Spanien: Regie-Rebell Bardem gestorben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Spanien Regie-Rebell Bardem gestorben

Der spanische Filmemacher Juan Antonio Bardem ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Auch in Deutschland wurde Bardem in den 50er Jahren mit seinen neorealistischen Filmen "Tod eines Radfahrers" und "Hauptstraße" bekannt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Filmemachen war für ihn stets mit einem inhaltlichen Engagement verknüpft, auf der Liste der Zensurbehörden Francos standen Bardems Filme darum immer ganz oben. In seinem letzten Lebensjahr erhielt er den "Goya", den Preis der spanischen Akademie für Filmkunst für sein Lebenswerk. Am Mittwoch erlag der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Madrid einem Leberleiden.

Bis zuletzt war Bardem nicht nur ein bekannter Vertreter, sondern auch ein leidenschaftlicher Kritiker des spanischen Films gewesen, der ihm "sehr verfeinert, sehr konform" erschien. "Viele Genossen hatten immer betont, dass man vieles erst dann machen könne, wenn es keine Zensur mehr gäbe. Als es dann aber so weit war, haben sie trotzdem nichts bewegt."

Der Sohn einer traditionsreichen Madrider Schauspielerfamilie hatte 1947 zu den ersten Studenten der neu gegründeten Madrider Filmschule gehört. Heimlich hatte er außerdem mit Freunden eine Zelle der kommunistischen Partei gegründet. "Das ist eine der Salchen, auf die ich wirklich stolz bin in meinem Leben", sagte Bardem noch viele Jahre später im Interview. Zu dem Pathos und dem hausbackenen Frohsinn des damaligen spanischen Films stand Bardem schon zu Beginn seiner Laufbahn in Opposition. Um einer möglichen Zensur zu entgehen, versteckte er die politische Kritik seiner Filme hinter den Geschichten einfacher Leute, wie zum Beispiel in seinem Erstling "Esa pareha feliz" von 1951. Ein wichtiger Einfluss auf Bardems Filmkunst war die Begegnung mit dem italienischen Neorealismus Ende der vierziger Jahre. "Wir erkannten, dass die Filme, die wir machen wollten, längst entstanden. Das war für unsere Generation wie eine Eröffnung." In den neorealistische Werken "Tod eines Radfahrers" (1955) und "Hauptstraße" (1956) spiegelte der Regisseur die gesellschaftliche Stagnation seines Heimatlandes auch für das ausländische Publikum.

Der von Bardem produzierte und vom spanischen Ausnahmeregisseur Luis Bunuel gedrehte Film "Viridiana" erhielt 1961 die "Goldene Palme" bei den Filmfestspielen in Cannes. In Spanien wurde das preisgekrönte Werk über Auswüchse christlicher Barmherzigkeit erst anschließend zur Staatsaffäre. Francos Behörden entzogen dem Film rückwirkend die Drehgenehmigung. "Ich hatte das Negativ eines Films zu Hause liegen, den es offiziell gar nicht gab", erzählte Bardem später, "Als hätte man einem die Geburtsurkunde entzogen." Nach Aufführung von "Viridiana" in Mexico musste Bardems Produktionsfirma Uninci aufgeben. Es folgte eine Zeit der Brotarbeit mit Filmen, die seinen eigenen Ambitionen nicht genügten. Die Demokratisierung nach Francos Tod, von massiven Drohungen der extremen Rechten geprägt, war für Bardem und viele andere politisch engagierte Künstler eine Enttäuschung. "Sieben Tage im Januar", ein Film über den tatsächlichen Mord an fünf linksgerichteten Anwälten in Madrid, wurde sein polemischstes Werk, jedoch bei der Kritik ein Misserfolg. Auch der "Goya" für sein Lebenswerk versöhnte Juan Antonio Bardem nicht mit dem spanischen Film.