktor, Ritter der französischen Ehrenlegion, Lifetime Achievement Award des American Film Institute - da kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Dies mag allerdings auch für die Rollenauswahl einer lebenden Schauspielerlegende, die ihre größte Zeit in den Siebzigern hatte, in den letzten Jahren gelten: Kein anderer Akteur seines Rangs hat so oft Nebenrollen akzeptiert, die wenig Gelegenheit zu Subtilitäten bieten, sondern durch Manierismen hervorstechen - wie sein Al Capone in "Die Unbestechlichen" (1987), sein Monster in "Mary Shelly's Frankenstein" (1994) oder als negative Krönung sein grimassierender, von oben bis unten tätowierter "bad guy" in Martin Scorseses "Cape Fear" (1991), bei dem man sich fragt, wie dieser Mann frei herumlaufen kann. Hier ist de Niro mit dem Method-Acting über das Ziel hinausgeschossenen - jener Schauspiel-Kultur, die in den fünfziger Jahren Mode war, jedoch bald persifliert wurde.

Unter Berufung auf Konstantin Stanislawski, der den Einfluss persönlicher Erlebnisse von Schauspielern auf deren Figurengestaltung förderte, ging dessen Admirant Lee Strassberg so weit, neurotische Akteure zu bevorzugen. Lediglich Marlon Brando besaß genügend Selbstironie, um das Method-Acting zu praktizieren und gleichzeitig zu parodieren.Robert de Niro nimmt die "Methode" manchmal zu ernst, doch hat er mit seinem unbestrittenen Charisma der cineastischen Welt einige unvergleichliche Sternstunden geschenkt.

Pfunde angefressen, Muskeln antrainiert

De Niro spielt seine Rollen nicht. Er ist die Figur, die er gerade verkörpert. Auf seine Filme bereitet er sich mit der Akribie vor. Für sein Frühwerk "Bloody Mama" (1969) hungerte sich er sich bei einer Größe von 1,75 Meter und einem Gewicht von 70 Kilo auf magere 55 Kilo runter. Und versetzte sich so überzeugend ins Innenleben eines Drogensüchtigen, dass Kollegen heute noch munkeln, er habe damals die Räusche und Kater am eigenen Leib ausprobiert. Für den "Paten II" (1974) mischte sich de Niro sechs Wochen lang unter Sizilianer, um sich ihre Gesten und ihren Dialekt anzueignen.

Für seine Titelfigur in "Taxi Driver" (1976) chauffierte er nächtelang Fahrgäste durch New York und schoss sich die Finger am Übungsstand wund, um die blutige Revolverorgie am Ende überzeugend darzustellen. Bevor er in "New York, New York" (1978) einen Musiker mimte, lernte er bei Jazzkoryphäe George Auld drei Monate lang Saxophon spielen. Als Vorbereitung seiner Rolle des ehemaligen Box-Weltmeisters Jake La Motta, begann er bei diesem höchstpersönlich eine Ausbildung - und boxte so gut, dass er zwei von drei organisierten Testkämpfen gewann und La Motta behauptete, de Niro gehöre zu den "zehn besten Mittelgewichtlern Amerikas".

"Das Schöne an meinem Beruf ist", sagt Robert de Niro, "dass man in das Leben eines anderen schlüpfen kann, ohne den Preis dafür zu zahlen." Understatement, wenn man bedenkt, dass der besessene Perfektionist, um den alternden La Motta darzustellen, sich binnen zwei Monaten mit französischen Entenpasteten 50 Pfund Fett anfutterte - nur, um hinterher per Nulldiät wieder er selbst zu werden. Vergleichsweise einfach hatte es de Niro bei Sergio Leones finalem Opus "Es war einmal in Amerika" (1984): Da führte er zuvor ausführliche Gespräche mit alten Mafiosi und lag in einem Grab Probe.

De Niros 1991 verstorbener Vater, Filius eines italienischen Seefahrers und einer Irin, lebte als Maler in New York. Seine Arbeiten hingen in den anspruchsvollsten Galerien der Stadt. Seine Mutter, Malerin und Verlegerin, ließ sich scheiden, als ihr Sohn zwei war. Beide Eltern kümmerten sich mehr um ihre künstlerische Karriere als um die Nestwärme des eigenen Kindes. "Robert war viel auf der Straße", sagen Freunde. "Er war kein Rebell, aber er lernte, sich durchzusetzen." Mit 16 ging de Niro ins weltberühmte "Actors Studio", wo er seinen Vorbildern Marlon Brando und James Dean nacheifern wollte. Bevor de Niro als 21-Jähriger in Marcel Carnés "Drei Zimmer in Manhatten" (1964) auf der Leinwand debütierte, stand er auf kleinen Off-Broadway-Bühnen.

