"Showtime" Kenn' ich, mag ich... lach' ich?
Treffen sich ein weißer Griesgram und ein schwarzer Witzbold... Nein, dies ist nicht der Beginn eines bodenlos schlechten Witzes, sondern die Quintessenz des Filmes "Showtime" mit Robert De Niro als Miesepeter und Eddie Murphy als Vertreter der dunklen Seite des Humors. Beide sind Cops, passen zusammen wie Hund und Katz und müssen auch noch als Team ins Fernsehen.
Das mutet vertraut an: Da wäre zunächst die inhaltliche Ähnlichkeit zu Filmen wie "Lethal Weapon" oder "Rush Hour" und natürlich das Filmplakat-Motiv, welches man schon hundertfach gesehen zu haben meint - von den Gesichtern der Mimen ganz zu schweigen. In Bezug darauf: William Shatner spielt auch mit.
Auch die Story bricht aus keinen Bahnen: Detective Mitch Preston (Robert de Niro) mag nicht reden, Noch-nicht-Detective Trey Sellers (Eddie Murphy) dagegen umso mehr. Letzterer ist zudem nur Polizist geworden, weil es für eine Schauspielkarriere nicht gereicht hat. Bei einer Undercover-Aktion von Preston platzt Sellers dazwischen und nimmt erst einmal seinen Kollegen fest, weil er ihn für einen Drogenhändler hält - flugs ist auch das Fernsehen da. Daraufhin platzt Preston der Kragen: Wutentbrannt schießt er dem Kameramann die Kamera von der Schulter.
Diese Szene wiederum inspiriert die Fernsehproduzentin Chase Renzi (Rene Russo) zu einer Reality Show mit wirklichen Cops und wahren Gefühlen. Bei der Suche nach den Hauptdarstellern für die Serie "Showtime" fällt die Wahl natürlich prompt auf Preston und Sellers. Was folgt, ist die zart knospende Sympathie zwischen den beiden Buddys wider Willen, die es zu entwickeln gilt - sowie ein echter Kriminal-Fall, den es zu lösen gilt.
Das klingt alles etwas ermüdend, ist es auch, erfreut aber trotzdem. Der Grund dafür ist die Freude am Wiederkennungs-Effekt getreu dem Motto "Kenn ich, mag ich, guck ich". Ein Beispiel dafür ist der Drogenbaron Vargas (Pedro Damian), der böse Gegenspieler von Preston und Sellers: ein Anachronismus in Reinkultur. Dass jemals wieder ein Fiesling im Kino zu sehen sein würde, der einen russischen Akzent spricht, blond gesträhnte Haare hat und einen pastellfarbenen Anzug trägt, hätte wohl kein Kind der achtziger Jahre je zu hoffen gewagt.
Ein weiteres Wiedersehen lässt sich mit William Shatner feiern. Der spielt zum Glück sich selbst und bietet schon allein deshalb vergnügliche Momente. Als ehemaliger Held der Serie T. J. Hooker ist er bekanntermaßen Experte für Fernsehcops hat die zweifelhafte Ehre, das ungleiche Paar fernsehtauglich zu machen. Als er den beiden vormachen will, wie man sich lässig auf die Kühlerhaube eines Autos wirft, flutscht er dickbäuchig auf der anderen Seite wieder herunter - zugegebenermaßen kein erstklassiger Gag, dennoch kann man sich eines Schmunzelns nicht erwehren, schließlich kugelt Kindheitsheld Captain Kirk nicht einfach so von Autos herunter.
Aber die Zeiten ändern sich und wenn man sich darüber einig ist, dass früher zwar nicht alles stilvoller, aber dafür vieles besser war, braucht man auch nicht mit spitzem Finger darauf hinzuweisen, dass Robert De Niro vor langer Zeit einmal gute Filme gedreht hat. Hat man dessen Hang, sich in Komödien wie "Reine Nervensache" und "Meet The Parents" selbst zu parodieren, erst einmal zähneknirschend hingenommen, mag man sich auch darüber amüsieren, dass der brummelnde Polizist Preston in seiner Freizeit hingebungsvoll organisch geformte Gefäße töpfert, an denen wohl nur Colani seine Freude hätte.
Weniger erfreulich ist wiederum, dass der Film zunächst verspricht, das Genre der Polizisten-Buddy-Filme zu konterkarieren, sich dann aber sehr schnell selbst in Klischees verfängt. Gleich in der ersten Film-Sequenz doziert Preston vor einer Schulklasse, er habe während seiner ganzen Dienstzeit noch nie gesehen, dass sich ein Polizeiwagen bei einer Verfolgungsjagd überschlägt, kommen eine die Autos eine Stunde später aus dem Wirbeln kaum mehr heraus. Schließlich darf dann auch der knuffige Hund nicht mehr fehlen, den Preston in sein Herz schließt, und noch viel weniger das rührselige Telefonat, in dem er sich beim vormals verhassten Sellers mit knarzender Stimme bedankt, weil sich dieser am Ende wie ein echter Freund benommen hat.
Darüber kann man sich aufregen, muss man aber nicht. Denn geht man zu guter Letzt aus dem Kino, lässt sich konstatieren: Ein bisschen gelacht, ein bisschen geärgert und ganz schnell vergessen. Ist ja auch manchmal ganz schön.
"Showtime". USA 2002. Regie: Tom Dey; Buch: Keith Sharon, Alfred Gough, Miles Millar; Darsteller: Robert De Niro, Eddie Murphy, Rene Russo, William Shatner; Produktion: Material Productions, Tribeca Productions, NPV Entertainment; Verleih: Warner Bros; Länge: 95 Min.; Start: 11. April 2002