Sigourney Weaver: Die Millenniums-Barbarella - DER SPIEGEL
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Sigourney Weaver Die Millenniums-Barbarella

"Das Gegenteil eines feuchten Produzententraums", wie sich Sigourney Weaver selbst bezeichnet, mimt in der kosmischen Komödie "Galaxy Quest" eine naive Raumfahrerin. Ein Gespräch über ihre Rolle als vollbusige SciFi-Blondine, Erotik durch Erfahrung und Karate.
Von Ulrich Lössl
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Waren Sie froh, als Sie Ihre Blondhaar-Perücke wieder abnehmen konnten?

Weaver: (Lacht) Ach, ich habe mich während der Dreharbeiten köstlich amüsiert. Und ich hätte nie im Leben gedacht, dass meine Bemerkungen über Blondinen solchen Wirbel machen würden.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben damit anscheinend einen empfindlichen Nerv getroffen - zumindest bei Blondinen.

Weaver: Aber es war doch nur ein Witz, als ich sagte, dass ich mit blonden Haaren große Schwierigkeiten hätte, einen intelligenten Satz herauszubringen. Abgesehen davon sind diejenigen, die sich darüber aufgeregt haben, sowieso keine echte Blondinen, sondern gefärbte. Wie Pamela Anderson zum Beispiel.

SPIEGEL ONLINE: Wie wär's mit einem Blondinenwitz?

Weaver: (setzt sich in Positur) Mein Lieblingsblondinenwitz geht so: Steht eine Blondine vor einem Automaten mit Süßigkeiten. Sie wirft ein Geldstück hinein, zieht eine Rolle Bonbons, wirft wieder ein Geldstück hinein, nimmt wieder die Bonbons und so weiter. Hinter ihr hat sich mittlerweile eine lange Menschenschlange gebildet. Als sie nicht aufhört, Bonbons aus dem Automaten zu holen, tippt ihr der Hintermann auf die Schulter und sagt: "Entschuldigung, aber dürfen wir auch mal?" Sie darauf ganz entrüstet: "Ausgerechnet jetzt, wo ich eine Glückssträhne habe!"

SPIEGEL ONLINE: Wird man als Frau - vor allem in Hollywood - nicht in erster Linie nach dem Aussehen beurteilt?

Weaver: Sicher, aber wenn man sonst nichts auf dem Kasten hat, wird man es auch in Hollywood nicht schaffen.

SPIEGEL ONLINE: Noch wichtiger als gutes Aussehen ist im Movie-Business nur noch eines: Jugend. Sie haben letztes Jahr ihren 50. Geburtstag gefeiert...

Weaver: ...und deshalb gehöre ich noch lange nicht zum alten Eisen. Es stimmt natürlich, dass Jugend und Schönheit gepaart miteinander fast unschlagbar sind, aber es ist eben nicht alles. Im Übrigen stehe ich zu jeder Falte, die ich habe. Für mich ist das ein Ausdruck von Leben. Abgesehen davon habe ich noch niemanden gesehen, der x-mal geliftet ist und dabei wirklich attraktiv aussieht. Das ist doch alles ein großangelegter Selbstbetrug.

SPIEGEL ONLINE: Bei ihrem Weg in die erste Schauspieler-Riege mussten Sie gegen viele Vorurteile ankämpfen.

Weaver: Ganz genau! Ich bin Yale-Absolventin, ich komme aus einem reichen Elternhaus. Mein Vater war Präsident der TV-Gesellschaft NBC, meine Mutter eine erfolgreiche Schauspielerin. Und dann entspreche ich so ziemlich dem Gegenteil eines feuchten Produzententraums: Ich bin groß, selbstbewusst und dunkelhaarig.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Arbeitsbedingungen für Frauen in Hollywood heute besser als vor 20 Jahren?

Weaver: Auf jeden Fall. Schauen Sie sich doch nur die Filme an, die bei der Oscar-Verleihung abgeräumt haben. Viele Filme, zumindest in den USA, sind Ensemble-Filme oder - wie man früher sagte - "Problemfilme". Also alles andere als Popcorn-Movies.

SPIEGEL ONLINE: Ihr neuer Film "Galaxy Quest" ist allerdings genau das: ein Popcorn-Movie.

Weaver: Ja, und ich stehe dazu. Weil ich finde, dass "Galaxy Quest" eine sehr witzige, selbstironische und intelligente Komödie geworden ist.

SPIEGEL ONLINE: Dabei sind Sie eigentlich der große Besetzungs-Coup: Der mega-coole "Alien"-Comander Ripley mutiert vor unseren Augen zur Millenniums-Barbarella.

Weaver: Ist das nicht genial? Ich liebe es, in Komödien zu spielen. Irgendwie ist es schon komisch, dass mich die meisten Leute überwiegend in ernsten Filmen wie "Der Eissturm", "Gorillas im Nebel" oder in "Ein Jahr in der Hölle" in Erinnerung haben. Hey - ich war in zwei Ghostbusters-Filmen zu sehen, in der Präsidenten-Komödie "Dave" oder in "Die Waffen der Frauen". Ich bin alles andere als der schwermütige Typ.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Angst vor dem Älterwerden?

Weaver: Ich habe mich immer gefreut, wenn ich eine neue Dekade erreicht hatte. Ich wurde gern 20, 30, 40, 50... ob ich mich allerdings bei meinem 60. Geburtstag auch freuen werde (lacht)? Aber ich fühle mich mitten im Leben.

SPIEGEL ONLINE: Es heißt, dass manche Frauen erst im reiferen Alter ihre Erotik voll entfalten.

Weaver: Da ist sicher etwas Wahres dran. (Lacht) Erfahrung macht sehr sexy!

SPIEGEL ONLINE: Sie sind eine der wenigen Frauen Hollywoods, die sowohl erotisch als auch intelligent wirken.

Weaver: Eine gefährliche Kombination - vor allem für die armen Männer, nicht wahr?

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie damit schon viele Männer verunsichert?

Weaver: Um die Wahrheit zu sagen, habe ich sie immer mit meinem Gardemaß von 1.80 Meter verschreckt (lacht). Und außerdem kann ich Karate.

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