Eine harte, aber lehrreiche Schule, die ihn prägen sollte. Der Multimillionär, dem als Teilhaber das TriBeCa-Filmcenter mit Bars, Büroräumen und Apartments in New York zur Hälfte gehört, spielte noch Mitte der achtziger Jahre eine Bühnenrolle als Drogenhändler - für umgerechnet 700 Euro die Woche.

Interviews mit Robert de Niro, der am 17. August 1943 in New York geboren wurde, sind so selten wie ein Sechser im Lotto. Im Gegensatz zu anderen Schauspieler-Kollegen versteckt sich der Vater von sechs Kindern, die er übrigens auf vier verschiedene Mütter verteilt hat ("Kinder sind alle Mühe und jede Anstrengung wert."), vollständig hinter seinen Rollen - "die sind viel interessanter als meine Person."

Wenn er sich allerdings auf ein Gespräch einlässt, wirkt er sehr aufgeräumt, spielt Filmszenen vor und grinst sein verschlagenes Grinsen, das schon diverse seiner von ihm interpretierten Film-Psychopathen mit unwiderstehlichen Charme ausstattete. Zu seinen wenigen wirklichen Freunden gehören Kollege Al Pacino und sein Lieblingsregisseur Martin Scorsese. Er lässt sich entlocken, dass er sich aussuchen darf, wer an seiner Seite in Filmen mitwirkt; dass er farbige Frauen meist attraktiver als weißhäutige findet, was ihm den Spitznamen "coal miner" einbrachte; dass er gern unerkannt reist - und vor lauter Schüchternheit "sofort das Weite sucht", wenn ihn Menschen irgendwo erkennen. Er ist eben jemand, der beides bis zur Neige auskosten will: seine Rollen und sein Privatleben.

Call-Girl-Affäre: "Kein Kommentar"

Angesprochen auf seine Verwicklung in eine Call-Girl-Affäre, während derer Ermittlungen er kurzzeitig im Februar 1998 in Paris festgenommen wurde, verschwindet das berühmte Grinsen aus seinem Gesicht. "Kein Kommentar", heißt es lapidar - lieber will er über das Wesen der Schauspielkunst sprechen. Als cineastische Anekdote gibt er zum Besten, dass Robin Williams ihm versehentlich bei den Dreharbeiten zu "Zeit des Erwachens" die Nase gebrochen hätte: "Das war zwar schmerzhaft, aber praktisch. Denn ich hatte meine Nase schon mal gebrochen, und sie war schief zusammengewachsen. Jetzt ist sie wieder gerade" - und schon lächelt er wieder.

Als seine gelungenste Rolle bezeichnet er selbst den eifersüchtigen Brudermörder aus Roland Joffés Abrechnung mit den Ränkespielen zwischen Vatikan und den spanisch-portugiesischen Kolonialreichen, "Mission" (1986). Aus Reue und um Buße zu tun, geht er zu den Jesuiten im südamerikanischen Regenwald. In ekstatischer Selbstkasteiung schleppt der arme Sünder aus dem 18. Jahrhundert seine zentnerschwere Rüstung aus Leder und Eisen in einem Sack über die Klippen am Rande eines Wasserfalls zu einer hoch gelegenen Indianersiedlung.

Er stolpert im Schlick, fällt, rutscht glitschige Hänge hinunter. Aber er gibt nicht auf, schleppt sein nutzloses Bündel, als müsse er alle Sünden dieser Welt abbüßen. Und als er schließlich am Ziel ist und erschöpft niedersinkt, tritt ein Indio hervor, kappt den Strick und schubst den Sack in die Tiefe. Eine Szene von ergreifender Tragikomik. De Niro spielt sie, wie sie nur de Niro spielen kann: Er lacht, er weint, abwechselnd und gleichzeitig.

"Robert de Niro is waiting" hieß vor fast 20 Jahren ein Sommerhit des weiblichen Pop-Trios Bananarama. Die weltweite Verehrerschar des begnadeten Schauspielers wartet nach schwächeren, jüngeren Produktionen wie "The Fan" (1996), "Makellos" (1999), "Men of Honor" (2000) und "Showtime" (2002) ebenfalls wieder auf eine große Rolle jenseits aller Effekthascherei wie in "Die durch die Hölle gehen" oder "Mission". Bis dahin kann man sich die Zeit des Wartens mit dem wiederholten Ansehen seiner älteren Filme vertreiben.